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Mit Zola Jesus’ neuem Album wirst du dich weniger alleine fühlen

Die amerikanische Musikerin kehrt zurück zu ihren Wurzeln. Das daraus entstandene Album "Okovi" geht ebenso an die Substanz.

von Joely Ketterer; Fotos von Tim Saccenti
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01 September 2017, 10:20am

Zola Jesus ist eine Szene-Kennerin: Drei EPs und fünf LPs hat sie uns schon beschert. Seit über zehn Jahren komponiert die 28-Jährige Musik. Für Okovi, ihr neues Album, das am 8. September erscheint, ist die geborene Nika Roza Danilova zurück in ihre Heimat Wisconsin gezogen und hat sich erneut mit ihrem ersten Plattenlabel Sacred Bones zusammengetan. Auch ihr unverwechselbarer, elektronischer Sound, der Klassik und Goth in sich verbindet, erinnert an das Debüt-Album der Sängerin.

Mit Okovi nimmt uns Zola Jesus nun mit in den Nebel, durch den sie sich im letzten Jahr tapfer gekämpft hat. Wie die düsteren und — auch von Licht — reflektierenden Tracks dabei entstanden sind, hat uns Nika im Interview erzählt.


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Okovi ist ein slawisches Wort für Fesseln. Woran bist du gefesselt?
Seit ich klein bin, hatte ich eine Angststörung. Das hat meine Kindheit unheimlich durcheinandergebracht. Ich konnte sie überwinden, vor Kurzem kam sie dann aber wieder ein wenig zurück. An diese Angststörung fühle ich mich sehr gefesselt. Aber ich fühle mich auch sehr an das Schicksal gebunden — so als wäre mein Lebensweg schon durchgeplant, ob ich will oder nicht.

Warum bist du für das Album zu deinen Wurzeln zurückgekehrt?
Ich war sehr depressiv und habe ziemlich weit weg von Zuhause gelebt. Ich hatte das Gefühl, dass ich mich stabilisieren muss, und bin deshalb zurück nach Wisconsin gezogen. Das hat mir wirklich sehr geholfen. Mich wieder mit Sacred Bones zusammenzutun, hat sich angefühlt, als würde ich wieder zu einer Familie zurückkehren. Ich bin froh, dass ich Neues ausprobiert habe, aber warum sollte man eine Familie loslassen wollen?

Hat es dein Schreiben beeinflusst, dass du in Wisconsin fernab von allem in einem Wald gewohnt hast?
Es war sehr befreiend. Niemand kann dir zuhören, du hast das Gefühl, die einzige Person auf der Welt zu sein.

Während du Okovi komponiert hast, musstest du dich durch einen Nebel kämpfen. Wie hat die Musik dir dabei geholfen?
Am Anfang war ich so depressiv, dass ich nicht schreiben konnte. Diese Traurigkeit war so tief, dass es mir einfach nicht möglich war, produktiv zu sein. Als es langsam besser wurde, konnte ich die Musik verwenden, um alles zu verarbeiten, was ich durchgemacht habe.

Hat Musik eine schützende Kraft in solchen Lebensphasen?
Musik kann ein Fluchtweg sein, aber auch ein schützender und heiliger Ort.



Was ist das Interessante daran, organische und elektronische Elemente in der Musik zu vereinen?
Organische Instrumente erden die Musik. Die elektronischen Elemente sorgen dann dafür, dass es sich anfühlt wie ein unheimliches Tal — du weißt nicht, was real ist und was nicht. Die Musik wird ihr eigener Hybrid.

Was sollen die Zuhörer von deinem neuen Album mitnehmen?
Ich möchte, dass sich die Leute mit ihren persönlichen Kämpfen weniger alleine fühlen. So vieles aus Okovi ist eine Momentaufnahme von sehr traumatischen Erlebnissen, meiner eigenen Depression und der von Leuten um mich herum. Ich möchte einfach, dass das Album nützlich ist.

@zolajesus

Hier gibt es einen Vorgeschmack auf Okovi:

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