kostüm designende modemacher und ihre rolle in hollywood

Wir beleuchten die Geschichten von Modedesignern in Hollywood und haben uns die Frage gestellt, welchen Mehrwert diese Kollaborationen womöglich haben.

von Alexandra Bondi de Antoni
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11 Februar 2015, 8:45am

Gaultier für Das Fünfte Element

Während 1915 die Mutter von Lillian Gish, eine der ersten Hollywood-Diven, deren Filmgarderobe noch zu Hause gefertigt haben soll, begann die Filmindustrie Anfang der 20er Jahre Hutmacher und Maßschneider zu beschäftigen. Zehn Jahr später wurde Coco Chanel vom Filmproduzenten Samuel Goldwyn nach Hollywood geholt, um den durch die Wirtschaftskrise erschütterten Amerikanerinnen europäischen Glamour auf die Leinwand zu zaubern. Für ihre Arbeit an zum Beispiel Tonight or Never erhielt sie die Wahnsinnssumme von einer Million Dollar, kehrte aber schnell wieder nach Paris zurück, da ihre Kreationen in den schwarz-weiß Filmen zu flach und für das Opulenz liebende Publikum zu unspektakulär waren. Die Kritiker zerrissen die Bemühungen der Modemacherin in der Luft.

Fast 100 Jahre später sind es genau diese Designs der in der Traumfabrik gescheiterten Modeikone, die Millionen Besucher in die Kinos locken. Der aktuelle Chanel Designer Karl Lagerfeld wurde sowohl bei Coco - Der Beginn einer Leidenschaft als auch bei Coco Chanel & Igor Stravinsky als Berater hinzugezogen, erlaubte sogar die Chanel-Archive zu durchstöbern, Originale auszuborgen und steuerte auch einige Entwürfe bei.

Chanels Kreationen für Tonight or Never

Im Gegensatz zu Chanel hatten andere europäische Couturiers mehr Glück. Elsa Schiaparelli kleidete über Jahre hinweg Zsa Zsa Gabor und Mae West ein oder auch Pierre Balmain, der unter anderen Marlene Dietrich zu seinen Stammkundinnen zählte, entwarf die Kostüme für über 70 Filmproduktionen. Oftmals entwickelte sich aus der Zusammenarbeit eine lebenslange Freundschaft. Bei den Dreharbeiten zu ihrem Film Sabrina schlug Audrey Hepburn der Kostümdesignerin Edith Head vor, einen französischen Designer die Kleider für ihre Rolle als Tochter eines Chauffeurs, die nach Paris geschickt wird und als elegante Lady zurückkehrt, entwerfen zu lassen. Die Wahl fiel auf den noch völlig unbekannten Hubert de Givenchy, der Hepburn von nun an vor und hinter der Kamera ausstattete und sie für Das rosarote Mannequin oder Frühstück bei Tiffany einkleidete. Bis zu ihrem Tod zeigte sie sich bei offiziellen Anlässen fast immer in Givenchy und wurde das Kampagnen-Gesicht des Parfüms L'Interdit. Es waren auch seine Kleider, die es Hepburn ermöglichten, zur Stilikone zu avancieren und den Look einer ganzen Generation zu bestimmen. 

 Audrey Hepburn in Frühstück bei Tiffany

Zeitgleich zum Untergang des alten Hollywood Ende der 50er Jahre eroberte Ready-to-Wear die Modewelt. Obwohl immer mehr Mode von der Stange in Filmen gezeigt wurde, konnte auch das neue Hollywood nicht ganz auf maßgeschneiderte Designerstücke verzichten. Nun waren es eben diese Prêt-à-porter-Designer, die sich dieser Herausforderung annahmen und auch schnell erkannten, welch gute Eigenwerbung diese Aufgabe mit sich brachte.

