die design-talente von morgen

Wir stellen euch die vier spannendsten Designer des Zalando Fashion House vor.

von i-D Staff
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09 Juli 2015, 9:00am

Nadine Goepfert, 28 Jahre

Wie würdest du deine Kollektion beschreiben? 
„Matters of Habit" ist das Ergebnis einer weitreichenden Recherche über die Interaktion zwischen Körper und Kleidungsstück. Die Kollektion ist eine Weiterführung des Projekts „The garments may vary." aus dem Jahr 2013. Jedes der Kleidungsstücke, welche ich für „Matters of Habit" entwickelt habe, beschäftigt sich mit einem Aspekt der alltäglichen Interaktion und Handhabung von Kleidung: Gesten, unbewussten Gewohnheiten und Bewegungen (wie dem An- und Ausziehen) sowie mit den unterschiedlichen Arten der Lagerung und Pflege von Kleidung. Des Weiteren untersucht „Matters of Habit" diese Grenze zwischen Kleidungsstück und skulpturalem Objekt in An- und Abwesenheit des Körpers. 

Haben es junge Designer heutzutage schwerer als früher? 
Das kann ich schwer beurteilen, da ich nicht weiß, wie es früher war. Und vor allem, wann früher war. Es gibt, denke ich, sehr viel mehr Modedesigner als noch vor einigen Jahrzehnten, die Konkurrenz ist somit vermutlich größer. Durch neue, verhältnismäßig demokratische Tools wie das Internet haben jedoch auch junge Designer schon früh die Möglichkeit, einen bestimmten Bekanntheitsgrad zu erreichen, was sicher eine gute Voraussetzung ist. Was oft fehlt, ist jedoch nicht die Bekanntheit, sondern die Käufer, was das Überleben eines jungen Labels sicher zu einer sehr schwierigen Aufgabe machen kann. Ich selbst betreibe ja kein Label, sondern bin Textildesignerin und bewege mich nicht ausschließlich in der Mode. Ich arbeite in verschiedenen Bereichen zwischen Mode, Kunst, Design, Architektur und Recherche. Das ist eine sehr spannende Mischung, welche immer wieder neue Herausforderungen birgt. 

Wo steht die Mode heutzutage? 
Ich würde an dieser Stelle eine Unterscheidung zwischen Mode und Kleidung machen. Generell ist Mode immer an einen zeitlichen Aspekt gekoppelt - an Innovationen und Trends. Mode ist dazu da, um aus der Mode zu kommen. Ihre ständige Veränderung ist ihre Konstante und ihr Bezug zur Gegenwart beinhaltet gezwungenermaßen die Erzeugung von Neuheit. Mode ist einerseits das, was wir auf den Laufstegen sehen, und das, was die Leute durch ihren Konsum und durch gegenseitige Beobachtung und Nachahmung zur Mode machen - Dinge, die so zum Zeitgeist werden. Kleidung wiederum ist das, was bleibt. Ihre grundsätzliche Funktion ist nach Jahrhunderten noch immer dieselbe. Kleidung ist für mich das, was produziert, verkauft und getragen wird. Zieht man einmal die funktionalen Aspekte der Kleidung vom Modebetrieb ab, ist das, was von den Laufstegen übrig bleibt, häufig lediglich eine Ansammlung überteuerter Taschen und Statussymbole, statt einer innovativen Auseinandersetzung mit Kleidung. Ich selbst interessiere mich wenig für Statussymbole. Trendforscherin Li Edelkoort hat sich kürzlich ebenfalls darauf berufen, dass Kleidung wieder in den Mittelpunkt rücken müsse. Dem kann ich nur beipflichten. 

Wie kann man noch etwas Neues schaffen, wenn schon alles einmal da war? 
Ich finde nicht, dass alles schon mal da war. Schaut man sich beispielsweise die neue Dior-Kollektion an, besinnt sich diese zwar auf traditionelle Dior-Schnitte, interpretiert diese jedoch so innovativ, dass ich sie als neu empfinde. Der Blick zurück kann mit einigem zeitlichen Abstand ja ganz neue Bedeutungen im Bezug auf unsere derzeitige Gesellschaft herstellen und so Dinge neu kontextualisieren. Ich finde diesen Prozess extrem spannend. Denn alles Neue entwickelt sich aus dem Hervorgegangenen. Es geht oft um minimale Schritte, die riesige Veränderungen hervorrufen. 

