The Dictators, 1976 und Blondie, 1977. Fotos: GODLIS.

Diese beiden Fotografen dokumentierten die legendäre New Yorker Punk-Szene

Von Blondie bis zu den Ramones: Wir haben mit Roberta Bayley und GODLIS gesprochen, um herauszufinden, wie ein Club eine ganze Ära prägen konnte.

von Nicole DeMarco
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16 Januar 2019, 11:27am

The Dictators, 1976 und Blondie, 1977. Fotos: GODLIS.

CBGB war ein weltbekannter New Yorker Club für Punk Rock und New Wave, der vor 45 Jahren zum ersten Mal seine Türen öffnete. Auch wenn seitdem viele Jahrzehnte vergangen sind, schwirren die ikonischen Fotografien immer noch überall herum, die vor allem von Roberta Bayley und David Godlis geschossen wurden. Dazu gehört auch die legendäre Aufnahme von einer jungen Patti Smith, die zwischen zwei Sets eine Zigarette raucht, aber auch eines von den Ramones, die in einer Gasse kauerten. Wenn du zwischen 1975 und 1978 ins CBGB getorkelt sein solltest, besteht die hohe Wahrscheinlichkeit, dass du von Roberta persönlich begrüßt wurdest. Sie saß direkt an der Tür und hat die drei Dollar eingesammelt, die der Spaß damals noch gekostet hatte. Gelegentlich hat sie sich nach innen geschlichen, um ein paar ihrer Freunde auf der Bühne zu fotografieren – wie zum Beispiel die Talking Heads oder auch Blondie. Viele davon wurden später im Punk Magazine abgedruckt, bei dem sie als leitende Fotografin arbeitete.


Auch auf i-D: Diese Aufnahmen wurden auch vor dem CBGB in New York aufgenommen


In diesen drei Jahren an der Tür traf Roberta auch auf David Godlis (a.k.a. GODLIS) – der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. GODLIS ist nach seinem Fotografie-Studium (in dem auch Nan Goldin saß) von Boston nach New York gezogen und war mehr als fasziniert von der Underground-Szene im CBGB. Erst letztes Jahr hat er sein Buch History is Made At Night herausgebracht, in dem eben jene dokumentiert wird. "In den 70ern haben die Leute New York als einen Ort wahrgenommen, an dem sie nicht sein wollten. Aber alle, die damals im CBGB abhingen, wollten hier wirklich sein", so GOLDIS. "Sie wussten, dass gerade etwas im Gange ist. Es war nicht klar, wie lange es anhalten würde. Aber es hing dieses Gefühl in der Luft, das du auf keinen Fall verpassen wolltest."

Wir haben mit den beiden New Yorker Fotografen über die einzigartige Atmosphäre des Clubs, Nostalgie und ihre Anfänge gesprochen.

Roberta Bayley at CBGB's
Roberta Bayley, 1977. Foto: GODLIS.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, mit der Fotografie anzufangen?
Roberta Bayley: Ich habe in der High School ein paar Fotografiekurse belegt. Damals habe ich nur ein bisschen herumgespielt und es nicht wirklich ernst genommen. Jeder wollte damals Fotograf werden. Erst habe ich angefangen, meine Fotos für ziemlich wenig Geld zu verkaufen, weil ich keinen Sinn darin gesehen hatte, etwas zu machen, dass ich später nicht auch verkaufen könnte. Rückblickend betrachtet, war das ziemlich dumm von mir. Jetzt würde ich mich am liebsten dafür umbringen, weil ich sicher 10.000 Bilder mehr hätte schießen können – vor allem in bestimmten Situationen. Aber ich bin auch froh, dass ich irgendwann aufgehört habe. Godlis hat zum Beispiel noch Tausende von Filmrollen herumliegen ... ich wüsste nicht, was ich damit machen sollte.
David Godlis: Ich habe meine erste Kamera mit 18 gekauft, inspiriert von Blow-up. Erst war es nur ein Hobby – eigentlich habe ich einen Kurs in Englischer Literatur besucht und wollte Schriftsteller werden. Bis ich diese Kamera hatte und in die Bibliothek gegangen bin, um mir Bücher über Fotografie durchzulesen. Ich habe meinen Lehrer davon überzeugt, einen Fotografiekurs zu besuchen, weil ich lernen wollte, meine Bilder selbst zu entwickeln.

Heartbreakers at CBGB's
The Heartbreakers, von links nach rechts: Walter Lure, Johnny Thunders, Richard Hell und Jerry Nolan, 1976. Foto: Roberta Bayley.
Ramones at CBGB's
Ramones, 1977. Foto: GODLIS.

