fashion revolution day, straight up

Am Montagabend gab der Re:Fash:Dialogue im Agrora Rollberg den Startschuss für die diesjährige Fashion Revolution Week in Berlin. Neben dem Launch des Fair-Fashion-Guides von Femnet, gab es eine spannende Diskussionsrunde zu erleben, die sich mit der...

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26 April 2017, 10:15am

Veronika, 23

Woher kommst du?
Ich wohne in Berlin, aber komme ursprünglich aus München.

Was machst du?
Ich studiere Bekleidungstechnik.

Trägst du faire Mode? Wenn ja, seit wann und warum?
Faire Mode produziert von Fair-Trade-Labels jetzt nicht direkt, aber seit ein paar Jahren kaufe ich eigentlich nur noch Secondhand.

Den Fashion Revolution Day gibt es nun schon seit 4 Jahren. Hat hat sich seitdem etwas verändert?
Für mich persönlich ist es präsenter geworden, allein von den ganzen Veranstaltungen, die es gibt. Das kann aber natürlich auch an meiner eigenen Wahrnehmung liegen, weil ich mich mehr damit beschäftige.

Was kann jeder einzelne von uns, auch fernab dieser Woche, tun?
Das Bewusstsein ist bei den Menschen auf jeden Fall angekommen, aber das Problem ist, dass die Industrie immer noch extrem Fast Fashion ist — dort muss viel mehr etwas getan werden, nur so kann man das Ganze verändern. Es ist auf jeden Fall eine Bewegung im Gange und jeder von uns kann etwas dazu beitragen, wenn niemand mehr zu H&M geht, als stereotypisches Beispiel, dann könnten sie auch nichts mehr produzieren.

Welchen Tipp würdest du jemandem geben, der sich mehr mit Fair Fashion auseinandersetzen möchte? 
Ich würde versuchen, mich erstmal im Internet ein bisschen darüber zu informieren. Es gibt ganz coole Blogs wie DariaDaria. Auch auf ihren Instagram Stories kann man zum Beispiel unterschwellig Informationen aufschnappen und sonst sind natürlich Formate wie der Fashion Revolution Day super, um sich zu informieren.

Faire Mode sollte …
Spaß machen.

Brandon, 28

Woher kommst du?
Aus Brooklyn, New York. 

Was machst du?
Ich arbeite im Bereich Digitale Medien.

Seit wann beschäftigst du dich mit dem Thema Faire Mode?
Auslöser war der Dokumentarfilm Food Inc im Jahr 2008. Der Film hat meinen Blick auf die Nahrungsindustrie komplett verändert. Danach habe ich angefangen, mein Konsumverhalten generell zu hinterfragen. Ich muss aber zugeben, dass auch ich noch ab und zu schwach werde und Mode kaufe, die nicht fair produziert wurde.

Den Fashion Revolution Day gibt es seit vier Jahren. Was hat sich seitdem verändert?
Ich würde gerne sagen, dass wir auf dem richtigen Weg sind, aber in Wahrheit ist es heute wohl nur ein kleiner Pool an Menschen, der sich tatsächlich mit dem Thema auseinandersetzt. Dazu muss man sich nur die Einkaufsstraßen anschauen: Wir alle wollen hip aussehen und denken nicht darüber nach, welche Konsequenzen unser Konsum hat. Deshalb ist es wichtig, weiterhin Aufmerksamkeit zu generieren.

Welchen Tipp würdest du jemandem geben, der sich mehr mit Fair Fashion auseinandersetzen möchte? 
Ich habe mir selbst vorgenommen, dieses Jahr nicht mehr bei Billigmodehäusern einzukaufen. Das kann ein allererster Schritt sein. Und geh online, informier dich und schau dir eine Doku zu dem Thema an. 

Faire Mode sollte …
Realität werden. Viele Firmen verstecken sich hinter schönen Bildern und hippen Influencern, die uns ansprechen sollen. Die Wirtschaft sollte sich endlich der hässlichen Realität dahinter stellen.