Hat das Internet Mode verändert? 
Ich denke, das Internet hat den Begriff Inspiration verändert. Alle sehen die gleichen Bilder, alle haben die gleichen Einflüsse. Der Zeitgeist wird nicht mehr durch das bestimmt, was auf den Straßen oder im nicht digitalen Raum passiert, sondern durch Trendbooks, Tumblr und Pinterest. Ich glaube, Mode basierte früher noch sehr viel mehr auf Beobachtung. Es ging viel mehr um den Körper, um den Träger, um eine bestimmte Persönlichkeit. Hauptintention von Designern wie Christian Dior oder Jil Sander war es, einen ganz bestimmten Typ Frau anzuziehen, und eben nicht in erster Linie deren eigene Kreativität auszuleben oder etwas total Verrücktes, (scheinbar) noch nie Dagewesenes zu schaffen. 

Wie hat sich deine Mode in den letzten Jahren verändert? 
Noch vor ein paar Jahren war meine Arbeit noch sehr viel experimenteller und weniger an Kleidung gebunden. Seitdem ich an Kollektionen arbeite, beobachte ich vor allem das Zusammenspiel von Körper und Kleidung. Dessen Abwesenheit interessiert mich, so wie Bewegungen und Körpersprache, die ja oft mit Kleidung in Zusammenhang steht. 

Hast du Pläne für die Zukunft? 
Ich bin mit meiner derzeitigen Situation sehr zufrieden und möchte gerne weiterhin in verschiedenen Bereichen für und mit Künstlern, Modedesignern und Innenarchitekten arbeiten, als auch meine eigenen Projekte vorantreiben. 

Warum hast du dich dazu entschlossen, beim Zalando Fashion House mitzumachen?
Meine Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Design und Kunst und wird zum Großteil in Ausstellungen außerhalb des Modekontextes gezeigt. Meine Arbeiten basieren sehr auf Recherche. Ich sehe mich selbst in einer eher forschenden Position, quasi in der eines Beobachters. In meiner Arbeit geht es um Kleidung, den alltäglichen Umgang und die damit verbundenen Kuriositäten. Ich arbeite daher auch nicht saisonal, was wohl ganz im Sinne von „Not just a label" ist. Gerade weil die Kollektion „Matters of Habit" sehr konzeptuell ist und die Mode beziehungsweise unser Verhältnis zu Kleidung kritisch beleuchtet, finde ich es interessant, die Sachen nun innerhalb einer reinen Modeausstellung zu zeigen. Ich mag das Spiel mit Kleidung, die je nach Kontext anders wahrgenommen wird und ich bin daher sehr gespannt auf die Reaktionen der Besucher. 

Rani Bageria, 32

Wie würdest du deine Kollektion beschreiben? 
Sport- und Kampfanzüge waren unter anderem Inspirationen für die Kollektion. Von Ritterrüstungen bis Rennfahrerensembles habe ich Elemente abstrahiert und mit Camouflage und einer klassischen Hourglass-Silhoutte vereint. Die Musterung greift auf den Aufbau von diversen Tierhäuten zurück, wo sich Formen und Farben exakt an den Körper schmiegen. Die hauptsächlich gestrickten Kleidungsstücke sind elastisch und angenehm, der Seidenanteil verleiht den Jacquards satte, leuchtende Farben, die von Schwarz und Weiß komplementiert werden. Eine Art von Extravaganz, mit der man bequem auf der Couch liegen kann. 

Haben es junge Designer heutzutage schwerer als früher? 
Besonders heute muss man sich die Freiheit nehmen, um individuelle Statements zu setzen. Es gibt zu viel gigantischen Mainstream, der alle - und besonders junge Menschen - von dem, was wichtig ist, ablenken kann. 

