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der i-D guide, um deine eigene partyreihe zu starten

Partyveranstalterin Hannah TW hat zusammen mit Freunden 2013 die Partyreihe Local ins Leben gerufen. Die intime Party, die immer wieder anders ist und an unterschiedlichen Orten wie Restaurants oder geheimen Lagerhäusern in London stattfindet, bringt...

von Hannah TW
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22 August 2016, 7:49am

Foto: Olivia Ford

1. Kündige nicht deinen Daytime-Job!
Wenn du kannst, dann behalte deinen normalen Job und sieh das Partyveranstalten nicht als deine alleinige Einkommensquelle. Idealerweise ist es ein Zuverdienst. So geht es nur um den Spaß an der Freude und wenn keiner zu den Partys kommt, bedeutet es nicht das Ende. Du hast dann auch nicht das Gefühl, deine Freunde nötigen zu müssen, zu der Party zu kommen. Mach immer weiter und sie werden freiwillig kommen! Ich war Marketingassistentin bei einem Musiklabel, als ich Local gestartet haben, und war gelangweilt von den immergleichen Promotexten. Ich war nie auf die Party angewiesen, um meine Miete zu bezahlen. Stattdessen haben meine Freunde und ich die Einnahmen investiert. Ab und zu haben wir uns neue Sneaker geleistet. Ich glaube, dass die Leute es spüren, dass der Spaß im Vordergrund steht und es keinen Druck gibt, mit einer Party kommerziell erfolgreich zu sein. So kannst du auch Risiken eingehen und die Acts buchen, die du hören willst, und nicht unbedingt die, die einen ganzen Club füllen können.

2. Nutze Marktlücken
Vor ein paar Jahren hatte ich das Gefühl, dass es nicht viele Orte gibt, die die Musik spielen, die ich hören möchte. Ich bin ständig mit Freunden aus Brixton in den Osten Londons gefahren. Es machte einfach keinen Sinn, weil es so viele Locations gab. Und außerdem leben so viele unserer Lieblings-Djs und -Produzenten hier: Actress, Micachu, Oneman, Bankhead und viele andere. Wir wollten das mit Local ändern.

Foto: Olivia Ford

3. Location: Fangt klein an!
Die so wichtige Location-Frage. Um es kurz zu machen: Fangt immer klein an. Wenn ihr etwas wirklich Gutes für dich und deine Freunde auf die Beine stellt, mit guter Musik, jenseits der schon ausgetrampelten Pfade, dann wird die Stimmung ansteckend sein und es werden immer mehr Leute kommen. Dafür muss man kein Genie sein. Es ist immer gut, wenn sich vorm Club eine Schlange bildet. Das zeigt, dass ihr etwas richtig macht. Wir haben in einem kleinen Keller angefangen (RIP Club 43), wo jeden Monat das Management gewechselt hat. Sie hatten vergessen, ihre EC-Lesegeräte zu laden, Harter Alkohol war noch einer Stunde alle und am Ende gab es sowieso nur noch warmes Bier. Danach sind wir in eine sehr merkwürdige Location in den Eisenbahnbrücken in Loughborough gezogen, die ein paar sehr anstrengenden Leute gehörte. Danach ging es in einen kongolesischen Nachtclub. Wir haben uns räumlich nur dann vergrößert, wenn wir es unbedingt mussten. Leider gibt es viele dieser Orte gar nicht mehr. In Brixton gibt es viele gut etablierte Clubs zum Raven (Jamn, Phonox, Dogstar oder Hootenannnys), aber nur wenige von den kleineren, etwas abgerockteren Locations, die so toll sind.

4. Location: Design
Über des Innendesign der Clubs mache ich mir viel Gedanken. Viele der neuen Clubs in London sehen wie Hotellobbys aus. Es sind große Räume, wo man jeden sofort sehen kann und keine zufälligen Entdeckungen macht. Ich fühle mich schnell unwohl in diesen Locations. Ich mag Orte, die verwinkelt sind. So vermeidet man die Leute, die nur am Rand rumstehen. Außerdem kann man in den Ecken gut flirten. Man hält sich in einen Club zwei bis fünf Stunden auf und Abwechslung ist wichtig, ob nun für eine Zigarette, Spaß auf den Toiletten, Tanzen oder Getränkenachschub. Das sorgt alles für Abwechslung und so wird es nie langweilig.