Wie habt ihr das CBGB entdeckt?
Roberta: Ich bin 1974 von London nach New York gezogen. Ich kannte niemanden, sondern bin mit einem One-Way-Ticket hergekommen. Mich hatte jemand gefragt, was ich hier machen will. Weißt du, wenn du irgendwo neu bist, will dich jeder herumführen, also antwortete ich, dass ich die New York Dolls sehen möchte. Es hat sich herausgestellt, dass dieser Typ, Dave, der Sound-Techniker für ihre Europa-Tour war. Ich fing an, Leute aus der Szene kennenzulernen und hatte Television mit Patti Smith gesehen, die eine Residency im CBGB hatten. Der Manager, Terry Ork, hatte mich aus dem Nichts gefragt, ob ich an der Tür sitzen möchte. Bands hatten hier nach einem Ort gesucht, an dem sie immer mal wieder spielen und lernen konnten, vor einem Publikum zu performen.
David: Es war einfach in The Village Voice zu sehen, dass es diesen seltsamen Ort gab. Ich bin hingegangen, weil ich dachte, dass ich das auch auschecken sollte. Die erste Person, in die ich lief, war Roberta. New York hatte professionelle Orte, wo Bands mit Plattenverträgen spielten, aber das CBGB war anders. Und genau das zog mich gerade an. Ich habe meine Kamera überallhin mitgenommen, auch wenn ich nicht erwartet habe, Bilder zu machen. Es war damals nicht unbedingt cool, Fotos von Rock'n'Roll-Stars zu schießen – und diese waren auch noch gar keine. Trotzdem war es anders, eine Szene eben.

Patti Smith at CBGB's
Patti Smith, 1976. Foto: GODLIS.
CBGB's
Von links nach rechts: Arthur Kane, Dee Dee Ramone und Richard Loyd, 1977. Foto: Roberta Bayley.

Wie würdet ihr die Atmosphäre an diesem legendären Ort beschreiben?
RB: Ich habe eigentlich nur Bilder von den Bands dort gemacht, die ich mochte. Du hattest sofort ein Gefühl dafür, wer die coolen Bands waren. Wir mochten aber auch eine Menge Leute in den nicht so coolen Bands.
DG: Egal ob es die Art war, wie die Leute sich angezogen haben oder wie der Ort aussah – jeden Abend gab es etwas zu erleben. Alles war so einfach und natürlich unter dem Deckmantel seltsam zu sein, weißt du? Es hätte natürlicher nicht sein können, deswegen liebte es jeder. Die Ramones im CBGB zu hören, war nichts Verrücktes, sondern klang genau nach dem, was du hören wolltest ... und nirgendwo anders hören würdest.

Virginia at CBGB's
Virginia Mason im CBGB Klo, 1976. Foto: Roberta Bayley.
Talking Heads at CBGB's
Talking Heads, 1977. Foto: GODLIS.

Als ihr die Fotos gemacht habt, hättet ihr je gedacht, dass Jahrzehnte später immer noch darüber gesprochen wird?
RB: Nein. Kurz nachdem Please Kill Me rauskam, hatte ich meine erste Ausstellung. Ich habe nie jemandem einen Print verkauft. Wann wurde Nirvana groß? Anfang der 90er? Das hat auch geholfen, dass sie diese Bands als Referenz nannten. Aber nein, zu der Zeit dachte ich nicht, dass ich Geld damit verdienen oder meine Bilder in Museen hängen würden.
DG: Nein, auch wenn ich schon dachte, dass ich irgendwann ein Buch daraus machen würde. Ich wollte die Leute davon überzeugen, dass es eine interessante Szene ist, die Geschichte geschrieben hat. Ich glaube, dass jeder die Zeit überdauern wollte. Sie wollten, dass ihre Musik die Zeit überdauert. Was die Leute mit Nostalgie verbinden, war genau das, was im CBGB passierte. So viele Ideen und interessante Dinge passierten dort jede Nacht ... als wäre dieser Ort vom Blitz getroffen worden.

Blondie at CBGB's
Blondie, 1977. Foto: GODLIS.
Richard Hell and Elvis Costello
Richard Hell, Elvis Costello und Robert Quine backstage, 1978. Foto: Roberta Bayley.
No Wave Punks
No Wave Punks, von links nach rechts: Harold Paris, Kristian Hoffman, Diego Cortez, Anya Philips, Lydia Lunch, James Chance, Jim Sclavunos, Bradly Field und Liz Seidman. 1978. Foto: GODLIS.
Hilly Kristal
Hilly Kristal, Besitzer von CBGB, 1977. Foto: GODLIS.
CBGB's
CBGB, 1977. Foto: GODLIS.

Dieser Artikel stammt ursprünglich von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.