Das war die Zeit, in der Ralph Lauren mit seinen Kreationen für Diane Keaton in Woody Allens Der Stadtneurotiker den in den 1970er Jahren oftmals kopierten Annie-Hall-Look erschuf. Mit ihren übergroßen Blazern über Westen und langen Röcken kombiniert zu Krawatten wurde Keaton zum Style-Vorbild einer ganzen Generation von Frauen. Armanis Outfits für Richard Gere in Ein Mann für gewisse Stunden ließen den damals noch eher unbekannten Italiener 1980 seine ersten kommerziellen Erfolge feiern. „Mit welchem anderen Medium kann man den Geschmack von so vielen Menschen beeinflussen, wie mit den Filmen, die sie sehen? Der Einfluss auf internationalem Level ist enorm groß", meinte Nino Cerruti, der Michael Douglas in Wall Street und Basic Instinct und Richard Gere in Pretty Woman Anzüge an den Leib schneiderte. 

Diane Keaton als Annie Hall 

Manche gingen sogar noch einen Schritt weiter und kleideten nicht nur die Hauptdarsteller, sondern die ganze Besetzung ein. Bestes Beispiel dafür ist Jean Paul Gaultier und seine Arbeit für Das Fünfte Element. „Ich wollte den Besten und der Beste ist Jean Paul", argumentierte der Regisseur Luc Bresson seine Entscheidung. Gaultier nahm die Herausforderung an und hüllte von den Stewardessen bis hin zur Hauptfigur Leeloo alle in seine Vision der modischen Zukunft, die stark an seine damals aktuellen Kollektionen erinnerten. 

Colin Firth in A Single Man 

2009 war das Jahr von A Single Man, mit dem sich der ehemalige Gucci-Designer Tom Ford einen Traum erfüllte. Er führte die Regie und entwickelte alle Kostüme des Hauptcharakters, gespielt von Colin Firth, dessen Leben als homosexueller Literaturprofessor in den 1960er Jahren porträtiert wird. Filme wie A Single man, die beiden Chanel-Verfilmungen oder Yves Saint Laurent, der erst letztes Jahr erschienene Film über das Leben des Modeschaffers, zeigen ganz deutlich, dass Mode nicht mehr nur Mittel zum Zweck ist. Sie dient als Ausgangspunkt für die Ästhetik und Geschichte eines ganzen Films.

Ein weiteres Beispiel für die perfekte Symbiose zwischen Label und Film ist The Great Gatsby. Miuccia Prada entwarf in Zusammenarbeit mit der Kostümdesignerin Catherine Martin die glitzernden mit Perlen und Fransen verzierten Outfits des Hollywood-Blockbusters und brachte dem Film den Oscar für das beste Kostümdesign ein. Der Medienrummel war riesig, was wiederum die Verkaufszahlen Pradas in die Höhe trieb. Zusätzlich zu Prada produzierte die amerikanische Tradition-Marke Brooks Brothers, die F. Scott Fritzgerald zu seinen Lebzeiten ausstattete, über 500 Menswear-Looks für den Film und brachte zeitgleich mit dem Kinostart eine eigene The Great Gatsby Capsule Collection auf den Markt. 

Dass solche Kollaborationen auch Negativ-Presse erzeugen kann, hat Black Swan bewiesen. Kate und Laura Mulleavy vom Über-Label Rodarte entwarfen 2011 die Tutus für die Endaufführung des Schwanensees, obwohl dem Publikum dank Rodartes massiver PR-Maschinerie geschickt weisgemacht wurde, dass die beiden Schwestern für all die Kostüme verantwortlich waren. Eine wochenlange Schlammschlacht zwischen dem Label und der eigentlichen Kostümdesignerin Amy Westcott folgte.

Sei es nun Paco Rabanne für Barbarella, Yves Saint Laurent für Belle de Jour, Raf Simons für I am Love, Filme über Designer und mit Gastauftritten von Designern oder eines der oben erwähnten Beispiele: Mode beeinflusst Filme, genauso wie Filme die Mode inspirieren. Von Modedesignern entworfene Kostüme bereichern das Gesamtbild eines Films, kreieren Authentizität und schaffen es, ganze Generationen zu beeinflussen. Zusätzlich steigern sie den Markenwert des Labels und geben den Designs ein großes Publikum. Ist der Film dann noch ein Erfolg an den Kinokassen, ist der Gewinn auf beiden Seiten groß!

Credits


Text: Alexandra Bondi de Antoni 
Bilder via tumblr 

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