Sasha Trautvein: Der etwas andere Influencer

"Fashion Week ist für poshe Leute."

von Ryan White
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02 Januar 2019, 10:45am

Sasha Trautvein würde sich niemals Model nennen. "Ich sehe mich mehr als einen Influencer", sagt der 20-Jährige. Er ist groß, dünn und hat ein sehr einprägsames "wake up"-Tattoo unter seinem rechten Auge. Eigentlich hat Sasha alles, was du von einem Insta-Fame-Kid erwarten würdest: über eine halbe Million Follower und eine eigene Merch-Linie. "Vor zehn Jahren hätte sich keiner einen Dreck um mich geschert", erklärt Sasha. "Damals mussten Models sehr schön sein und sahen alle irgendwie gleich aus. Ich habe das Gefühl, dass Individualität heute vielmehr zählt – die Definition von Schönheit hat sich verändert."


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Sein Background ist nicht gerade der eines klassischen "Influencers", trotzdem ist die Modewelt verrückt nach Sasha. Geboren und aufgewachsen in Sibirien, hat er neben den bitterkalten Wintern auch die ökonomischen Auswirkungen des Zusammenbruchs der Sowjetunion miterleben müssen. "Im Winter wird es hier bis zu -40 Grad kalt. Damals gab es fünf Fabriken, in denen jeder gearbeitet hat. Nachdem die Sowjetunion zusammengebrochen ist, wurden alle Fabriken geschlossen. Sibirien war so arm. Jetzt ist es ein bisschen anders – gemütlicher, aber immer noch ziemlich schlecht."

Mit 17 hat Sasha die Schule geschmissen, ist von Zuhause ausgezogen und lebt mittlerweile in St- Petersburg. "Es ist zwar schön hier, trotzdem fühlt es sich für mich gefährlich an. Vor allem untertags sind verrückte Männer unterwegs – und wenn sie mit dir kämpfen wollen, machen sie das auch. Viele Kerle aus den Randbezirken kommen ins Zentrum, nur um Probleme zu suchen. Sie haben immer noch diese alte Sowjetunion-Mentalität."

“Fashion Week ist für poshe Leute.”

Für Sasha ist die Modewelt immer noch ein Rätsel. Das Modeln sieht er aber als Chance, die mehr einbringt als nur Geld. "Fashion Week ist für poshe Leute" – und nicht für die Kids. Für die Zukunft wünscht sich Sasha, Schauspieler zu werden, will sein Englisch verbessern, möchte noch mehr Modeljobs in Europa einheimsen, um seine Rechnungen zu bezahlen und bricht auch weiterhin Männer- und Frauenherzen auf Instagram ... schließlich bekommt er fast täglich Heiratsanträge.

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Kompletter Look von Edwin.
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Pullover: American Vintage. Jeans: Edwin.
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Jacke: Edwin. Hoodie: American Vintage. Jeans: Levi’s.

Credits


Fotos: Clare Shilland
Styling: Rúben Moreira

Grooming: Michael Harding / D+V Management verwendet Davines
Styling-Assistenz: Hugh Stewart

Dieser Artikel stammt ursprünglich aus unserer The Superstar Issue, no. 354, Winter 2018.