tony futura nimmt mit seinen photoshop-collagen die popkultur auf die schippe

Kimye als American Gothic, Einstein, der einen Joint rollt, oder Nicki Minajs Po als Glückskeks - der in Berlin lebende Tony Futura macht sich in seinen Collagen über die popkulturellen Phänomene unserer Zeit lustig. Und er erntet dafür auch ganz schon...

von Alexandra Bondi de Antoni
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07 Dezember 2015, 11:10am

Schon seitdem es Prominente gibt, gibt es Karikaturen von genau diesen. Um die Jahrhundertwende wurden die damaligen Popstars, also die Literaten, Pianisten und Schauspieler, bei ihren nächtelangen Besäufnissen in den Kaffeehäusern charmant auf die Schippe genommen, heute sind es eben Kimye oder Nicki Minajs Arsch. Ihre Karikaturen findet man heutzutage zur Genüge im Internet. Irgendwie hat man das Gefühl, sowieso schon alles gesehen zu haben, und aus der unendlichen Menge von Kreativität herauszustechen, ist nicht leicht. 

Die Collagen von Tony Futura sind da eine Ausnahme. Wir mussten herzlich lachen, als wir sie zum ersten Mal gesehen haben. Nicht nur seine Interpretation von American Gothic mit Kim und Kanye oder Kevin (von Kevin allein zu Haus) in Edvard Munchs Der Schrei, sondern auch seine Arbeiten, die die Absurditäten unserer von Materialismus und Popkultur besessenen Welt aufzeichnen, ließen uns dem Berliner ein paar Fragen stellen. 

Wie lange machst du diese Collagen schon und wie bist du dazu gekommen?
Das hat vor circa vier Monaten angefangen. Eigentlich habe ich nicht vorgehabt, digitale Collagen zu machen, mir ging es viel mehr um die Ideen dahinter. Ich empfand Instagram als eine neue Herausforderung und wollte sehen, wie lange ich es schaffe, mir fast täglich etwas einfallen zu lassen. Dazu gekommen bin ich wahrscheinlich durchs Studium und meine Arbeit. Ich habe Kommunikationsdesign studiert und arbeite jetzt als Art Director in einer Kreuzberger Werbeagentur. Bilder haben mich schon immer fasziniert und ich finde es erstaunlich, wie man durch sie kommuniziert. 

Wie findest du deine Motive?
Das ist sehr unterschiedlich. Manchmal sind es eher Geistesblitze, die mich dazu bringen, etwas zu machen. Meistens aber suche ich gezielt nach einfachen Objekten, bekannten Werken oder Bildern, die einfach jeder kennt und dreh' diese dann in eine neue Richtung. Besonders interessant finde ich es, wenn man aus offenbar gegensätzlichen Dingen eine klare und sinnvolle Aussage schaffen kann.

Warum machst du dich über die Popkultur lustig?
Warum nicht? Ich bin jemand, der vieles nicht so ernst nimmt, und ich liebe es, wenn ich etwas sehe, was ich so noch nie gesehen habe. Anleihen aus der Popkultur und der Kunst bieten mir die perfekte Grundlage, mit Annahmen zu spielen und die Perspektive zu wechseln. Jedoch war es nie meine Absicht, dass der Account zur großen Systemkritik wird. 

Steckt hinter den Bildern eine tiefere Bedeutung?
Manchmal ja, manchmal nein. Viele der Bilder sind sehr offen für jede Art der Interpretation, sie geben zwar eine Richtung vor, aber ich habe gemerkt, dass sie viele doch auf eine eigene Art wahrnehmen. Mir macht die kreative Verbindung von zwei Themen sehr viel Spaß, aber ich bearbeite dabei nicht ausschließlich nur große Themen. Viele Konzepte mache ich, weil ich sie einfach nur lustig finde und sie mich unterhalten. Meine Hauptthemen sind Spaß, Liebe, Toleranz, Konsum und sich selbst nicht zu wichtig nehmen.

Was denkst du über Instagram? 
Ich könnte jetzt sagen, dass es mir auf die Nerven geht. Selbstdarstellung überall, Selfies, Banales und totlangweiliger #foodporn. Menschen machen, was andere Menschen machen. Aber daran ist Instagram nicht schuld, sondern unsere Gesellschaft. Reiche Kids führen auf Instagram scheinbar ein Thuglife mit Messern und Gangsta-Posen, Arbeitslose posten Bilder beim Shoppen. Das sind Oberflächlichkeiten, von denen ich mich distanzieren will. Gleichzeitig dient mir dieser Zeitgeist als Inspiration. Am Ende ist Instagram nur eine Plattform und jeder nutzt sie so, wie er es für richtig hält. Und ich will andere inspirieren.

Wie reagieren die Menschen auf deine Arbeiten? Haben sich Leute schon beschwert?
Ja sicher, ständig. Das Witzigste war, als jemand meinte, ich würde betrügen, weil ich Photoshop auf einer App für Fotografen benutze. Eine Hardliner-Veganerin meinte, ich nehme am animal holocaust Teil, weil ich das Essen von Fleisch glorifiziere und meine Follower verblende. Sie warf mir an den Kopf, ungebildet und respektlos zu sein und wollte nicht mehr damit aufhören, Kommentare zu posten und mich auf Schlachtungsvideos zu verlinken. Und alles nur, wegen einem Bild, an dem gebratene Schinkenstreifen an einem Ventilator hängen. Das fand ich ein wenig übertrieben, um ehrlich zu sein.

Was sagst du dazu, dass einige sagen, dass du Frauen objektifizierst? 
Das höre ich mittlerweile täglich. Auch dass ich ein Sexist bin. Was natürlich nicht stimmt. Ich finde auch nicht, dass meine Arbeiten sehr provokativ sind. Ich finde es umso beeindruckender, dass ich es mit bunten Bildern im Jahre 2015 noch schaffen kann, so verschiedene Meinungen im Netz zu erzeugen. Menschen schreiben mir jetzt Dankesmails dafür, dass ich tue, was ich tue. Andere brauchen Großbuchstaben und Ausrufezeichen um mir zu sagen, dass ich kein Talent habe und dumm bin. Ich finde das alles ziemlich unterhaltsam, vor allem weil es auf dieser Welt sicher andere Dinge gibt, die falsch laufen und die sind wiederum Themen meiner Bilder. Und so schließt sich der Kreis für mich.

Mit wem würdest du gerne zusammenarbeiten?
Mit jemandem, der mir helfen kann, einige dieser Bildkonzepte als Skulpturen umzusetzen. Aber wenn ich mir ein Vorbild aussuchen sollte, dann wären das sicher Brock Davis oder Mauritio Cattelan.

Was sind deine Pläne für die Zukunft?
Soweit denke ich nie voraus. Ich lasse alles auf mich zukommen, aber eine Ausstellung machen, da gibt es zur Zeit sogar Angebote aus New York, wäre schon schön. Ansonsten mache ich meinen Job, freue mich auf meinen nächsten Urlaub und freue mich, dass es läuft.

@tonyfutura

Credits


Text: Alexandra  Bondi de Antoni 
Bilder via Tony Futura 

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