Wo steht die Mode heutzutage? 
Zu viel Mainstream, zu wenig Individualität und Mut. 

Wie kann man noch etwas Neues schaffen, wenn schon alles einmal da war? 
Kreativität bedeutet unter anderem, persönliche Bezüge und Verknüpfungen herzustellen, und Persönlichkeiten sind einzigartig. Die meisten Kreationen haben immer schon eine Referenz auf etwas, was es schon gab, und gleichzeitig gibt es Innovationen, die große Veränderungen schaffen. In 100 Jahren sieht die Mode sicher komplett anders aus, wahrscheinlich gibt es ganz neue Materialien, die sich dem Körper noch nicht vorstellbar anpassen.

Wie hat sich deine Mode in den letzten Jahren verändert? 
Eigentlich mag ich die gleichen Sachen, die ich als Kind schon mochte. 

Was sind deine Pläne für die Zukunft?
Ein Shop/Off-Space, wo man auch experimentelle Konzerte sehen kann; auf eine High-Tech-Nähmaschine sparen; ein gutes Team zusammenstellen; glücklich sein. 

Warum hast du dich dazu entschlossen, beim Zalando Fashion House mitzumachen? 
Ich hab gerade Lust auf Experimente, deshalb habe ich eine Ausstellung mit Arbeiten aus verschiedenen Disziplinen zusammengestellt und spiele analoge Live-Musik bei der Präsentation der kommenden Herbst-/Winter-Kollektion. 

Simon Grundtner, 24

Wie würdest du deine Kollektion beschreiben? 
Die Kollektion beschäftigt sich mit dem Thema Erwachsenwerden und den daraus resultierenden Konsequenzen. Es geht um Veränderung. Es geht um Adoleszenz. Es geht darum, sich anzupassen, ohne seine eigene Identität zu verlieren. Die Transformation von einer jungen Person hin zu einem Erwachsenen. Jugend und besonders die Pubertät sind die prägendsten Lebensabschnitte und formen maßgeblich das Wesen eines Erwachsenen. Es ist eine sehr spannende und inspirierende Zeit, wenn man sie von außen betrachtet. 

Haben es junge Designer heutzutage schwerer als früher? 
Ich denke schon beziehungsweise ich kenne es nicht anders und ich habe keinen direkten Vergleich. Grundsätzlich schätze ich es schwieriger ein, weil es viel mehr Auswahl gibt und vielmehr Ausbildungsmöglichkeiten, die jedes Jahr unzählige gute Designer/innen ausbilden und da wird es immer schwieriger hervorzustechen. 

Wo steht die Mode heutzutage?
Mode ist ständig mit uns, und diesen Gedanken finde ich sehr spannend. Man kann sich ihr nicht entziehen, auch wenn man es bewusst probiert, ordnet man sich ihr erst wieder unter. Natürlich ist das Ganze ein Luxusprodukt unserer Zeit. 

Wie kann man noch etwas Neues schaffen, wenn schon alles einmal da war? 
Ich finde, dass genau das einer der spannendsten Aspekte der Mode ist. Wenn man einen gewissen Rahmen hat, in dem man sich bewegen muss/kann, dann muss man mit diesen begrenzten Mitteln arbeiten und probieren, neue Interpretationen und Kreationen zu schaffen. 

Hat das Internet Mode verändert? 
Auf jeden Fall. So wie unseren kompletten Alltag und vor allem unsere Kommunikation. Alles ist überall zugänglich. Das kann im Designbereich ein Problem darstellen, da ähnliche Blogs vielen als Inspiration dienen und dadurch schnell ein Einheitsbrei entstehen kann. 

Wie hat sich deine Mode in den letzten Jahren verändert? 
Ich glaube, sie ist reifer geworden. Dadurch, dass ich noch nicht sehr lange Mode mache, ist es ein ständiges Entwickeln, das hoffentlich nie aufhören wird. 

Was sind deine Pläne für die Zukunft? 
Erst einmal mache ich meinen Abschluss, anschließend möchte ich bei einem renommierten Designer arbeiten, Erfahrungen sammeln und immer weiter lernen und sehen was passiert. 

