So hilfst du Freunden, die an einem Drogenproblem leiden

"Kurze, regelmäßige Gespräche sind oft effektiver als eine Art Intervention."

|
Jan. 8 2019, 12:00pm

Still aus 'Beautiful Boy' über i-D UK

Die Realität über die alltägliche Drogensucht wird nur selten wahrheitsgetreu in Filmen dargestellt. Von dem chaotischen Nihilismus in Trainspotting, Requiem for a Dream und Fear and Loathing bis zur Scheinheiligkeit jedes amerikanischen Coming-of-Age-Films, der den Drogenkonsum in der Freizeit von Teens thematisiert: Die düstere Wahrheit dazwischen kommt nur selten ans Licht. Trotzdem entspricht sie für viele der Realität.


Auch auf i-D: i-D Coverstar Timothée Chalamets neuester Streich


In dem neuen Film Beautiful Boy treffen zwei sehr reale Perspektiven von einem Vater und seinem Meth abhängigen Sohn aufeinander. Auch wenn Superstars wie Kanye West und Nan Goldin offen über ihre Sucht sprechen, ist sie immer noch mit vielen Stigmata behaftet. Wir haben mit der Wohltätigkeitsorganisation Addaction gesprochen, um herauszufinden, was jeder von uns tun kann, wenn eine Person aus dem nahen Umfeld an einem Suchtproblem leidet.

Wann ist es offensichtlich, dass jemand ein Drogenproblem hat?
Die Zeichen können sehr unterschiedlich sein, das kommt immer auf die jeweilige Person und Droge an. Jemand, der am Wochenende immer mehr Koks konsumiert, wird andere Anzeichen aufweisen als ein Cannabis-Konsument. Gewöhnliche Merkmale beinhalten Angstzustände, Stimmungsschwankungen, sinkendes Interesse an Aktivitäten, die früher Spaß gemacht haben, Geldprobleme, launisches Verhalten, Beziehungsprobleme und Schwierigkeiten, in der Arbeit oder bei Familientreffen zu erscheinen. Keiner dieser Anzeichen lässt sich speziell auf Drogenkonsum festmachen, deswegen ist es auch so wichtig, mit der jeweiligen Person darüber zu reden, wenn du dir Sorgen machen solltest. Lass sie wissen, dass du für sie da bist, wenn sie reden möchte.

Welchen Rat würdest du jemandem geben, der sich Sorgen macht, dass ein Familienmitglied oder Freund ein mögliches Drogenproblem hat?
Substanzmissbrauch kann sehr vielschichtig sein. Nicht nur für die betroffene Person, sondern auch für die Familie und Freunde. Der erste und wichtigste Tipp: keine Panik bekommen. Es kann schwierig sein, Verhalten und Gewohnheiten zu ändern. Das braucht Zeit und viel Kommunikation – und setzt auch voraus, dass die Person bereit dazu ist, sich ändern zu wollen.

Lass die betroffene Person wissen, dass du dir Sorgen machst und helfen möchtest. Denk daran, dass die wenigsten von vornherein darüber reden oder einsehen wollen, dass sie ein Problem haben. Kurze, regelmäßige Gespräche sind oft effektiver als eine Art Intervention.

Versuche Gespräche darüber zu vermeiden, wenn die Person unter dem Einfluss der jeweiligen Substanz steht. Je weniger intensiv der Moment desto besser – zum Beispiel auf dem Weg zum Auto oder ähnliche alltägliche Situationen. Lass sie wissen, dass du dir Sorgen machst und du für sie da bist, wenn sie dich braucht. Versuche kein Ultimatum zu stellen und ruhig zu bleiben.

Im Vorfeld ist es immer gut, Recherchen über die jeweilige Substanz zu machen. Du musst kein Experte werden, aber es ist nie verkehrt zu wissen, welche Art von Hilfe für das jeweilige Suchtproblem bereits existiert.

Welchen Rat gibst du den Menschen, die sich unter Druck gesetzt fühlen, Drogen zu nehmen, weil es die Freunde auch machen?
Gleichaltrige sind oft sehr einflussreich, was das eigene Verhalten angeht. Vor allem Teenager probieren sich gerne aus, so finden sie ihren eigenen Platz in dieser Welt. Für einige bedeutet das auch, mit Alkohol und Drogen zu experimentieren. Die meisten jungen Menschen, die auf diese Weise mit Drogen in Berührung kommen, ändern mit der Zeit ihre Einstellung darüber. Andere brauchen womöglich Hilfe und Unterstützung. Niemand sollte sich je dazu gezwungen fühlen, Substanzen zu konsumieren. Wenn du in einer Gruppe bist, in der du diese Art von Druck verspüren solltest, versuche am besten, dir selbst Grenzen zu setzen und deine eigenen Entscheidungen zu treffen.

Die Gespräche rund um Mental Health steigen stetig. Glaubst du, dass sich dadurch auch die Art und Weise verändert, wie mit dem Thema Sucht umgegangen wird?
Suchtprobleme sind immer noch sehr mit Scham behaftet – vor allem der Drogenkonsum. Oft warten Menschen viel zu lange, bis sie Hilfe holen. Sie haben Angst verurteilt zu werden und sich einzugestehen, Unterstützung zu brauchen. Mittlerweile kennt fast jeder jemanden, der ein Problem mit Drogen oder Alkohol hat. Es wird darüber gesprochen, auch am Küchentisch. Und das ist auch gut so. Menschen, die sich behandelt haben lassen, sind oft eine große Hilfe für solche, die womöglich das Gleiche vorhaben. Nach Hilfe zu fragen, ist völlig OK!

Wenn du selbst – oder einer deiner Angehörigen – ein Suchtproblem haben sollte und Hilfe braucht: Es gibt Hilfsangebote wie die bundesweite Sucht- und Drogen-Hotline 01805 - 31 30 31. Mehr Informationen und Hilfsangebote findest du auch auf der Website der deutschen Drogenberatung.Dieser Artikel stammt ursprünglich von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.