diese sinnlich-erotischen fotografien fordern klassische schönheitsideale heraus

Wir haben uns mit der britischen Fotografin Maisie Cousins und der Co-Kuratorin Mia Pfeifer über Sex und weibliche Sexualität unterhalten.

von Tish Weinstock
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23 Mai 2017, 10:20am

Das erste Treffen zwischen Maisie Cousins und Mia Pfeifer fand bei einem Irish Coffee statt. Mia wollte, dass Maisie an einer Gruppenausstellung teilnimmt, die sie kuratiert hat. Man einigte sich stattdessen darauf, Maisies erste Einzelausstellung zu organisieren. Unter dem Titel grass, peony, bum werden Arbeiten aus den letzten Jahren gezeigt, die sich mit Themen wie Sexualität, Weiblichkeit, Macht und Natur auseinandersetzen. Mit ihrem hedonistischen und performativen Ansatz fordert die britische Fotografin normative Schönheitsideale und gesellschaftliche Vorstellungen von Frausein heraus. Ob es ein Close-up glänzender Haut oder eine Aufnahme von Gras auf der Haut handelt — Maisie Cousins' Fotografien bewegen sich mühelos zwischen Humor und Erotik. Für die Ausstellung hat Maisie mit der angesehenen Parfümeurin Azzi Glasser für eine Installation zusammengearbeitet, die für sinnliche Erfahrung sorgt. Wir haben uns mit der Fotografin und der Kuratorin über nackte Haut und Weiblichkeit unterhalten.

Was war der erste Eindruck, den ihr voneinander hattet? Und wie hat er sich im Laufe der Zeit verändert?
Mia:
Ihr Mantel und ihre Cowboy-Stiefel haben mich umgehauen. Wir haben uns sofort verstanden. Ein Jahr lang haben wir an der Ausstellung gearbeitet und sind sehr eng geworden. Auf so eine Person wie Maisie trifft man nur selten: transparent mit einem Herzen aus Gold. Ich liebe sie.
Maisie: Mia ist klein, aber das merkt man überhaupt nicht, weil ihre Persönlichkeit so groß ist. Sie ist offen und leidenschaftlich. Wir haben uns sofort verstanden, ich himmle sie an.

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Was bedeutet der Titel grass, peony, bum?
Mia: Das ist ein Haiku und die Essenz der Ausstellung ist die Natur. 
Maisie: Ich finde es ziemlich schwierig, einen Titel für Fotografien zu finden. Es ist einfacher, einem Gemälde einen Titel zu geben. Bei Fotos werden die Titel immer so wörtlich genommen. Ich finde es einfach prätentiös, den Bildern schicke Namen zu geben. Ich mag Listen und Fakten. Mein Fotografieansatz ist biologisch beeinflusst. Ich versuche, Beweise von natürlichen Dingen zu kreieren und schaue mir zum Beispiel Haut genauer an. Ich mag Lehrbücher. Die Fotos sind meine sexy Versionen von Biologie-Lehrbüchern.

Maisie, warum hast du dich gerade jetzt für deine erste Einzelausstellung entschieden?
Maisie: Einfach aus praktischen Erwägungen wie Geld und Timing. Man weiß gar nicht, wie viel man in so eine Ausstellung investiert. Das war eine ziemliche Reise. Ich bin so froh über das Ergebnis und wer daran mitgewirkt hat.

Mia, was hat dich an Maisies Fotografien so bewegt, dass du ihre erste Einzelausstellung kuratieren wolltest?
Mia: Ihre Arbeiten haben das gewisse Etwas und inspirieren mich. Ich habe auf ihrem Instagram-Account etwas Außergewöhnliches gesehen, und obwohl ihre Aufnahmen verspielt sind, sind sie nicht banal. Dann haben wir uns zum ersten Mal getroffen, das war eigentlich für eine Gruppenausstellung, und entschieden, dass ich mit ihr zusammenarbeiten möchte. Ich arbeite nur mit Menschen zusammen, die ich wirklich bewundere, respektiere und mit denen ich Zeit verbringen möchte. Das musste ich auf die harte Tour lernen! Maisie hat eine große Zukunft vor sich und ihre neuen Fotos sind einfach fantastisch.

Worauf seid ihr am meisten stolz?
Mia: Zu wissen, dass sich Hartnäckigkeit auszahlt. Ich weiß, dass es schwierig ist, wenn man arbeitet und einfach nichts passiert. Aber harte Arbeit ist der Schlüssel und darauf sollte man stolz sein. Diese Ausstellung zeigt das.
Maisie: Ich fühle mich so geehrt.

Ein Großteil deiner Fotos wird online konsumiert. Ändert sich durch den physischen Ausstellungsraum die Art und Weise, wie deine Kunst wirkt?
Maisie: Darauf freue ich mich ehrlich gesagt am meisten. Meine Fotos gibt es nun schon solange online, das reicht nicht mehr. Ich bin nervös. Ich habe einen Raum und ich wollte darin eine umfassende Sinneserfahrung schaffen, aber ich habe keine Erfahrung mit Installationen. Alle wichtigen Zutaten dafür sind vorhanden, also hoffe ich einfach, dass das Endergebnis überzeugt. Dass ich mit Azzi Glasser zusammenarbeite, macht mich stolz. Sie hat für die Ausstellung einen Duft entwickelt. Ich mag Gerüche — für mich ist das der Sinn, der am meisten Reaktionen hervorruft. Mit einer Parfümeurin zusammenzuarbeiten, war ein Ziel von mir, das ich jetzt erreicht habe.

Was ist die Botschaft über Gender, Beauty und Sexualität dahinter?
Maisie: Uns Frauen wird jeden Tag signalisiert, dass wir uns für irgendetwas schlecht fühlen sollen, meistens sind es mehrere Dinge auf einmal. Es heißt die ganze Zeit "Sei sauber und nicht eklig! Sei freundlich und furze nicht. Sei nicht fett! Sei nicht geil!" Manchmal ist es eben auch mal schön, das komplette Gegenteil zu sein. Ich glaube auch nicht, dass das radikal ist, — es ist einfach eine Überlebensstrategie.

Was sagt das über Frauen im Allgemeinen aus?
Mia: Es ist sehr gefährlich, alle Frauen in eine Kategorie zu packen. Ich glaube nicht, dass Maisie über Frauen spricht. Es geht um Gefühle, Emotionen und Ideen und wie man sie ausdrückt und sich dabei auch noch frei fühlt.
Maisie: Ich glaube auch nicht, dass es so sehr um Gender geht. Vor Kurzem hatte ich ein Gespräch mit einem Freund, der mich darauf hingewiesen hat, dass Frauen weniger Zeit als Männer hatten, um ihre Sexualität auszudrücken. Ich kann auf Anhieb auch keinen Film nennen, in dem eine Frau sexuell die Kontrolle hat, die nicht als gestört dargestellt wird. Wir Frauen haben keine Referenzen. Wir erledigen das immer so im Vorbeigehen. Deshalb ist unser Verhältnis zur Sexualität auch so kompliziert und toll.

grass, peony, bum

läuft noch bis zum 24. Juni in der Galerie TJ Boulting in London. 

Credits


Text: Tish Weinstock
Fotos: Maisie Cousins

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