Warum ist es gut, 2015 jung zu sein? 
Es stehen einem Mittel zur Verfügung, die die Generation vor uns noch nicht hatte. Wir müssen probieren, diese zu nutzen und nicht schlecht zu reden. 

Warum hast du dich dazu entschlossen, beim Zalando Fashion House mitzumachen?
Es war mir eine große Ehre, als ich gefragt wurde, ob ich eine Installation zeigen möchte und der Zeitpunkt war auch perfekt. Ich hatte gerade meine Show hinter mir und war gerade dabei, mit einem sehr guten Freund und Grafiker (Benjamin Zivota) ein Konzept für eine Ausstellung zu entwickeln. Deshalb dachten wir uns, wieso nutzen wir nicht beide Orte (Wien, Berlin) und entwickeln ein Konzept, das simultan ausgestellt werden kann. 

Was können wir erwarten? 
Bei der Installation geht es um den Paradigmenwechsel vom industriell manuell Geschaffenen hin zum postindustriell digitalisiertem Outsourcen und um den Stellenwert von Marken in dieser neuen Ökonomie.

Ajla Ayidan

Wie würdest du deine Kollektion beschreiben? 
Beschreibungen nehmen schnell starre Formen an und sind zu eingrenzend. Ich bin eher daran interessiert, dem Betrachter die Möglichkeit zu bieten, die Kleidersprache frei zu assoziieren und eigene geistige Bezüge herzustellen. Das ist viel spannender als den Menschen zu diktieren, was sie darin sehen sollen. 

Haben es junge Designer heutzutage schwerer als früher? 
Die Gegebenheiten und die zyklischen Bewegungen des Markts sind definitiv herausfordernd. Diese Restriktionen können auf der anderen Seite auch anregen, anders über Dinge nachzudenken, und eigene Wege abseits der vorhandenen Strukturen zu suchen. Ich glaube, dass die Chance darin liegt, die Normen zu verlassen. 

Wo steht die Mode heutzutage? 
Irgendwo in der Mitte zwischen falschem Ruhm und falscher Bescheidenheit? Es ist an der Zeit, sich einer ehrlicheren Modevision zuzuwenden. Für mich geht es dabei primär um die Haltung, die man einnimmt, die einer gewissen Souveränität bedarf. 

Wie kann man noch etwas Neues schaffen, wenn schon alles einmal da war? 
Das kann ein Anspruch sein, ist aber keine Notwendigkeit. Mode ist eine Begegnung mit der Zeit in ihrer unaufhaltsamen und zugleich immer wiederkehrenden Weise. Das schon vorhandene Vokabular interpretiert man dennoch stets für sich selbst neu. 

Hat das Internet die Mode verändert? 
Wie in allen anderen Aspekten hat das Internet auch hier einen radikalen Wandel bei der Art, wie mit Inhalten umgegangen wird, herbeigeführt. Es ist einfacher denn je, die eigene Arbeit zu präsentieren. Ich bin der Meinung, dass man dabei aber umso genauer kommunizieren muss. Was will man sagen, was will man zeigen? 

Wie hat sich deine Mode in den letzten Jahren verändert? 
Jede neue Kollektion entwickelt sich über Elemente aus der vorherigen weiter. Ich mag die Vorstellung, dass es sich dabei um einen unpräzisen Prozess handelt, bei dem man nicht sofort weiß was kommt oder wie es aussehen wird. 

Hast du Pläne für die Zukunft? 
Mehr träumen, mehr tun! 

Warum hast du dich dazu entschlossen, beim Zalando Fashion House mitzumachen? Was können wir erwarten? 
Ich war an einer Möglichkeit interessiert, meine Arbeit in einer erweiterten Form zu präsentieren. In Zusammenarbeit mit befreundeten Künstlern ist dabei eine skulpturale Rauminstallation, bei der voneinander unabhängig erarbeitete Fragmente ineinandergreifen, entstanden.

Credits


Fotos: Johannes Kuczera
Styling: Erik Raynal 
Haare & Make-up: Patrick Glatthaar 
Model: Leomie Anderson / Core 
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