Foto: Olivia Ford

5. Einfach unbeschwert tanzen
Darum geht es für mich persönlich: Dass die Leute einfach drauf lostanzen und durchdrehen können. Das Booking ist dafür wichtig. Buche Leute, deren Geschmack du vertraust, und für die du selbst Eintritt bezahlen würdest, um sie live zu erleben. Das bringt uns zum Thema DJs.

6. Lass gute Musik auflegen (offensichtlich ein No-Brainer)
Buche bekannte und weniger bekannte DJs. Unterstütze noch nicht so große Namen. Wenn dir jemand bei der Gage entgegenkommt, vergiss das niemals! Frage ruhig auch ab und zu Leute an, die bekannt dafür sind auch ohne große Promotion mit Wissen ihres Agenten anonym auf Partys aufzulegen. Das sagt viel über den Glauben an deine Party und dein Publikum aus. Das zeigt einfach, dass du nicht daran interessiert, mit ihren Namen Geld zu machen und so verärgerst du auch nicht andere Promoter. Außerdem bist du so nicht nur auf die Agenten angewiesen. Habe Mut und vertraue deinem Geschmack. Gehe Risiken ein, wenn du es dir leisten kannst. Oft haben die DJs, die wir gebucht haben, ihre Freunde mitgebracht, die zum Schluss ein Mikro in der Hand hatten: Toddla T mit Shola Ama, Oneman mit Nyke und die Southside Allstars.

Foto: Tyrone Lebon

7. Buche nicht nur Männer.
Das meine ich ernst. Tue es einfach bitte nicht. Jedes weitere Wort darüber ist eine Platzverschwendung. 

8. Bombardiere die Leute nicht mit Promotion. Nutze Social Media intelligent.
Mundpropaganda wird dafür sorgen, dass deine Party wächst und eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten entsteht. Du musst nur Geduld haben. Wenn du Werbung machst, kann es dazu führen, dass es am Ende nur um das Line-up und Bekanntheitsgrad geht. Wenn du natürlich ein professioneller Promoter bist, dann macht Werbung Sinn. Die Bandbreite der Themen auf unserem Instagram-Account ist breit: Wir posten über Lokalpolitik, Geschichte oder Sachen, die uns einfach jenseits der Party wichtig sind. So sehen die Leute wer wir sind. Wir machen nichts weiter, als unsere Freunde zu fragen, ob sie eine Flyer erstellen. Dann laden wir unsere Freunde zu einem Facebook-Event ein und hoffen, dass die wiederum ihre Freunde einladen, weil sie mit denen zusammen feiern wollen. Bis jetzt hat es ganz gut funktioniert. Es ist immer gut, wenn du Leute aus anderen Kreisen zu deiner Party kommen, das sorgt für einen interessanten Vibe.

Foto: Tyrone Lebon 

9. Sei nett. Schaffe einen safe space.
Wir bemühen uns immer, verlorengegange Sachen ihren rechtmäßigen Inhabern wiederzugeben. Antworte auch auf Fragen nach den Zeiten, wann ein DJ auflegt. Es gibt auch keine besondere Einlassphilosophie, so entfällt der ganze Stress, sich Gedanken darüber zu machen, ob man reinkommt. Für mich ist einfach wichtig, dass jeder Gast eine gute Zeit haben kann, ohne Angst vor aggressivem Verhalten oder notgeilen Typen haben zu müssen.

10. Der Türsteher ist sehr wichtig und bezahle die Person anständig.
Du willst nicht die ganze Nacht damit verbringen, dir Gedanken über die Gästeliste machen zu müssen oder Panikattacken zu überstehen, weil die Person soundso aus soundso nicht reinkommt. Ich bin bei meinen eigenen Partys so angespannt, dass ich die ersten beiden Stunden kaum genießen kann, weil mich alles stresst. Aber dann legt sich ein Schalter um und ich kann mich entspannen. Ich schaue mich um und kann sagen: ‚Ja, das haben wir gut gemacht'.

Foto: Olivia Ford

@hannahteedub
@localbrixton

Credits


Text: Hannah TW

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