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Warum Dolce & Gabbana sich wie die Trumps der Modeindustrie aufführen

1 rassistisches Video + 1 angeblich gehackter Instagram-Account = 2 Zutaten für den neusten Dolce & Gabbana Shitstorm.

von Marieke Fischer
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21 November 2018, 10:50am

Fotos: Screenshots via Instagram Dolce & Gabbana /

Michaela Tranova

Es ist schwer zu sagen, was an dieser Geschichte der größte Aufreger ist. Das ignorante Kampagnen-Video? Die wirklich schlechte "Entschuldigung" von Stefano Gabbana? Die kontroverse Geschichte der Marke? Aber fangen wir mal von vorne an.

Am Montag postete das renommierte Modehaus auf der chinesischen Social-Media-Plattform Weibo eine dreiteilige Videoserie, mit der Dolce & Gabbana die chinesische Kultur zelebrieren wollte. Klingt soweit nicht schlecht, wäre da nicht der rassistische Inhalt. Zu sehen ist eine Frau, die versucht, mit Stäbchen italienisches Essen (eine Pizza, Cannoli und Spaghetti) zu verspeisen. Währenddessen gibt ihr eine männliche Stimme aus dem Off Anweisungen, wie sie das denn richtig anzustellen hätte. Gekrönt wird das Ganze von "lustigen" Versprechern bei einigen englischen Worten – die Sprache ist ja bekanntermaßen sehr schwierig für Chinesen. BRÜLLEND KOMISCH. Nicht. So sieht weder Wertschätzung noch Humor aus, sondern Rassismus in seiner reinsten Form.

Die Videos, die den passenden Namen "Eating With Chopsticks" tragen, wurden unzählige Male auf Weibo und Instagram geteilt. Dolce & Gabbana hat sie mittlerweile gelöscht und schiebt vor, Opfer einer Hacker-Attacke geworden zu sein. Diese bösen Hacker haben sich scheinbar nicht nur erdreistet, die Clips online zu stellen, sondern auch noch den Account von Designer Stefano Gabbana zu okkupieren, um von dort aus Nachrichten an User zu senden, die sich kritisch zum Vorfall äußerten. Unser aller Liebling @dietprada war schnell dabei, seine eigene Meinung kundzutun und hat die DMs der Userin @michaelatranova geteilt.

In der Konversation zwischen Tranova und Gabbana (wir meinen natürlich den Hacker, pardon ...) zeigt der Modeschöpfer sich uneinsichtig, vergleicht China mit dem entzückendem Kackhaufen-Emoji, spricht von "Fake News" und meint zu Tranova, sie sei "not comfortable with the brain". Was auch immer das heißen mag.

Eine Welle der Solidarisierung und Empörung führte dazu, dass das italienische Brand sogar ihre Catwalk-Präsentation in Shanghai absagen musste, wie BoF berichtet. Fun Fact: Die Modenschau hieß auch noch #DGTheGreatShow – Trump hätte sich sicherlich gefreut.

Doch dieser "Vorfall" war nicht die erste Kontroverse, die Dolce & Gabbana in den letzten Jahren anzettelte. Hier eine kleine Übersicht:

1. Die "Slave Sandal"
Für läppische $2,395 konnten Fashionistas Rassismus und Ignoranz an den Füßen tragen.

2. Die Blackamoor-Ohrringe
In der Spring/ Summer 2013 Kollektion trugen Models Schmuckstücke, die von Statuen inspiriert wurden, welche stark mit der Kolonialisierung und African American Slavery assoziiert werden.

3. "I'm Thin and Gorgeous"
Dieser Slogan prangte im letzten Jahr auf Sneakern des Modehauses. Danach haute Stefano Gabbana in den Kommentaren eine gute Portion Fat-Shaming raus.

4. D&G <3 Melania
Als sich viele Designer zusammenschlossen und kollektiv verweigerten, die First Lady einzukleiden, sahen Dolce und Gabbana darin absolut kein Problem. Sie sei doch eine ganz wunderschöne Frau. Das dachte sich ihr werter Gatte wohl auch – aber nur solange, bis er feststellte, dass niemand einen Babybauch innerhalb einer Woche abtrainieren kann.

5. Der Selena Skandal
Hier kommentierte Gabbana schlicht und ergreifend "She's so ugly!!!" unter einem Foto der Sängerin. Und hetzte damit nicht nur ihre 144 Millionen Instagram-Fans gegen sich auf, sondern auch die junge Riege der Hollywoodstars.

6. Es lebe die traditionelle Familie
Dieses Mal trifft es den Geschäfts- und Ex-Lebenspartner Gabbanas, Domenico Dolce. Laut der SZ äußerte sich dieser in einem Interview kritisch gegenüber Leihmüttern ("synthetisch", "Kinder der Chemie") und hat die Meinung vertreten, eine Familie hätte aus Vater, Mutter und Kind zu bestehen. Infolgedessen rief Elton John zum Boycott der Marke auf.

Vielleicht wäre ein neuer Boycott wieder angebracht. Ein weiterer Ratschlag (bei dem wir passenderweise auch wieder bei Trump wären): Domenico Dolce, Stefano Gabbana und all' ihr gemeinen Hacker da draußen, haltet euch bitte einfach von den Social Media fern.