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diese aktuellen queer-dokumentationen solltest du dir unbedingt anschauen

Freiheit, Emanzipation und Sichtbarkeit: Die LGBT-Community ist stark in Vielfalt und Einheit.

von Colin Crummy
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13 Juni 2016, 11:55am

kiki

Amerika steht nach dem schlimmsten Anschlag seit dem 11. September 2001 unter Schock. Bei einer Schießerei am Wochenende in dem Schwulen- und Lesbenclub Pulse in Orlando, sind mindestens 50 Leute ums Leben gekommen. 53 weitere Opfer wurden verletzt, einige von ihnen schweben noch in Lebensgefahr. Ob der Attentäter in Verbindung mit einer islamistischen Terrororganisation gestanden hat, steht zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht fest. Was aber feststeht: Dass es ein Anschlag auf die LGBT-Community war—und zwar nicht nur auf die der USA. 

Unsere Kollegen von VICE News halten euch über die Entwicklungen auf dem neuesten Stand.

Wir stellen euch fünf aktuelle LGBT-Dokumentationen vor, die die Vielfalt der Community feiern: 

1. Back on Board: Greg Louganis
Er war in den 80ern, was Tom Daley heutzutage ist: Greg Louganis gewann bei den Olympischen Spielen 1984 und 1988 die Goldmedaille—Erfolge, die durch spätere Ereignisse in den Schatten gestellt wurden. Bei den Spielen 1988 in Seoul schlug er mit dem Kopf auf dem Sprungbrett auf und erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma. Greg war damals schon HIV-positiv. Als er im Jahr 1995 mit seiner Krankheit an die Öffentlichkeit ging, brach eine regelrechte Hysterie aus. Ihm wurde vorgeworfen, andere Athleten in dem Schwimmbecken dem Risiko der Ansteckung ausgesetzt zu haben (auch wenn Blut in einem Schwimmbecken kein Risiko darstellt). Ein HBO-Team hat die frühere Sportikone besucht und ihn in seinem Alltag begleitet. Dass Olympiagewinne nicht zwangsläufig zu Reality-TV-Ruhm führen müssen, sondern—im Gegenteil—zu Altersarmut führen können, bleibt dabei nicht unerwähnt. Heute berät Greg Louganis das amerikanische Olympiateam.

2. Kiki
Paris is Burning des 21. Jahrhunderts: Regisseurin Sara Jordeno hat Zugang zur New Yorker Kiki-Community bekommen. Die Kiki-Szene ist ein Kind der Voguing-Ballroom-Szene und eine ihrer führenden Persönlichkeiten ist Twiggy Pucci Garcon. Daraus hat sich eine wachsende Jugendbewegung entwickelt, die trotz Trans- und Homophobie gegen Obdachlosigkeit, gegen das HIV- und Aids-Stigma und gegen Polizeigewalt kämpft. In Kiki wird viel getanzt, aber die Dokumentation ist vor allem deshalb beeindruckend, weil sie die Geschichte Einzelner aus der LGBT-Community, die am Rand der Gesellschaft leben, erzählt und sich ihre Erzählungen und Erfahrungen zur einer kollektiven Bewegung verdichten.

3. Out Run
„Make Politics Fierce" lautet der Slogan der Dokumentation von Johnny Symons und S. Leo Chiang über drei philippinische Transfrauen, die Wahlkampf für einen LGBT-Politiker machen. Doch Mut alleine scheint nicht zu reichen für die Politik, deren Vertreter sie nicht ernst nehmen. Allen Widrigkeiten zum Trotz, beschließen die queeren Aktivistinnen mit ihrer Partei—der LADLAD-Partei—durch das Land zu reisen, um Wahlkampf zu machen und um Trans- und Homophobie zu thematisieren.

4. Strike a Pose
Im Vordergrund dieser Dokumentation stehen die Tänzer, die vor 25 Jahren Teil von Madonnas Crew der „Blond Ambition World Tour" waren (und die immer noch nicht rausgebracht wurde). Sechs der sieben Backgroundtänzer sind schwul und die Tourdoku In Bed with Madonna wurde Kult und sollte Generationen von Schwulen beeinflussen. Unvergessen bleibt die Blowjob-Anleitung von Madonna mit einer Wasserflasche. Doch Strike a Pose erzählt die Geschichte der sechs schwulen Tänzer: Wie es für sie abseits des Rampenlichts gewesen ist und wie sie ihre Leben jenseits von Madonna und der Tour gelebt haben und leben.

5. Southwest of Salem: The Story of the San Antonio Four
Die Dokumentation von Deborah S. Esquenazi erzählt die außergewöhnliche Geschichte der sogenannten San Antonio Four. Den vier Frauen, die offen lesbisch gelebt haben, wurde 1994 der Prozess gemacht, weil sie angeblich junge Mädchen in Texas missbraucht haben sollen. Im Prozess wurden sie dann auch für schuldig befunden. Auch über 20 Jahre später beteuern die vier Frauen ihre Unschuld und machen für die Anschuldigungen Homophobie und die Kindesmissbrauch-Panik in den 90ern verantwortlich. Eine moderne Form der Hexenverfolgung.

Credits


Text: Colin Crummy mit Material von i-D Germany
Foto: Screenshot von Vimeo aus dem Video „KIKI clip #1" von Hard Working Movies