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was du wissen musst, um einen job bei einem großen modehaus zu bekommen

Wer könnte dir besser Tipps geben, als die Personalchefin bei LVMH, Gena Smith? Eben.

von 1 Granary
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21 Juli 2017, 10:55am

Dieser Artikel erschien in Zusammenarbeit mit 1 Granary und der von Alexander McQueen gegründeten Sarabande Foundation zuerst auf i-D UK. 

Während Studiengebühren steigen, hängt der Wert eines Studiums zunehmend von dessen Arbeitsmarktfähigkeit ab. Die Uni-Rankings und in den Broschüren der Unis wird gerne die Rate von Absolventen, die einen Job gefunden hat, in den Vordergrund gestellt, um die Qualität zu zeigen. Sogar die Kunsthochschulen neigen dazu, Arbeitsmarktfähigkeit zu messen und das über die persönliche Entwicklung oder Erfolg zu stellen. Das ist verständlich. Weil Studenten oft ein hohes finanzielles Risiko eingehen, wenn sie sich einschreiben, sollen sie zumindest sicher sein, dass sie etwas für ihr Geld bekommen. Und trotzdem sind es gerade die Modestudiengänge, die ihre Studenten besonders schlecht auf die Arbeitswelt vorbereiten. In Wahrheit ist die Quote der Absolventen, die in dem Sektor einen Job finden, selten so hoch ist, wie behauptet wird.

Die Modeschulen verkünden stolz, dass 80 Prozent ihrer Absolventen innerhalb eines Jahres nach Studienabschluss einen Job gefunden hätten. Dabei erhält man aber kaum Informationen darüber, welche Positionen genau oder in welcher Branche sie denn wirklich arbeiten. Wenn man sie die Liste der Absolventen genauer anschaut, stellt man fest, dass nur sehr wenige Modedesign-Absolventen später auch als Designer arbeiten. Die Arbeitsmarktfähigkeit ist ein beliebtes Marketingtool, wird dann schnell vergessen, sobald die Studierenden ihre Gebühren bezahlt haben.

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In den Modeschulen liegt der Fokus weiterhin auf dem Kreativen und dem Konzeptionellen. Andere Institutionen haben dagegen angefangen, neue Wege zu beschreiten, um die Absolventen auf die Welt vorzubereiten, in der sie arbeiten wollen. 1 Granary hat sich mit Sarabande zusammengetan: Die Lee Alexander McQueen Stiftung veranstaltet eine Diskussionsreihe, um junge Designer mit dem Wissen auszustatten, das ihnen auf der Uni nicht vermittelt wird. Anfang Juli wurde dazu Gena Smith eingeladen, ihres Zeichens Senior Vice President of Human Resources bei LVMH.

Es war schockierend und enttäuschend zu sehen, wie verloren Studenten sind, wenn sie sich vor Arbeitgebern präsentieren müssen.

Ihr fiel auf, wie schlecht Studenten auf die heutige Arbeitswelt vorbereitet werden. "Es war schockierend und enttäuschend zu sehen, wie verloren Studenten sind, wenn sie sich vor Arbeitgebern präsentieren müssen", erklärte Gena. Weil die Unis so gut wie keine Zeit dafür aufwenden, um ihre Studenten auf Bewerbungsgespräche vorzubereiten, scheinen die jungen Absolventen bei solchen Terminen nicht den Hauch einer Ahnung zu haben, wie sie reagieren müssen. Bewerber müssen lernen, wie sie ihre eigenen Gedanken klar formulieren — und das in kurzer Zeit. Es ist nicht die Aufgabe der Recruiter deren Recherche zu übernehmen.

Gena hat bei dem Talk betont, wie wichtig es ist, dass du deine Vision artikulieren kannst. Wenn du in der Lage bist, deinen konzeptionellen Prozess mit dem Praktischen zu verbinden und dazu noch genau weißt, wie dein Arbeitsprozess aussieht, können Recruiter viel besser einschätzen, ob du genug Potenzial hast, um für sie zu arbeiten oder nicht. Zum Beispiel J.W. Anderson. Es war die Art und Weise, wie er über seine Marke und seinen 360-Grad-Vision für Loewe gesprochen hat, die LVMH überzeugt hat, dass er der Richtige für die Position als Creative Director ist. Die Fähigkeit, die eigene Vision an die DNA einer Marke anpassen zu können, scheint sich als Eigenschaft immer stärker heraus zu kristallisieren, nach der die Unternehmen suchen, besonders für Führungspositionen.

