So anders tickt die neue Generation Georgiens

Welcome to Tiflis: Durch die Augen junger Kreativer blicken wir auf die Modeszene der Hauptstadt Tiflis.

von Alexandra Manatakis; Fotos von Gosha Pavlenko
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29 August 2017, 2:08pm

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der AU/NZ-Redaktion.

Nirgendwo auf der Welt ist man wahrscheinlich auf Demna Gvasalia stolzer als in der georgischen Hauptstadt Tiflis. Zwar wurde der Creative Director von Balenciaga 400 Kilometer südwestlich, in Sochumi, geboren, sein internationaler Erfolg hat aber eine neue Generation von kreativen Köpfen im ganzen Land hervorgebracht. Wir haben die Models der Stunde aus Tiflis getroffen und ihnen ein paar Fragen gestellt.

Qeti Lomadze, 18

Was ist das Einzigartige an der Modeszene in Tiflis?
Es ist die unangestrengte Mischung aus unterschiedlichen Kulturen. Man sieht es in der Mode nicht oft, dass sich Tradition und Moderne so gut verstehen. Und natürlich die post-sowjetische Ästhetik, von der der Rest der Welt momentan nicht genug bekommen kann — diese existiert in Georgien schon seit Jahren, nur hat es davor keinen interessiert.


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Nino Dadivadze, 18

Was wünschst du dir für die Zukunft von Tiflis Modeszene?
Es würde mich glücklich machen, wenn die Stadt in fünf Jahren eine der Modezentren auf der Welt ist. Wir haben alles, was es dafür braucht: talentierte Designer und Models.

Welche Ästhetik hat Tiflis der Welt gebracht?
Unser Kultur ist so umfangreich und steckt voller neuer Ideen. Die georgische Nationaltracht ist bunt und vielfältig. Auch wenn mein Land relativ klein ist, hat jede Region ihre eigene Tracht, besonderen Schmuck und Ornamente. Wir haben so viel Geschichte, die wir mit der Welt teilen wollen.

Tiko Jijelava, 17

Was hat Georgien der Modewelt gebracht?
Man kann zwar nicht sagen, dass Georgien eine führende Position in der Modeindustrie hat, aber das ändert sich hoffentlich bald. Ich bin so stolz auf die georgischen Designer, die im Ausland so erfolgreich sind, besonders Demna Gvasalia. Er hat es geschafft.

Marika Rakhansen, 17

Stehen Mode und das Leben in Tiflis in einem Austausch?
Tiflis hat eine große Underground-Szene. Ich glaube sogar, dass der Untergrund zum Mainstream für einen Großteil der georgischen Gesellschaft wurde. Das spiegelt sich auch in unserer Mode wider. Die georgische Gesellschaft beeinflusst eher die Mode als andersrum.



Wie hat sich der Style in Tiflis in den letzten fünf Jahren verändert?
Ich kann mich noch daran erinnern, als alle Schwarz getragen haben. Das ist vorbei. Es ist bunter auf den Straßen geworden.

Was hat Georgien der internationalen Modeindustrie gebracht?
Demna Gvasalia und David Koma, und diese Liste wird noch länger werden. Es wird bald mehr Star-Designer geben.

Ani Gava, 20

Erzähl uns mehr über den Wandel der Modeszene in Georgien.
Projekte wie BeNext und MBFW haben die georgischen Designer vereint und die internationale Presse und Einkäufer auf das Land aufmerksam gemacht. Dadurch haben sich neue Möglichkeiten für die Designer eröffnet, durch die sie sich ausdrücken können.

Was ist das Besondere an der georgischen Ästhetik?
Die georgischen Designer gehören zu den talentiertesten. Sie waren schon immer außergewöhnlich. Die georgische Mode ist so frei und wird immer wieder durch seine Nachbarn beeinflusst. Es ist eine einzigartige Perspektive.

Ani Chikhladze, 23

Was wünschst du dir für die Zukunft von Tiflis Modeszene?
Es gibt so viele talentierte Designer mit großem Potenzial hier. Ich hoffe, dass die Industrie ihnen auch die Chance gibt, dass sie dieses ausleben können.

Elene Makharashvili, 22

Wie sehr bestimmt Mode das Leben in Tiflis?
Die Mode hat die gleiche Bedeutung wie sonst überall auf der Welt auch, da gibt es keine Unterschiede.

Welche Rolle spielt deine Stadt in der internationalen Modewelt?
Tiflis spielt nur eine untergeordnete Rolle — zumindest noch. In den kommenden Jahren wird mein Land der Industrie noch mehr geben können.

Tikuna Tsankashvili, 19

Was wünschst du dir für die Zukunft von Tiflis Modeszene?
Ich hoffe, dass noch mehr Georgier verstehen, was Mode wirklich ist und dass es dabei um mehr als nur Kleidung geht.