dieses kunstprojekt wehrt sich mit nahaufnahmen von nippeln gegen die instagram-zensur

Die drei Studenten hinter @genderless_nipples sammeln auch weiterhin „Spenden“ für ihr beliebtes, neues Kunstprojekt.

von Hannah Ongley
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12 Dezember 2016, 11:20am

Den Instagram-Account @genderless_nipples gibt es zwar erst seit ein paar Tagen, aber er hat bereits mehr 11.000 Follower und zudem mehr als unterhaltsame Kommentare. Die Themen reichen dabei vom Schmerz von Brustwarzenpiercings­—„Lol, meine Brustwarzen tun viel mehr weh als das Septum-Piercing—bis hin zu Spekulationen darüber, wer die Leute sind, die ihre Brustwarzen ablichten lassen: „Vielleicht ein Mann?", „Weiblich", „MANN", „Das ist ein Teenager, dessen Nippel noch nicht dunkler geworden ist", „Ist das ein Asiate?". Herauszufinden, welches Geschlecht (oder ethnische Zugehörigkeit) die Brustwarze hat, geht allerdings an der eigentlichen Absicht des Accounts vorbei. Deutlich soll durch den Account vor allem eins werden: Dass es manchmal ziemlich schwer ist, die Brustwarze einem Mann oder einer Frau zuzuordnen und dass Instagrams weibliche Nippelzensur ziemlich heuchlerisch und lächerlich ist. Es gibt bereits über 100 Spenden an @genderless_nipples.

Hinter dem Account stecken die drei Studenten Morgan-Lee Wagner (21), Evelyne Wyss (24) und Marco Russo (28), die alle in New York Werbung studieren und aus der Schweiz, Deutschland und Brasilien kommen. Ihnen ist die Botschaft dabei sehr wichtig: „Wir wollen, dass die Leute miteinander diskutieren und darüber debattieren. Sie sollen darüber nachdenken", so die drei zu uns. „Wir möchte eine Debatte lostreten. Wenn uns Leute nicht zustimmen und das auch kommunizieren, dann gießt das nur noch mehr Öl ins Feuer—was wir gut finden." Die Nahaufnahmen von weiblichen Brustwarzen, die anonymisiert veröffentlicht werden, sollen dabei helfen, den weiblichen Körper in bestimmten Kontexten im realen Leben zu entsexualisieren. „Wenn sich dadurch zum Beispiel ein paar junge Mütter ermutigt fühlen, in der Öffentlichkeit zu stillen, ist das gut", so die Initiatoren. Was ihnen besonders auffällt, ist der unterschiedliche Umgang mit Nacktheit: „Was wir im Vergleich zu der Schweiz oder Deutschland überraschend finden, ist wie sehr Amerikanerinnen ihre Brüste voreinander in der Umkleide oder im Sportstudio versuchen zu verstecken. Bei uns sind die Duschen im Sportstudio offen und die Frauen laufen nackt in der Umkleide herum und scheren sich auch nicht viel darum, hier in den USA ist das ganz anders."

Natürlich ist es nicht das erste Mal, dass auf den gesellschaftlich unterschiedlichen Umgang von männlichen und weiblichen Körpern hingewiesen wird. Frauen wie die Gründerinnen der Free the Nipple-Bewegung Lina Esco über i-D Coverstar Adwoa Aboah bis zu Miley Cyrus und Rihanna haben alle daran mitgewirkt, dass wir online und offline über den ungleichen Umgang mit Frauen und Männern sprechen. „Die Brustwarze ist nicht die eigentliche Botschaft", sagte uns Aboah in einem Video für ihr „Gurls Talk"-Projekt, mit dem sie Frauen dazu bewegen möchte, über psychologische Probleme, Körperwahrnehmung und Sexualität miteinander zu sprechen. „Das ist nur eine schöne Metapher für etwas Größeres."

Für jeden angeblichen Instagram-Nippel-Experten, der darauf hinweist, dass „die Brüste einer Frau Männer einfach geil machen, aber nicht umgekehrt", erhalten die Macher von @genderless_nipples aber genauso E-Mails und Direct Messages voller Dank und Unterstützung. „Wir erhalten sogar E-Mails von Leuten, die uns zwar nicht ihre Brustwarzen zeigen, die uns aber trotzdem ermutigen", sagen die drei Studenten. Vor ein paar Tagen haben wir eine E-Mail aus Japan bekommen, in der uns die Person gesagt hat, wie schwierig es in Japan mit der Gleichbehandlung von Frau und Mann ist. Manchmal sind auch herzerwärmende Geschichten dabei."

Credits


Text: Hannah Ongley
Foto: via Instagram

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