Das heißt aber nicht, dass du egozentrisch sein solltest. Auf die Frage, welches Skill-Set oder Eigenschaften sie von Designern erwartet, hat Gena deutlich gemacht, wie wichtig es ist, dass die Bewerber bescheiden und in der Lage sind, gleichzeitig kreativ und im Team zu arbeiten. "Die Zeit der Diven ist vorbei. Man muss heute kreative Umgebungen schaffen, in denen die Leute zur Arbeit motiviert werden und in denen sie wachsen können — sowohl was das Geschäftliche als auch das Kreative angeht. Wir wollen Organisationen, bei denen die Führungskräfte ihre Teams inspirieren. Teamwork, Kollaborationen, Bescheidenheit und Agilität werden als Einstellungskriterien immer wichtiger." Und wieder sind es die Modeschulen, die ihre Studenten nicht richtig vorbereiten, weil sie sich auf Individualität statt auf Teamwork konzentrieren.

Mit der Aussicht auf eine Berufswelt, die versucht, Überstunden zu normalisieren und Studenten dazu ermutigt, sich selbst zu überfordern, wurde die Personalchefin bei LVMH danach gefragt, was Luxusmarken dagegen unternehmen würden, damit ihre Designer nicht ausbrennen. Gena gab zu, dass es dafür keine schnelle Lösung gebe und dass es von dem jeweiligen Creative Director abhänge. Denn sie würden die Arbeitskultur in ihrem Team bestimmen, deshalb sei es für die Unternehmen so schwierig etwas zu verbessern, auch wenn es heutzutage weniger Toleranz für Diva-Gehabe gibt: "Es gab früher viel mehr Geschrei und Hysterie, aber ich glaube nicht, dass das heute noch jemand will. Wir müssen die Mitarbeiter inspirieren, ermutigen und unterstützen sowie sie natürlich auch herausfordern. Vielleicht bin ich auch naiv, aber ich glaube nicht, dass es unmöglich ist, respektvoll miteinander umzugehen und gleichzeitig kreativ zu wachsen."

Die Zeit der Divas ist vorbei. Man muss heute kreative Umgebungen schaffen, in denen die Leute zur Arbeit motiviert werden und in denen sie wachsen können — sowohl was das Geschäftliche wie das Kreative angeht.

An die jungen Modestudenten gerichtet, die sich fragen, ob Teilzeitjobs bei Zara ihre Zukunft verbauen, hat Gena beruhigende Worte. Sie vertrete die Einstellung, dass jede Arbeitserfahrung eine Chance sei, um zu lernen: "Zwar steht man vielleicht nicht an der Speerspitze des Modedesigns, aber ich glaube nicht, dass wir auf solche Berufsstationen mit Verachtung herunterschauen. Wir wissen, wie schwierig es ist, ein Vollzeitstudium und ein Nebenjob unter einen Hut zu bekommen. Unternehmen wie Zara respektieren wir."

Laut Gena sei es fast unmöglich, Teil eines Unternehmens zu werden, wenn man davor zehn Jahre erfolglos an seinem eigenen Label gearbeitet hat. Das heißt aber nicht, dass sie junge Designer davon abrät, ihr eigenes Label zu gründen. "Jede Situation und jede Person ist anders. Du musst dich kennen. Umgebe dich mit Leuten, die so sind wie du, die dich unterstützen können, die ehrlich mit dir sind, die deine Ideen herausfordern und dich weiterbringen."

Warte mit all diesen Sachen aber nicht bis zu deinem Abschluss. Deine Uni mag sich vielleicht nicht dafür interessieren, was mit dir nach dem Abschluss passiert. Du solltest das aber unbedingt. Wenn du direkt nach dem Abschluss einen bezahlten Job finden willst, dann musst du deine Beziehungen schon früher geknüpft haben. Recruiter tauschen sich ständig aus. Es gibt keine bessere Zeit als jetzt, um dein Netzwerk aufzubauen.

Die Sarabande Foundation wurde vom verstorbenen Lee Alexander McQueen mit dem Ziel gegründet, für Künstler und Designer Möglichkeiten zu schaffen, in denen sie sich kreativ ausleben können. Die Stiftung bietet Stipendien für sieben der besten britischen Universitäten für Kunst und Design und bietet Platz für 15 bezahlte Studios. Am Sitz am Regent's Canal im Osten Londons gibt es außerdem einen großen Ausstellungsraum. Die Bewerbungsfrist für die Studios läuft derzeit, die die Künstler im Herbst beziehen können. Weitere Informationen findest du auf der Website.

Credits


Text: Keoy Wan Hui