"The Vulva Gallery" zelebriert Vulven in allen Farben, Formen und Größen

Wir haben uns mit der Illustratorin Hilde Atalanta über ihr intimes Projekt und die Schönheit von Vulven unterhalten.

von Max Migowski; illustrationen von Hilde Atalanta
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Feb. 2 2017, 10:30am

Hilde Atalanta ist die in Amsterdam lebende und arbeitende Künstlerin, die mit ihren Darstellungen der Vulva in allen Farben, Formen und Größen die Einzigartigkeit genau diesem Körperteil huldigt. Während die Zahl der Schamlippenoperationen stetig ansteigt, will sie mit ihrem Projekt die Wertschätzung des eigenen Körpers steigern und möchte ihre Mitmenschen ermutigen, ihr Anderssein zu feiern.


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"In erster Linie soll The Vulva Gallery aufklären. Ich will, dass Leute die Vulva und sich selbst positiver wahrnehmen. Ich will ihnen mehr Selbstbewusstsein schenken und ihnen zeigen dass Unterschiede nichts Schlechtes sind, sondern sogar sehr gut", erklärt die Künstlerin. Sie wolle nicht bloß Frauen ansprechen, sondern alle Menschen. Wie sie auf die Ideen gekommen ist und wie weit wir in der Aufklärung um das Thema weibliche Geschlechtsorgane sind, haben wir mit ihr besprochen.

Wie bist du auf die Idee gekommen, The Vulva Gallery ins Leben zu rufen?
Vor etwa einem Jahr war ich in einer Vorlesung, in der gesagt wurde, dass es einen gigantischen Anstieg von Schamlippenkorrekturen, gibt. Dieser kosmetische Eingriff wird meist vorgenommen, um die inneren Schamlippen zu verkleinern. Keine Frau sollte sich aus rein optischen Gründen, wie beispielsweise die Einflüsse der Pornoindustrie oder anderen Medien, dazu gezwungen fühlen, ihre Vulva verschönern zu müssen. Es ist herzzerreißend zu sehen, welchen Preis manche Leute für diese vermeintliche Perfektion zahlen. Wir müssen uns über die wunderbare Vielfalt jedes einzelnen Menschen bewusst werden. Deswegen hoffe ich, dass The Vulva Gallery ihren Teil dazu beitragen kann und sich die Anzahl durchgeführter Labioplastien verringert.

Was möchtest du mit diesem Projekt erreichen?
Ich möchte die Vielfahl zelebrieren. Die Gesellschaft gibt uns so viele Gründe, warum wir uns nicht so lieben sollten, wie wir sind. Es wird impliziert, dass wir zu dick sind; dass wir nicht feminin genug. Unsere Dehnungsstreifen, Cellulite und unsere Körperbehaarung wird kritisiert. Auch der Menstruationszyklus ist ein Tabuthema, über das man bloß kein Wort verlieren sollte. Diese negativen Botschaften können dazu führen, dass sich vor allem die Jüngeren weniger wohl in ihrer Haut fühlen. Wir müssen endlich anfangen, unsere vermeintlichen Makel mit Stolz zu tragen und der Welt zu zeigen, dass wir genau so, wie wir sind, gut sind. Wir sind eben nicht alle gleich und perfekt und das ist doch gerade das Interessante daran. The Vulva Gallery soll nicht bloß Frauen ansprechen. Immerhin gibt es so viele unter uns, die eine Vulva haben, sich aber nicht zwangsweise als Frau identifizieren.

Beruhen deine Illustrationen auf echten Vulven?
Bis vor Kurzem habe ich ausschließlich meine Vorstellungskraft und mein Fachwissen im Bereich der Anatomie zurückgegriffen. Ich habe klinische Psychologie studiert und einen Kurs in Sexualkunde belegt. Inzwischen suche ich aber auch im Internet nach Inspirationen. Mir geht es schließlich auch darum, so viele verschiedene Modelle wie möglich darzustellen. Tatsächlich haben sich auch schon viele Menschen bei mir gemeldet und mich gebeten, ihre Vulva für dieses Projekts zu zeichnen. Das finde ich fabelhaft.

Du hast vorher schon Schamlippenkorrekturen angesprochen. Welchen Unterschied kann die ganze Body-Positivity-Bewegung bewirken?
Ich denke, jede Form der Body-Positivity-Bewegung ist schon ein Schritt in die richtige Richtung. Themen wie Selbstakzeptanz und Selbstliebe spielen eine immer größere Rolle in den Köpfen junger Menschen. Die Reaktionen auf meine Arbeit zeigen mir aber auch, dass wir noch viel mehr solcher Aktionen brauchen, um diesen Fortschritt auch weiterhin voranbringen zu können. Bildung und eine positive Grundeinstellung sind hier Schlüsselworte. Wir sind zwar noch lange nicht dort, wo wir sein wollen, aber mit solchen Initiativen kommen wir dem Ziel schon wesentlich näher.

Wie waren die Reaktionen auf The Vulva Gallery?
Im Großen und Ganzen sind die Reaktionen sehr positiv ausgefallen. Klar, unserer Gesellschaft geht allgemein immer noch sehr zurückhaltend mit weiblichen Geschlechtsteilen um, aber ich zeichne die Vulven durchaus augenfreundlich. Jemandem, der dem Ganzen vielleicht noch etwas suspekt gegenübersteht, kann ich so ein bisschen die Angst nehmen. Manche fragen mich, ob es denn nicht Dinge gäbe, die man lieber etwas diskreter behandeln und der Fantasie überlassen sollte. Mir ging es hier um einen Bildungsauftrag. Wir sind bei manchen Themen, gerade in Bezug auf unsere Körper, so kleinlich und privat und vielen wissen dadurch gar nicht, was wie aussieht. Wenn die einzigen Vulven, die du siehst, aus irgendwelchen Pornos stammen, wirst du ein anderes Bild haben, als es der Realität entspricht. Der Bedarf nach einem offenen Dialog ist da und er ist sehr groß. Viele Menschen, mit denen ich mich unterhalte, sind tatsächlich sehr überrascht davon, dass es so viele verschiedene Vulva-Typen gibt.

@thevulvagallery