"sex and the city"-stylinglegende patricia field über jugendliche leichtigkeit und #keepingitreal

Anfang des Jahres war die einzigartige Patricia Field in Berlin, um den Deutschen ihre Art Fashion vorzustellen. Wir haben die Gelegenheit genutzt, um uns Tipps zu holen, wie man es als junger Kreativer in der Mode zu etwas bringt.

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10 März 2017, 8:50am

Wer kennt sie nicht, die legendäre Fernsehserie Sex and the City, die in den Neunzigern mit Dialogen über so jedes Thema, das zuvor noch als großes Tabu gegolten hat, Frauen auf der ganzen Welt ein besseres Selbstbewusstsein sich selbst und ihrer Sexualität gegenüber gegeben hat und deren Einfluss bis ins Jahr 2017 reicht? Und vor allem den berühmte Vorspann, in dem Carrie Bradshaw im Tutu bekleidet durch die Straßen von New York läuft, nur um dann von einem Bus von oben bis unten nass gespritzt zu werden? Für das legendäre Outfit, das immer noch als sichere Lösung für jeden Karneval und jedes Halloweenfest gilt, war die Stylistin Patricia Field verantwortlich, die durch ihre Arbeit an der Serie selbst zur weltweiten Berühmtheit wurde. Ihre feuerroten Haare, ihre exzentrischen Outfits und ihre unglaublich tiefe Stimme, gepaart mit einem ganz eigenen Auge für Style und Stil, brachten ihr auch eine Oscarnominierung für Der Teufel trägt Prada ein und machten sie zum Liebling der Stars und Sternchen. Sarah Jessica Parker zählt bis heute — auch Jahre nach dem Ende von SATC — zu einer ihrer engsten Freundinnen.

Geboren wurde Field im New York der Vierzigerjahre. Queens wurde schnell zu ihrem Spielplatz, auf dem sie sich — bestärkt durch ihre Großmutter — schon in frühen Jahren ausprobieren konnte. Nach ihrem Uniabschluss in Liberal Arts eröffnete sie ihre erste eigene Boutique, die ihren Namen getragen und dessen Ruf bis ins ferne Europa gereicht hat. Durch ihren einzigartigen Zugang zu Styling, ihrem eigenen Modedesign und ihrer extrovertierten Persönlichkeit wurde sie über die Grenzen der Modeblase hinaus bekannt und zum gerngesehenen Gast auf dem roten Teppich.

Mittlerweile ist das Leben von Pat, wie ihre Freunde sie nennen, etwas ruhiger geworden, aber auf keinen Fall weniger aufregend. Die über 70-Jährige hat ihre Boutique geschlossen und steckt ihre ganze Energie in die Förderung von jungen Kreativen. Der Ankerpunkt ihres Schaffens ist die von ihr gegründete Plattform Art Fashion. Mit Künstlern kollaboriert sie an limitierten Editionen und präsentiert die entstandenen Stücke als Laufsteg-Show oder als Installationen.

So auch Anfang des Jahres in Berlin. Zusammen mit MADE wurde für mehrere Tage ein Raum in Mitte bespielt. Wir haben ihren Besuch in der deutschen Hauptstadt genutzt, um uns Tipps zu holen, wie man es als junger Kreativer in der Mode zu etwas bringt.

Du strahlst extrem viel Selbstvertrauen aus. Wie bist du so selbstbewusst geworden?
Wenn ich darüber nachdenke, würde ich sagen, dass mit der Erziehung durch meine Großmutter alles begonnen hat. Sie hat mir immer gesagt, dass ich OK bin. Sie hat mir gezeigt, was es bedeutet, Selbstvertrauen zu haben. Ich habe sehr jung gelernt, meine Persönlichkeit auszudrücken und das zu machen, was ich wollte. Ich war auch eindeutig ihre liebste Enkelin, ich konnte nichts falsch machen. Diese Liebe hat mir das Selbstvertrauen gegeben. Ich dachte nur: „Ja, ich kann das. Ich bin gut." Ich trage immer noch ihren Ehering. Und meine Hündin habe ich nach ihr benannt, Sultana. Ich muss immer eine Sultana in meinem Leben haben, weil ich sie so sehr vermisse.

Und welchen Stellenwert hat Selbstbewusstsein heute in deinem Leben?

Was würdest du jungen Kreativen raten, die in die Modebranche einsteigen wollen?
Am wichtigsten ist, dass du herausfindest, worin du gut bist und dann immer weiter an dir arbeitest. Wenn du in etwas gut bist, dann wird es dir auch leichtfallen und du wirst erfolgreich sein.

