5 junge, afrikanische fotografen über identität und schönheit

Diese talentierten Jungfotografen setzen sich mit Fragen der Identität, Schönheit und Kreativität im modernen Afrika auseinander.

von Emily Manning
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24 Mai 2017, 3:05pm

Bereits im letzten Jahr haben wir euch Fotografietalente aus Afrika vorgestellt. Für die Ausstellung New African Photography hat sich die kreative Plattform Nataal aus Afrika nun mit Red Hook Labs zusammengetan. In der Gruppenausstellung wurden sechs etablierte Künstler und Nachwuchsfotografen gezeigt, die sich in ihren Arbeiten mit dem afrikanischen Kontinent und der Diaspora auseinandersetzen. Darunter waren i-D Contributor Kristin-Lee Moolman und Fotografin Namsa Leuba, die für ihre leuchtend bunten Setdesigns bekannt ist. Die Ausstellung eröffnete nur wenige Tage nach dem Tod von Malick Sidibé, der die Jugendkultur seines Heimatlandes Mali dokumentiert hat. Sidibés Bilder sind in den 50ern und 60ern entstanden, zu einer Zeit, als das Land unabhängig geworden ist. Seine bekannten Bilder haben wiederum Gucci und Dev Hynes inspiriert.

In der diesjährigen Runde sind diesmal neun Fotografen vertreten, deren Arbeiten Porträtfotografie, Dokumentarfotografie, Modefotografie sowie Video und Performance-Elemente vereinen. Wir haben mit fünf der teilnehmenden Künstler über ihre Ansichten bezüglich Kreativität, Schönheit, Repräsentation und der modernen, afrikanischen Identität gesprochen.

Nadine Ijewere
Über ein Jahr lang hat Nadine Ijewere intime Studioporträts ihrer Schwestern mit vielfältigen Migrationshintergründen geschossen. Einige der Menschen, die sie fotografiert hat, teilen ihre nigerianische Herkunft, andere stammen aus Grenada, Trinidad, Zypern, Deutschland und China. "In meinen Arbeiten ist das zugrunde liegende Thema Identität", erklärt uns die Fotografin. "Ich fotografiere Menschen mit mehreren ethnischen Hintergründen, weil ich es wichtig finde, dass wir zelebrieren, wie vielfältig wir sind. Schönheit hat viele Gesichter und alle sind wunderschön, um dokumentiert zu werden." Für New African Photography II hat Ijewere eine neue Fotoserie zusammen mit dem aufsteigenden Stern am Stylisten-Himmel, Ibrahim Kamara, geschaffen. Das dynamische Duo ist nach Nigeria gereist, wo Ijeweres Ästhetik aus Farbe und Softness auf den Straßen lebendig wurde.

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Mimi Cherono Ng'ok
Die in Kenia geborene und lebende Fotografin zählt Spike Lees Crooklyn, Felix Gonzalez-Torres Kunstwerke und japanische Fotobände zu ihren Einflüssen. Dabei wecken ihre Fotos, die oft einen Gelbstich haben und mit Licht und Schatten spielen, Erinnerungen an William Eggleston. Wie der Meister der Farbe aus Memphis, kreiert Cherono Ng'ok subtile Fotografien, die "oft Themen wie Heimat, Vertreibung, Verlust und Identität" behandeln, wie es in der Pressemitteilung heißt. In ihrer letzten Serie hat sie sich auf afrikanische Immigranten in Südafrika konzentriert, einem Land, in dem die Fotografin selbst mehrere Jahre nach ihrem Studium an der Universität von Kapstadt gelebt hat.

Cyndia Harvey
Die in London lebende Hairstylistin Cyndia Harvey hat für i-D zusammen mit den aufregendsten Namen in Styling und Fotografie (Harley Weir, Oliver Hadlee Pearch, Angelo Pennetta) Bilderwelten geschaffen, die ausdrucksstärker nicht sein könnten. Nun hat die in Jamaika geborene mit This Hair of Mine ein persönliches Projekt gezeigt, dass die Geschichte der afrikanischen Diaspora anhand von Frisuren zeigt. "Auf eine Art und Weise ist This Hair of Mine ein Selbstporträt, mit dem ich mein Erbe erforsche. Es ist eine Hommage an schwarze Frauen aus der heutigen Zeit und diejenigen vor meiner Zeit", sagt uns Harvey. Zu dem Projekt gehört ein Film, der in Kollaboration mit Regisseur Akinola Davies entstanden ist sowie eine Fotoserie von einem weiteren i-D Fav Ronan McKenzie.

Nobukho Nqaba
"Ich beobachte normale Leute, die normale Dinge tun", sagt uns die südafrikanische Fotografin und Performancekünstlerin über ihren Arbeitsprozess. Nqaba lässt sich durch andere inspirieren, findet aber dadurch "Spuren ihrer eigenen Vergangenheit", wie sie selbst sagt. Ihre Fotos sind einerseits sehr persönlich, andererseits aber für ein globales Publikum interessant. Für ihre Serie Umaskhenkethe Likhaya Lam hat Nqaba große Sets aus Umaskhenkethe entwickelt, das Wort der Xhosa für die Karo-Plastiktüten, die es überall auf der Welt zu kaufen gibt. Ihre neueste Serie Ndiyayekelela (Letting Go) handelt vom Tod ihres Vaters und den Schwierigkeiten, diesen Tod zu verarbeiten. Auch hierfür hat sie wieder mit Textilen als vielschichtige Symbole gearbeitet. Die Decken und Overalls stellen das Leben ihres Vaters als Arbeitsimmigrant im ländlichen Südafrika da, und stehen ebenfalls für Assoziationen an mobile Unterkünfte und Häuser.

Kyle Weeks
Der in Kapstadt lebende Fotograf Kyle Weeks hat bereits mit dem Himba-Volk aus seinem Heimatland Namibia für zwei fesselnde Fotoserien zusammengearbeitet: Ovahimba Youth Self Portraits aus dem Jahr 2014 und Palm Wine Collectors aus dem Jahr 2015. "Meiner Stellung als weißer Afrikaner westlicher Abstammung bewusst, habe ich mit diesen Männern zusammengearbeitet und in zwei Serien die Beziehung zwischen mir und den teilnehmenden Männern in den Vordergrund gestellt", sagt uns Weeks. "Für die erste Serie habe ich mit fast 90 jungen Himba-Männern kooperiert. Die Aufnahmen sind Selbstporträts, die eine sichtbare Balance zwischen Tradition und Moderne durch Selbstinszenierung zeigen." Das Projekt hat drei Jahre gedauert. Weeks hat sich das Vertrauen und den Respekt der Community erarbeiten müssen und so auch zu seiner zweiten Fotoserie gekommen: das Fällen der Makalani-Palmen für Wein.

"Der Grund, warum ich Menschen fotografiere, liegt in der komplizierten Geschichte der Fotografie auf dem afrikanischen Kontinent. Ich bin mir über die veränderte Funktion von Fotografie in Afrika bewusst. Während der Kolonialzeit war sie ein Mittel der Unterdrückung, jetzt ist Fotografie ein Mittel für Empowerment und Individualität", erklärt Weeks. "Die zeitgenössische afrikanische Fotografie möchte neue Narrative und Identitäten etablieren, sowohl persönliche als auch kulturelle. Meine Arbeiten werden oft durch die Vergangenheit und Gegenwart der Fotografie beeinflusst. Ich hoffe, dass meine Bilder einen wichtigen Dialog über Dokumentarfotografie, sowie moralische Fragen bei der Repräsentation des kulturell Anderen auslösen."

Credits


Text: Emily Manning