Fotos: Bec Martin

"Es ist ein Luxus, die eigene Identität erforschen zu können"

Diese Fotografin gewährt einen Blick auf die moderne Jugend Australiens.

von John Buckley
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24 September 2018, 2:33pm

Fotos: Bec Martin

Bec Martin fängt die australische Jugend ein wie kein anderer. Das liegt daran, dass sie selbst Teil davon ist. In ihrem neuesten Projekt hält sie das Leben ihrer Freunde fest. Mal sehen wir lichtdurchflutete Augenblicke, in denen wir das Knistern förmlich spüren können. Mal sind es Schnappschüsse, die einen voyeuristischen Blick in das Leben völlig Fremder geben. Dass die moderne Interpretation von Identität eine wichtige Rolle in Martins Arbeiten spielt, kommt nicht von ungefähr.


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Was als Uniprojekt begann, entwickelte sich zu einer Dokumentation all der schmerzhaften Probleme und unerschütterlichen Höhen, die jeder junge Erwachsene durchleben muss. Auch wenn die meisten ihrer Bilder eine gewisse Nonchalance-Atmosphäre ausstrahlen, geht es darin viel um gesellschaftliche Wahrnehmung von Gender und Sexualität. Wir haben uns mit Martin zusammengesetzt, um uns ein eigenes Bild von dem zu machen, was die junge Fotografin verkörpert: Die australische Jugend.

Erzähl uns mehr von deiner Fotoserie.
Ich wollte mir genauer anschauen, wie sich junge Menschen in Australien mit dem Thema Gender beschäftigen. Gerade auf dem Weg zum Erwachsenwerden finde ich es großartig, sich mit seinen Freunden auszutauschen zu können. Diese wichtigen Gespräche habe ich im Nachhinein versucht, auf Bild festzuhalten.

Wer sind die Menschen auf deinen Bildern?
Die meisten sind Freunde von der Uni, die sich mit den gleichen Dingen beschäftigen wie ich. Zwar habe ich angefangen, auch viele Fremde zu fotografieren, aber irgendwie macht es mehr Spaß mit Leuten, die ich bereits kenne. Ich bin mir nicht ganz sicher, was ich so anziehend an ihnen finde – wahrscheinlich ist es das Vertraute.

Was bedeutet moderne Männlichkeit für dich?
Mich interessiert, wie das Konzept Männlichkeit und Weiblichkeit für einzelne Menschen funktioniert. Ich war selbst an dem Punkt, dass ich meine eigene Weiblichkeit hinterfragt habe, deswegen rede ich gerne mit anderen über diese Themen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich mir meines Privilegs gar nicht bewusst bin. Es ist ein Luxus, die eigene Identität erforschen zu können.

Deine Bilder erinnern stark an die Welt von Larry Clarks Kids, in der Erwachsene nicht erlaubt waren. Erzähl uns mehr über deine Einflüsse.
Für mich geht es mehr darum, das Erwachsenwerden zu steuern als zurückzuweisen. Da ist diese Art von Ungewissheit, aber ich bin mir sicher, dass auch diese sich verändern wird, je älter du wirst. Am liebsten lasse ich mich von David Amstrongs Buch 615 Jefferson Avenue inspirieren, aber ich bin auch großer Fan von Collier Schorr und Wolfgang Tillmans.

@becmartin_

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der australischen Redaktion.