Foto: Screenshot von YouTube aus dem Video "Drive – Movie Trailer (2011) HD" von Movieclips Trailers

5 Bücher, deren Verfilmungen nicht komplett scheiße sind

Von Der Pate bis Fight Club: Klassiker der Filmgeschichte, die es ohne den vorherigen Roman nicht gegeben hätte.

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10 Februar 2017, 10:10am

Foto: Screenshot von YouTube aus dem Video "Drive – Movie Trailer (2011) HD" von Movieclips Trailers

Die Berlinale hält Einzug in den Kinos der Hauptstadt. Zeit für große Filmkunst, ob glamouröses Hollywood oder kühne Indie-Produktion. Nicht selten basieren die Drehbücher der über die Leinwände flimmernden Streifen auf Romanvorlagen. Gemeinhin wird behauptet, Buchverfilmungen würden nichts taugen; wie solle man je dem Film im eigenen Kopf gerecht werden können? Dass es da draußen genug Schund gibt, darüber muss nun wirklich nicht gestritten werden. Doch das Äpfel-Birnen-Argument zieht hier nicht. Von Der Pate bis Fight Club, von Homo Faber bis Trainspotting. Alles Klassiker der Filmgeschichte - die es ohne den vorherigen Roman nicht gegeben hätte. Vorhang auf für fünf Romane, deren filmische Umsetzung uns verzaubert haben.

Alles ist erleuchtet von Jonathan Safran Foer, verfilmt durch Liev Schreiber

Auf dem Sterbebett liegend überreicht Jonathans Großmutter dem jungen Juden ein Foto. Darauf ist neben seinem Großvater eine Frau zu sehen, die der junge Man nicht kennt. Ihr Name ist Augustine und sie rettete Jonathans Großvater 1941 in der Ukraine von den Nazis verfolgt das Leben. Der eher scheue „Sammler" Jonathan macht sich auf den Weg nach Trachimbrod, um dort die Frau zu finden, ohne die es ihn nicht geben würde.

Im Gepäck: Zigaretten als Geldersatz, Plastiktütchen zum Sammeln verschiedener Andenken und ein vor Ort eher skeptisch aufgenommener Vegetarismus. An seiner Seite: Der amerikanische Popkultur liebende Ukrainer Alex, dessen Großvater und "blinde" Fahrer des Autos und "Blindenhund" Sammy Davis Junior Junior. Jonathan Safran Foer schuf mit seinem zum Teil autobiografischen Debüt eine wunderschöne, fast wie ein Märchen anmutende Geschichte, die von Herkunft handelt, vom Segen erfundener Erinnerungen, von Liebe und Greuel. Voll Witz, der nötigen Ernsthaftigkeit und starken Bildern nahm sich der sonst vor der Kamera stehende Liev Schreiber Foers Erleuchtung an. Mit Elijah Wood und Eugene Hütz (Sänger der Band Gogol Bordello).

Kein Land für alte Männer von Cormac McCarthy, verfilmt von Joel & Ethan Cohen

Ein missglückter Drogendeal irgendwo in der Wüste: Viele Tote, ein Haufen Heroin und 2,4 Millionen Dollar. Von hier aus nimmt die alles mit sich reißende Story Cormac McCarthys um die drei Protagonisten ihren zerstörerischen Lauf. Llewelyn Moss, seines Zeichens Hobbyjäger und Vietnamveteran, stößt auf dieses grausige Szenario und nimmt das Geld an sich. Der, dem das Geld gehört, ist darüber nicht unbedingt erfreut. Er heuert einen psychopathischen Auftragskiller an, um das Drogengeld zurückzuerhalten. Dieser Killer tötet am liebsten mit einem Bolzenschussgerät mit dem eigentlich Rinder dem Schlachter zugeführt werden. Außerdem hält er sich für so etwas wie den verlängerten Arm des Schicksals.

So beginnt ein brutales Katz-und-Maus-Spiel, bei dem der dritte im Bunde, der in die Jahre gekommene Sheriff Bell, immerzu das Nachsehen hat. Der Plot ist simpel, die Szenerie trocken und rau, die Charaktere eindringlich und scharf gezeichnet. Mit Kein Land für alte Männer hat der Pulitzer-Preisträger McCarthy einen modernen Western geschaffen, den die Coen-Brüder in ihrer unnachahmlichen Art interpretiert und vier Oscars einheimst haben. Jarvier Bardem, Tommy Lee Jones, Josh Brolin und Woody Harrelson geben sich die Ehre. Manch einer hält den Film sogar für stärker als das Buch ...

