Wes Anderson und Juman Malouf vor dem Turmbau zu Babel von Pieter Bruegel der Ältere © KHM-Museumsverband, Foto: Rafaela Proell

Alles, was du über die Wes Anderson Ausstellung in Wien wissen musst

Ein Zoo voller ausgestopfter Tiere, komplett in Grün getauchte Räume und Bruchstücke unbekannter Statuen: Willkommen in der schrägen Welt deines Lieblings-Regisseurs.

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15 November 2018, 10:56am

Wes Anderson und Juman Malouf vor dem Turmbau zu Babel von Pieter Bruegel der Ältere © KHM-Museumsverband, Foto: Rafaela Proell

Ja, wir gehören auch zu der Sorte Mensch, die jeden Wes Anderson mindestens fünf Mal verschlingt, bevor wir wirklich genug davon bekommen können. Dank seiner Liebe zum Detail finden wir immer wieder neue, schräge Kleinigkeiten, die einen Einblick in Wes' Kopf offenbaren. Für alle, denen es genauso geht, haben wir großartige Neuigkeiten: Der bekannte Filmemacher und seine Frau Juman Malouf haben eine Ausstellung in Wien kuratiert – und wir verraten dir alles darüber.

Spitzmaus Mummy in a Coffin and other Treasures heißt das Meisterwerk im Kunsthistorischen Museum in Wien, das seit dem 5. November zu bestaunen ist. Hierbei handelt es sich um ein Langzeitprojekt, das renommierte Künstler dazu einlädt, ihre Lieblingsstücke aus vergangenen Ausstellungen auszuwählen und in einen neuen Kontext zu stellen. Als erstes stellte sich der amerikanische Illustrator Ed Ruscha im Jahr 2012 mit seiner Ausstellung The Ancients Stole All Our Great Ideas dieser Aufgabe, 2016 folgte dann der britische Schriftsteller Edmund de Waal mit During the Night. Nun haben sich auch Wes und Juma die Ehre gegeben.

Wes Anderson Juman Malouf mostra Vienna curatori
Wes Anderson und Juman Malouf © KHM-Museumsverband, Foto: Rafaela Proell

Die beiden sind übrigens im echten Leben genauso, wie du sie dir vorstellst: Ein schräges Pärchen, das so wirkt, als wäre es aus einem Wes Anderson Film entsprungen – surprise! Dank ihrer verrückten Besessenheit brauchten die beiden zwei Jahre, um über vier Millionen Objekte aus dem Museum zu durchforsten, um letzten Endes 423 für das Projekt auszusuchen. Wes Anderson wäre nicht Wes Anderson, würde er sich nicht vor allem für die Stücke interessieren, die in Vergessenheit geraten sind oder noch nie ausgestellt wurden. Fun Fact: 350 der Gegenstände stammen aus der Lagerhalle des Museums und wurden noch nie der Öffentlichkeit gezeigt.

Wes Anderson Juman Malouf mostra Vienna curatori
Exhibition View © KHM-Museumsverband

Entgegen jeder Logik des Kuratierens haben die beiden auf ihren kreativen Instinkt gehört und sich für die absurdesten Gegenstände entschieden. Ihr Fetisch für das Seltsame war noch nie ein großes Geheimnis, trotzdem sprengt ihre Auswahl jegliche Erwartungen. Die Ausstellung kennt weder eine Hierarchie, noch eine Chronologie oder Topografie. Hier wirst du eingeladen, das Alte neu zu entdecken – mit einer gewissen Ironie, die bei den meisten Museumsbesuchen verwehrt bleibt. Um dich durch die 5.000 Jahre alte Reise zu führen, gibt es visuelle und chromatische Vorschläge, aber auch atmosphärische Verbindungen, die aus den Objekten selbst heraus entstehen.

Wes Anderson Juman Malouf mostra Vienna curatori
Exhibition View © KHM-Museumsverband

Du brauchst nicht auf Erklärungen zu hoffen, denn es gibt keine. Wenn du dich also fragst, warum eine Skulptur von Jesus Christus neben einem hölzernen Stammes-Kunstwerk steht, musst du den unsichtbaren Bund zwischen zwei völlig unterschiedlichen Welten selbst erforschen.

In einem Raum gibt es zum Beispiel nur grüne Gegenstände, in einem anderen finden wir uns in einem Zoo voller kleiner ausgestopfter Tiere wieder. Nicht zu vergessen die drei Emu-Eier, die wie in einem Brutkasten ausgestellt werden und ein winziger Sarkophag inmitten des Raumes. Anstatt alte Büsten chronologisch zu ordnen, wurden sie nach Größe sortiert. Und natürlich gibt es auch Bruchstücke unbekannter Statuen, die ohne die beiden sicher keinen Platz in einem Museum gefunden hätten.

Das passiert also, wenn man Wes Anderson vor die Wahl stellt. Wahrscheinlich hat er Jasper Sharp und die anderen Kuratoren des Kunsthistorischen Museums in den Wahnsinn getrieben, gelohnt hat es sich allemal! Wir empfehlen dir an dieser Stelle einen neuen Tab mit der Billig-Airlines deines Vertrauens zu öffnen und den nächsten Flug nach Wien zu buchen. Falls du das nicht schön längst getan haben solltest ...

Wes Anderson Juman Malouf mostra Vienna curatori
Jasper Sharp, Juman Malouf, Wes Anderson und Sabine Haag © KHM-Museumsverband Foto: Rafaela Proell
Wes Anderson Juman Malouf mostra Vienna curatori
© KHM-Museumsverband
Wes Anderson Juman Malouf mostra Vienna curatori
© KHM-Museumsverband
Wes Anderson Juman Malouf mostra Vienna curatori
Eva und Adam © Juman Malouf
Wes Anderson Juman Malouf mostra Vienna curatori
Wes Anderson und Juman Malouf, Picture Gallery, Kunsthistorisches Museum Vienna © KHM-Museumsverband

"The Spitzmaus Mummy in a Coffin and other Treasures" kuratiert von Wes Anderson und Juman Malouf kannst du dir ab sofort im Kunsthistorischen Museum in Wien ansehen. Dieser Artikel stammt ursprünglich von unseren Kollegen aus der italienischen Redaktion.