Anna, 35

Was machst du?
Ich bin Bloggerin bei Viertel Vor und moderiere den Talk heute.

Trägst du faire Mode? Wenn ja, seit wann und warum?
Als ich gemeinsam mit Marcus Werner zusammen vor einem Jahr den Blog gegründet habe, habe ich mich etwa zeitgleich dazu entschieden, für ein Jahr keine neuen Klamotten mehr zu kaufen. Das ist mir erst nicht leicht gefallen, aber das Experiment hat mir wahnsinnig viel gebracht.

Den Fashion Revolution Day gibt es seit vier Jahren. Was hat sich seitdem etwas verändert?
Nachhaltigkeit ist sichtbarer und großartigerweise auch cooler geworden. Ich bezeichne es aber bewusst nicht als Trend, weil ich hoffe, dass es nichts ist, was wieder verschwinden wird. Nachhaltigkeit muss bleiben, sonst richten wir uns zu Grunde.

Welchen Tipp würdest du jemandem geben, der sich mehr mit Fair Fashion auseinandersetzen möchte? 
Ein erster Schritt kann sein, sich zu fragen, wo Kleidung eigentlich herkommt und was Kleidung eigentlich ist. Baumwolle ist eine Pflanze und muss angebaut, gegossen und geerntet werden. So wird einem bewusst, was für einen weiten Weg ein T-Shirt gegangen ist und wie viel es eigentlich wert sein sollte. Wichtig ist auch, sich nicht so stark unter Druck zu setzen — vor allem am Anfang. Auch kleine Schritte sind erlaubt.

Faire Mode sollte …
öfter aus mindestens zweiter Hand kommen.

Jeanne, 23

Woher kommst du?
Aus den Niederlanden.

Was machst du?
Ich hab mein eigenes Geschäft, Zazi Vintage.

Trägst du faire Mode? Wenn ja, seit wann und warum?
Ja, zu 100 Prozent und dafür gibt es tausend Gründen. Für mich ist es immer sehr wichtig, dass Mode eine Geschichte hat. Vor ein paar Jahren war ich für ein Projekt in Südindien und habe gesehen, wie alles hergestellt wird. Als ich nach Berlin zurückgekommen bin — damals hab ich noch gemodelt — , war ich gebucht für eine sehr unethische Firma und hatte so ein schlechtes Gefühl dabei. Seitdem habe ich nur noch Vintage-Kleidung gekauft.

Den Fashion Revolution Day gibt es nun schon seit 4 Jahren. Was hat sich seitdem verändert?
Ich glaube schon, dass mehr Bewusstsein dafür aufgekommen ist. Das einzige Problem, das es noch bei ethischer Mode gibt, ist die Brücke zur Mode zu schlagen, deswegen habe ich auch mit meinem eigenen Geschäft begonnen, denn ethische Mode ist meistens nicht modisch genug.

Was kann jeder einzelne von uns, auch fernab dieser Woche, tun?
Wir sind auf einem guten Weg, aber es kann immer besser werden. Und du kannst selbst tagtäglich mit kleinen Entscheidungen etwas verändern.

Welchen Tipp würdest du jemandem geben, der sich mehr mit Fair Fashion auseinandersetzen möchte? 
Fang an, deinen eigenen Kleiderschrank zu recyclen, darüber zu lesen und dich mit anderen Frauen darüber zu connecten.

Faire Mode sollte …
die Norm sein.

Sydney, 25

Woher kommst du?
Hamburg.

Was machst du?
Ich baue gerade mein eigenes kleines Label auf und bin ansonsten als Künstler unterwegs.

Trägst du faire Mode? Wenn ja, seit wann und warum?
Alles, was ich gerade trage, ist mindestens 14 Jahre alt. Meine Hose trage ich zum Beispiel seit der Konfirmation [Lacht]. Ich mische gerne Kulturen und finde die heutige Mode auch einfach nicht ansprechend und sie beutet aus.