Sturmhöhe von Emily Brontë, verfilmt von Andrea Arnold

Was? Wuthering Heights ist mehr als ein verdammt geiler Kate Bush-Song? Sowas von! Kate war anscheinend so nachhaltig von Emily Brontës Roman begeistert, dass sie einen Song darüber geschrieben hat. Kathy ist die Tochter des wohlhabenden Landbesitzers Earnshaw, der in den dunklen Gassen Liverpools das Findelkind Heathcliff aufgreift und bei sich aufnimmt. Zwischen Kathy und Heathcliff entsteht bereits in frühester Jugend eine tiefe Freundschaft, gar Seelenverwandtschaft.

Als der Vater stirbt, übernimmt Kathys Bruder das Ruder. Dieser schikaniert Heathcliff und lässt ihn gar im Stall schlafen. Heathcliff kehrt dem Anwesen und den Earnshaws den Rücken, ohne Kathy jemals vergessen zu können. Als er als reicher Mann an den Gutshof zurückkehrt, ist Kathy bereits verheiratet. Aus der Freundschaft junger Tage entwickelt sich jedoch Liebe und tiefe unbefriedigte Leidenschaft für den jeweils anderen. Heathcliff will Kathy zurückerobern, doch diese ist von ihrem Ehemann schwanger. Von hier an nimmt eine Tragödie ihren Lauf, wie sie schöner nicht sein könnte. Als eine düster-melancholische Vision der Liebe, gleichermaßen von Schönheit und Brutalität geprägt, war das Buch beim Erscheinen 1847 ein Tabubruch und wurde größtenteils abgelehnt. Mittlerweile ist es ein Klassiker der Weltliteratur, der vielfach verfilmt wurde. Doch die Adaption von Regisseurin Andrea Arnold, die auch hinter American Honey steht, mit den grandiosen Hauptdarstellern toppt sie alle.

Driver von James Sallis, verfilmt von Nicolas Winding Refn

Manchmal reicht der eine Job einfach nicht aus, manchmal muss man sich nebenbei noch ein bisschen Taschengeld dazu verdienen: So wie auch der namenlose Driver, Held und Namensgeber von James Sallis' Neo-Noir-Krimi. Untertags ist er als Stuntfahrer für Hollywood unterwegs, nachts schlüpft er in die Rolle des Fluchtwagenfahrers für Gangster aller Art. Als jedoch ein Coup schiefgeht und er sich in einem ranzigen Motel mit der ein oder anderen Leiche und einer Tasche voll Geld wiederfindet, gerät er auf die Abschussliste zwielichtiger Hintermänner. Doch der gejagte Antiheld wird zum kompromisslosen Jäger, wobei lakonischen Dialogen in Kombination mit brutalen Nadelstichen actionreichem Rumgeballer der Vorzug gewährt wird.

Ähnlich wie seine filmische Interpretation sind es die Leerstellen der Handlung, die das Werk in jeder Hinsicht zu großem Kino machen. Die Liebesgeschichte zwischen den Charakteren von Ryan Gosling und Carey Mulligan rückt im Film zwar mehr in den Fokus, doch nicht nach dem Motto "Wir brauchen hier noch dringend eine Knutschszene", sondern sehr ästhetisch, auf eine Weise, die dem Film noch mehr Tiefe gibt. Wer von Driver bzw. Drive nicht genug bekommen kann, dem sei gesagt, dass bereits ein Nachfolgeroman erschienen ist. Er trägt den klangvollen Titel Driver 2.

Die Selbstmord-Schwestern von Jeffrey Eugenides, verfilmt von Sofia Coppola

Ihre Blicke sind schmachtend. Doch nicht (oder kaum) in sexueller Weise. Es ist eher eine paralysierende Bewunderung, die ein paar pubertäre Nachbar-Jungs der 70er Jahre für die Töchter der Familie Lisbon empfinden. Fünf Mädchen aus gutem Hause, von denen ein Zauber auszugehen scheint, eine jungfräulich-verruchte Naturgewalt. Einer der Jungs erzählt von den Geschehnissen jenes Sommers. Das Ende ist schon abzusehen, der Titel sagt alles.

Eugenides wandelt zwischen makaberem Humor, süßer Melancholie und altbewährtem Coming-of-Age. Retrospektiv erfahren wir von den romantisierten Selbstmorden, doch wie für den jugendlichen Erzähler bleiben die Lisbon-Mädchen – wie auch für den Leser – ein unantastbares Mysterium. Das Schwärmen für das Unerreichbare kennen wir alle. Und so zieht uns der Roman in einen Strudel aus bedenklicher Hingabe für diese des Lebens überdrüssigen Sirenen. Wahrscheinlich wurde nie bittersüßer über den Freitod geschrieben. Wahrscheinlich wurde der Begriff "lebensmüde" nie liebevoller behandelt. Und wer jemals die Verfilmung der großartigen Sofia Coppola gesehen hat, wird niemals die zauberhafte Kirsten Dunst und Sofia Coppolas ironisch inszenierte Trug-Idylle vergessen.