Die andere Amy Winehouse

Die intimen Aufnahmen in dem Buch "Before Frank“ von Fotograf Charles Moriarty zeigen eine glückliche Amy Winehouse.

von Briony Wright; Fotos von Charles Moriarty
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17 Mai 2016, 12:35pm

Anfang August erscheint der Bildband Before Frank mit bisher unbekannten Bildern des Fotografen Charles Moriatry der britischen Sängerin, der mithilfe einer Kickstarter-Kampagne finanziert wurde. Die intimen Aufnahmen entstanden 2003 während der Veröffentlichung ihres ersten Albums Frank.

Charles Moriarty ist auch für das Coverbild des Albums Frank verantwortlich: Ein Schnappschuss von Amy in einem grell-pinkem Oberteil, halb belichtet, halb verdunkelt, mit einem Hund an der Leine.

Während die Freundschaft der beiden immer inniger wurde, wuchs auch die Anzahl intimer Bilder einer entspannten, glücklichen und gesunden Amy – ein Kontrast zu den zahlreichen deprimierenden Aufnahmen, die in den letzten Jahren die Medien überflutet haben.

Wir haben mit Charles über seine Zusammenarbeit mit Amy und der Notwendigkeit, einer Freundin würdevoll zu gedenken, gesprochen und zeigen dir eine Auswahl der Aufnahmen.


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Deine Bilder sind wunderschön und eine Erinnerung daran, dass Amy auch glückliche Zeiten hatte. Warum hast du dreizehn Jahre gewartet, bis du sie veröffentlicht hast?
Es hat sich zuvor einfach nie richtig angefühlt. Ich habe letztes Jahr Asif Kapadias Film Amy angesehen und war danach zutiefst traurig. Ich wollte etwas Positiveres hinterlassen. Es ist eine wundervolle Dokumentation, aber Before Frank zeigt eben die andere Seite: die glücklichere Amy. Ich teile eine Erinnerung, die ich lange mit mir herumtrage. Und die mussten jetzt einfach mal an die Öffentlichkeit. Wir waren noch Kids, als ich diese Bilder gemacht habe – Amy war gerade mal zwanzig – und wir hatten so viel Spaß.

Wieso hast du dich dazu entscheiden, dieses Buch selbst zu verlegen? Ich kann mir vorstellen, dass es viel Interesse von Verlegern gab.
Ich habe darüber nachgedacht, aber ich hatte Angst davor, die Kontrolle zu verlieren. Ich wollte keine Gewinnmargen berücksichtigen müssen oder Wege verkürzen. Die Entscheidung, das Buch selbst zu verlegen, hat uns die Sicherheit gegeben, dass wir etwas Außergewöhnliches machen.

Hast du damals viel fotografiert? Sind diese Bilder eine kleine Auswahl zahlreicher Aufnahmen?
Nicht wirklich. Ich hatte einfach sehr viel Glück, mit Amy zusammenzuarbeiten, weil sie gleichermaßen außergewöhnlich, aber auch entspannt war. Dadurch sind viele tolle Bilder entstanden, ohne dass ich den Auslöser zu oft abgedrückt habe. Ich schaue mir die Fotos aber ungern einzeln an. Erst im Kontext des Buches fangen sie an, eine Geschichte zu erzählen. Sie harmonieren so gut zusammen und reflektieren ein sehr schönes Gefühl.

Hast du ein Lieblingsfoto?
Es gibt ein Bild von Amy in einem schwarzen Patrick-Swayze-T-Shirt mit Gibson-Gitarre. Wir haben im Aufzug des Ritz-Towers in New York fotografiert und die Jungs vom Empfang haben den Aufzug immer wieder nach unten gerufen, weil sie ansonsten komplett nackt war. Es waren großartige 24 Stunden. Ursprünglich war der Plan, draußen und im Dunkeln zu shooten, um das Albumcover aufzugreifen, aber noch bevor wir das Gebäude verlassen hatten, gab es ein riesiges Gewitter. Also mussten wir unsere Pläne ändern. Es war ein Chaos im besten Sinne. Das ist auch einer der Gründe, weshalb die Bilder damals nicht verwendet wurden. Sie haben einfach nicht zum bereits vorhandenen Material gepasst. Das war in vielerlei Hinsicht ein Glück.

Wann wird dieses Buch erscheinen?
Im Moment arbeite ich immer noch am Design. Wir hoffen, dass die erste Auflage Anfang August erhältlich sein wird. Wenn es um gutes Design geht, sollte man nichts überstürzen.

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