Den Fashion Revolution Day gibt es nun schon seit 4 Jahren. Hat hat sich seitdem etwas verändert?
Je mehr ich mich mit dem Thema befasse, desto mehr sehe ich, dass gerade eine Welle durch die Fashion-Industrie rollt und,  ich glaube, das wird nur noch größer und auf jeden Fall die Zukunft!

Was kann jeder einzelne von uns, auch fernab dieser Woche, tun?
Mal in den Kleiderschrank schauen und sich fragen, was das alles eigentlich ist, wo es herkommt, was du damit noch willst und wie du dich sonst noch über Kleidung definieren und ausdrücken kannst, die es nicht im normalen Fachgeschäft zu kaufen gibt.

Welchen Tipp würdest du jemandem geben, der sich mehr mit Fair Fashion auseinandersetzen möchte?
Man sollte bei sich selbst anfangen, kreativ werden und einfach ausprobieren, und sich trotzdem auf die Straße trauen, auch wenn es mal scheiße aussieht. 

Faire Mode sollte …
inspirieren.

Melissa, 22

Was machst du?
Ich studiere Modedesign.

Seit wann beschäftigst du dich mit dem Thema Faire Mode?
Seit ich angefangen habe, Modedesign zu studieren. Ich könnte mir vorstellen, das später mal zu machen.

Den Fashion Revolution Day gibt es seit vier Jahren. Was hat sich seitdem verändert?
Ich bin fest davon überzeugt, dass mittlerweile auch Menschen, die nicht hauptberuflich Mode machen oder sich intensiv damit beschäftigen, häufiger damit konfrontiert werden. Deshalb denke ich, dass die Awareness da ist — wie das zukünftig umgesetzt wird, liegt aber an uns.

Welchen Tipp würdest du jemandem geben, der sich mehr mit Fair Fashion auseinandersetzen möchte?
Es ist wichtig, sich erstmal mit den Materialien auseinanderzusetzen. Woraus besteht die Kleidung, die ich trage? Wie werden die Stoffe gewonnen? Was sind synthetische, was pflanzliche Stoffe? Wenn man sich da ein bisschen Wissen aufbaut, kann man schnell durchschauen, welche Kleidung als eco verkauft wird, obwohl daran nichts ökologisch ist.

Faire Mode sollte …
mehr produziert und mehr getragen werden.

Ariane, 32

Was machst du?
Ich bin Beraterin für Nachhaltige Mode.

Trägst du faire Mode? Wenn ja, seit wann und warum?
Ich habe vor zehn Jahren angefangen, schrittweise auf Faire Mode umzusteigen. Der Auslöser war mein Studium der Materiellen Kultur und Textil, weil ich dort sehr direkt mit den Arbeitsbedingungen von Textilarbeiterinnen konfrontiert wurde.

Den Fashion Revolution Day gibt es seit vier Jahren. Was hat sich seitdem verändert?
Ich habe das Gefühl, dass die Gesellschaft aufmerksamer wird, aber die Umstellung des Konsums in der Praxis noch nicht in der breiten Masse angekommen ist. Es finden immer wieder Unglücke statt und danach ist der Aufschrei sehr groß, das ebbt aber leider auch schnell wieder ab. Das Thema braucht noch viel mehr Lautstärke!

Welchen Tipp würdest du jemandem geben, der sich mehr mit Fair Fashion auseinandersetzen möchte?
Bei dem Thema muss man tatsächlich erstmal viel lesen. Um sich einen Überblick zu verschaffen, kann ich die Seite GetChanged empfehlen. Der nächste Schritt ist dann bewusster zu konsumieren und sich zwei Mal zu fragen: Brauche ich dieses Teil wirklich?

Faire Mode sollte ...
Spaß machen!

Alle Beiträge zur Fashion Revolution Week findest du hier.

Credits


Text: Catherina Kaiser & Juule Kay
Fotos: Britta Burger