Wann und wie hast du für dich entdeckt, was dir leichtfällt?
Als ich meinen Universitätsabschluss in der Tasche hatte — ich habe Liberal Arts studiert und nicht mal Mode oder so etwas — habe ich gemerkt, dass ich das, was ich gerade gelernt hatte, auf keinen Fall auf meine Karriere ummünzen will. Ich habe eine Anzeige in einer Zeitung gesehen, in der ein Manager für ein Kaufhaus gesucht wurde. Ich hatte sofort das Gefühl, dass ich das gut machen kann, weil es mir leichtfällt. Damals habe ich für mich entdeckt, dass Mode mein Weg sein wird, weil sie mir erlaubt hat, das zu machen, was ich wirklich wollte, nämlich frei zu sein.

Was würdest du jemandem raten, der Schwierigkeiten hat, herauszufinden, was ihm leichtfällt?
Du musst in dich gehen und auf dich hören. Du musst wissen, was du magst und dann von diesem Gefühl aus weitergehen. Feierst du gerne? Dann veranstalte Partys. Verstehst du, was ich meine? Diese Erkenntnis kommt nicht einfach über Nacht, also musst du dich, für dich selbst interessieren. Versuche dich in den verschiedensten Dingen und lerne, worin du gut bist. Wenn du das nicht machst, bist du bewusstlos. Du hast nur ein Leben und dieses sollte glücklich sein. Also mach was draus.

Wenn man es dann zu etwas gebracht hat, wie schafft man es dann, auf dem Boden zu bleiben?

Was sind die größten Herausforderungen und Möglichkeiten, die junge Menschen heutzutage haben?
Meiner Meinung nach müssen junge Leute heutzutage mit viel mehr fertig werden als zu der Zeit, in der ich jung war. Damals hat vieles einfacher gewirkt. Eine der größten Aufgaben von jedem Menschen ist es, herauszufinden, wie man in das heutige System passt und wo man seinen Platz in diesem findet. Als Individuum in einer Welt, die von riesigen Konzernen geführt wird, hast du die Aufgabe, dein eigenes, persönliches Ziel zu setzen und dieses zu erreichen. Seien es Glück, Erfolge oder was auch immer.

Was war der beste Ratschlag, den du jemals bekommen hast?
Als ich zum ersten Mal ein eigenes Gewerbe angemeldet habe, bin ich in das Büro des Steuerberaters unserer Familie gegangen und er meinte zu mir: „Pat, alles wird gut werden, solange du deine Rechnungen bezahlst!" — das habe ich mir bis heute bemerkt.

Wenn du auf deine Karriere zurückschaust, gibt es etwas, was du bereust?
Wenn ich zurückschaue, fühle ich mich sehr gut. Ich bin für alles, was passiert ist, dankbar. Mein Leben und meine Karriere haben sich einfach so entwickelt, also habe ich keinerlei Verlangen, sie neu zu erfinden oder etwas zu ändern. Obwohl eine Sache gibt es da doch: In der Schule wurde mir immer gesagt, dass ich nicht gut mit Zahlen umgehen kann. Und ich habe das einfach geglaubt. Je älter ich geworden bin, desto mehr wurde mir bewusst, dass ich eigentlich gar nicht so schlecht darin bin. Aber diese Lehrer haben mir von Anfang an gesagt, dass ich schlecht bin, bevor ich mich wirklich ausprobieren konnte. Jetzt als Erwachsene funktioniert mein Gehirn wie ein Rechner.

Gibt es etwas, worauf du besonders stolz bist?
Ich habe mir den Respekt von Frauen überall auf der Welt verdient. Sie geben mir das Gefühl, dass ich sie glücklich mache. Ich gehe — egal wo — auf der Straße und Frauen halten mich an und wissen, wer ich bin. Das ist wunderbar.

Was bedeutet dir Ruhm?

Du bist in Berlin und stellst hier einen Teil deiner Arbeiten mit jungen Kreativen aus. Was interessiert dich am meisten an der Zusammenarbeit mit Menschen, die so viel jünger sind als du?
Wenn ich jemanden treffe und diese Person zeigt mir ihre Kreativität, bin ich sofort interessiert. Die junge, kreative Energie ist das, was mich am meisten reizt. Diese jungen Menschen sind die Energie des Lebens. Sie sind die Zukunft und sie sind von allem fasziniert und aufgeregt. Das macht sie interessant.

Pat hat uns einen Blick in ihr Bilderarchiv werfen lassen. Was wir gefunden haben, kannst du dir hier anschauen.

patriciafield.com

Credits


Text und Fotos: Alexandra Bondi de Antoni