willkommen in der welt der selbstreflexion - wortwörtlich

Wer diesen Sommer nach London reist, sollte sich die Ausstellung der japanischen Künstlerin Yayoi Kusama nicht entgehen lassen.

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26 Mai 2016, 10:55am

Yayoi Kusama Portrait, 2014 Photography © Noriko Takasugi

Es waren die Endfünfziger, als eine junge Japanerin in ein Flugzeug stieg und ans andere Ende der Welt, nach New York um genau zu sein, geflogen ist. Das Ziel: Sich in der Kunstszene des Big Apples einen Namen zu machen. Die in einer Kleinstadt aufgewachsene Yayoi Kusama kannte kaum jemanden, schaffte es aber sich schnell als eine der wichtigsten eingewanderten Künstler der Nachkriegszeit zu etablieren. Ihre Geschichte ist dabei auch signifikant für die Grenzenlosigkeit ihrer Arbeit, die aktuell in London in der Victoria Miro Galerie ausgestellt wird—nach der Retrospektive im Tate Modern 2012 ihre bislang größte Ausstellung im Vereinigten Königreich.

All the Eternal Love I Have for the Pumpkins, 2016 

Von dispergierten Mustern in ihrer „INFINITY-NETS" Serie bis hin zu kosmischen Ereignissen in „Where the Lights in My Heart Go"—ihre erste Outdoor-Version der beliebten verspiegelten Räume—Grenzenlosigkeit ist ein Thema, das sich als roter Faden durch die Arbeit von Yayoi Kusuma zieht (und sich durch die Spiegelräume endlos wiederholt). Punktemusterungen auf großflächigen Leinwänden, ein Kronleuchter, der verschiedene Perspektiven widerspiegelt und ein Raum aus leuchtenden, gelben Kürbissen—ein seit den Siebzigerjahren immer wieder kehrendes Motiv ihrer Arbeit—scheinen sich in die Unendlichkeit auszudehnen. 

Versuch bitte nicht in diesem Umfeld das perfekte Selfie zu schießen. Das Licht ist nicht optimal. Und am Ende des Tages bist du einfach nur eine Person, die zwischen verdammt vielen Kürbissen steht. Diese Räume sind aber auch nicht für Selfies gemacht, sondern für Momente der (wortwörtlichen) Selbstreflexion. Willkommen in der unendlich verblüffenden Welt der Yayoi Kusama.

Chandelier of Grief, 2016 

Yayoi Kusamas Arbeiten sind vom 25. Mai bis 30. Juli in der Victoria Miro Gallerie zu sehen.

Credits


Text: Matthew Whitehouse 
Fotos: via KUSAMA Enterprise, Ota Fine Arts, Tokyo / Singapore and Victoria Miro, London © Yayoi Kusama