Was wurde eigentlich aus deinen Lieblings-Emo-Stars?

Und feiert Avril Lavigne gerade ein Comeback?

von Hannah Ongley
|
25 September 2018, 9:44am

Vor gut einem Jahr redete jeder auf Twitter über Avril Lavigne, oder zumindest über eine alte Verschwörungstheorie über ihren Tod. Damals verbreitete eine brasilianische Fanseite ("Avril Esta Morta") das Gerücht, die Sängerin sei gestorben und durch eine Doppelgängerin namens Melissa ersetzt worden. Eigentlich war das ein schlechter Witz, trotzdem war das Internet nicht mehr zu bremsen. Während Avril Ramona Lavignes "Sk8er Boi" und "Complicated" zu den Karaoke-Hymnen unserer Zeit wurden, machte die Popsängerin im Laufe ihrer Karriere einiges durch. 2015 ließ sich Lavigne von Nickelback-Frontsänger Chad Kroeger scheiden und litt jahrelang unter Borreliose. Doch Avril wäre nicht Avril, würde sie sich nicht wieder aufrappeln.


Auch auf i-D: Emo war einer der wenigen echten Subkulturen


"In dieser einen Nacht dachte ich, das wär's. Irgendwie habe ich mich damit abgefunden, zu sterben", schreibt Avril Lavigne über die Inspiration zu ihrem neuen Song "Head Above Water", der diese Woche erschienen ist. "Meine Mutter hat mich ins Bett gebracht und mich einfach nur festgehalten. Ich hatte das Gefühl, als würde ich ertrinken", erzählt die mittlerweile 33-Jährige weiter. Die neue Klavierballade der Sängerin erinnert an Lavignes Let Go-Ära und an unsere eigene Emo-Teenage-Zeit. Darin verarbeitet der "Sk8er Boi"-Star die letzten Jahre und gibt uns einen Einblick in ihr Gefühlschaos.

Damit reiht sich Avril Lavigne in eine Liste an Popstars, die ihre persönlichen Probleme in emotionalen Popsongs verarbeiten. So auch Demi Lovato, die ihr Suchtproblem durch Dokumentationen und unzählige Interviews der Öffentlichkeit anvertraut und sogar ein ganzes Album gewidmet hat. Doch was ist eigentlich aus all den anderen Popstars geworden, die uns durch unsere schweren Teenage-Jahre gebracht haben? Ohne die wir heute immer noch auf der Suche nach unserem wahren Ich wären?

Christina Aguilera hat gerade erst den besten Auftritt auf der New York Fashion Week für sich gewinnen können und ihr Comeback-Album Liberation veröffentlicht. Kelly Clarkson gehört immer noch zu Amerikas Lieblingssängerinnen, nachdem sie 2002 durch die Fernsehsendung American Idol bekannt wurde. Und Missy Elliot ist weniger Popstar als eine der größten Musikproduzentinnen unserer Zeit.

Die meisten Stars von damals sind uns auch heute noch erhalten geblieben. Das mag an der Loyalität ihrer Fans liegen, die Jahrzehnte später immer noch gerne in Nostalgie schwelgen. Vielleicht wurde Avril zu ihrer Skate-Rock-Ästhetik überredet, vielleicht ist es ein Kunstwerk ihrer Manager. Aber macht das wirklich etwas aus? Ihre Lieder aus dieser Zeit fangen immer noch das Gefühl eines jeden verwirrten Teenagers ein, der sich gerade selbst findet und dabei unglaublich beknackt aussieht. In einer kapitalistischen Popwelt war Authentizität schon immer mehr Strategie als Wahrheit. Ja, vielleicht hat die Selbstfindungsphase von Avril ein bisschen länger gedauert als bei den meisten von uns. Trotzdem tut es gut, zu wissen, dass es letzten Endes nur darauf ankommt, seinen Fans zu zeigen, wer man wirklich ist. Mit allen Höhen, Tiefen und Verwirrungen. Und die hat jeder von uns, ob Popstar oder Sk8er Boi.

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.

Tagged:
Culture
Avril Lavigne
2000s