warum das thema knochenmarkspende auch für junge leute wichtig ist

Kim Kanert hat vor zwei Jahren begonnen, sich mit dem Thema Knochenmark- und Stammzellenspende auseinanderzusetzen. Ihre Erfahrungen setzt sie in ihren Fotografien um.

von Alexandra Bondi de Antoni
|
31 Oktober 2016, 2:25pm

Knochenmark- und Stammzellenspenden sind Themen, die für die meisten von uns wahrscheinlich sehr weit weg liegen, wenn sie nicht selbst betroffen sind oder jemanden kennen, der an Leukämie leidet. Natürlich ist das nicht ganz unverständlich, wenn man bedenkt, dass es so viele Themen zu geben scheint, die leichter zu verdauen sind als Krebs. „Ich bin immer noch erstaunt, wie viele junge Leute nichts über die Knochenmark- und Stammzellenspende wissen. Wir sind alle ständig damit beschäftigt, uns online auf der ganzen Welt zu connecten. Warum sich also nicht bei der DKMS registrieren? Es kostet einen nichts, es ist einfach, schnell und kann ein Leben retten", erklärt die Fotografin Kim Kanert, die mit ihren Bildern jungen Leuten das Thema und seine Wichtigkeit näherbringen will. Aufmerksam sind wir auf ihr Projekt durch das ASOS Supports Talent-Programm geworden. Das Modehaus hat es sich zur Aufgabe gemacht, junge Talente zu entdecken und zu fördern. Weil wir mehr wissen wollten, haben wir der jungen Fotografin ein paar Fragen gestellt und uns erklären lassen, warum sich junge Leute mehr mit dem Thema beschäftigen sollen. 

Kim Kanert x ASOS Supports Talent

Wie bist du zum Fotografieren gekommen? Kannst du dich an dein erstes Foto erinnern?
Ich habe ziemlich früh gemerkt, dass ich Lust aufs Fotografieren habe. Mit 13 hab ich die alte Nikon f-301 aus den 80ern von meinem Vater aus dem Keller herausgekramt. Mir gefiel es, den Film in die Kamera zu fummeln und beim Fotoladen um die Ecke entwickeln zu lassen. Meine ersten Fotos waren alle samt Fotos meines Hundes und diverse Schnappschüsse aus meinem Dachfenster heraus. Nichts Besonderes, aber damals Dinge, die ich jeden Tag um mich hatte. Danach war meine Kamera auf allen Reisen dabei, ich fing an, mein eigenes kleines Labor im Bad einzurichten, mir auf Ebay einen alten DDR-Vergrößerer zu kaufen und meine Fotos selbst zu entwickeln und vergrößern. Mir gefällt es, einfach nachts Stunden im Dunklen bei Musik mit Säure zu arbeiten. Man hat so viel mehr Möglichkeiten, wenn man alles selbst macht und sich selbst beibringt.

Ich muss gestehen, dass das Thema Knochenmarkspende für mich ziemlich weit weg liegt. Kannst du mir deine ersten Berührungspunkte mit der Thematik erzählen?
Ich hatte, um ehrlich zu sein, keinen Bezug zu Leukämie. Keiner aus meiner Familie war erkrankt oder aus meinem Freundeskreis. Ich habe mich vor zwei Jahren bei der DKMS registrieren lassen und immer mal wieder dran gedacht, ob es wohl jemanden gibt, dem ich helfen kann. Leider sind Themen wie diese für Menschen immer sehr weit weg, wenn sie einen nicht selbst betreffen.

Du bist Teil des ASOS Supports Talent-Programms. 
Ja, genau. Wir wurden nach London eingeladen und konnten uns dort alle untereinander austauschen und kennenlernen. Es war sehr interessant, zu sehen wie jeder mit seinem Projekt vorankommt, welche Ideen und Ziele jeder hat und so weiter. Zudem bekamen wir dort mehrere Vorträge von anderen Künstlern, die bereits Bücher publiziert, Projekte verwirklicht oder ein eigenes Unternehmen gegründet haben. Wahnsinn, wie viele neue Kontakte durch das ASOS Supports Talent-Programm entstanden sind. Wie viel Input man von allen Seiten bekommen hat und neue Ideen. Obwohl wir alle aus anderen Ecken der Welt kommen, streben wir irgendwie doch das Gleiche an: Einfach machen und an etwas arbeiten, was einem am Herzen liegt.

Wie kamst du auf die Idee, dieses Projekt in die Tat umzusetzen?
Ich wollte ein Projekt, hinter dem ich auch zu 100 Prozent stehe. Nichts Aufgezwungenes oder so. Mir gefällt das Projekt ASOS Supports Talent daher wirklich gut, da es einfach mein eigenes Projekt ist, bei dem ich meine ganze Energie, meine Lust am Fotografieren und dem Malen hineinstecken kann. Da ich vor einigen Monaten einem 29-jährigen Mann aus den USA, der an Leukämie leidet, Stammzellen gespendet habe, wusste ich, das muss ich Leuten näherbringen. Der Drang, all meinen Freunden davon zu erzählen, sie aufzuklären und zu ermutigen sich auch registrieren zu lassen, wurde immer größer.

Warum ist es wichtig, dass wir uns mit diesem Thema beschäftigen?
Wahnsinnig wichtig. Ich bin immer noch erstaunt, wie viele junge Leute nichts über die Knochenmark- und Stammzellenspende wissen. Wir alle sind ständig damit beschäftigt, uns online auf der ganzen Welt zu connecten. Warum sich also nicht bei der DKMS registrieren? Es kostet einen nichts, es ist einfach, schnell und kann ein Leben retten. Du triffst vielleicht auf deinen genetischen Zwilling, die Person, die du sonst nie kennengelernt hättest; die sonst nie deine Hilfe annehmen hätte können. Leider ist es ziemlich selten, dass man für einen Patienten als Spender infrage kommt. Deswegen ist es so wichtig, dass es immer mehr werden!

Wie hast du es geschafft, dass die Fotografierten dir vertrauen?
Das war überhaupt kein Problem. Ich fotografiere die drei unterschiedlichen Gruppen: Leute, die sich beim DKMS registriert haben; Leute, die dem DKMS Stammzellen gespendet haben; und Leute, die an Leukämie erkrankt sind oder besiegt haben. Alle waren sehr interessiert daran, ihre Gedanken und Gefühle mit mir zu teilen. Ich hab lange mit den anderen Spendern über ihre Spende gesprochen, wir haben uns ausgetauscht und mussten ziemlich lachen als wir gemerkt haben, dass eine Spenderin im selben Bett lag wie ich bei der Stammzellenentnahme in Köln. Die registrierten Protagonisten hatten viele Fragen an mich, und an meine Spende. Das Treffen mit Marisol, die an Leukämie erkrankt ist, hat mich wieder geerdet. Es ist der Wahnsinn, eine so junge Frau kennenzulernen, die offen mit ihrer Krankheit umgeht. Andere flippen aus, wenn ihr Handyakku Faxen macht, ist das nicht verrückt?!

Gibt es ein Erlebnis, an das du dich immer erinnern wirst?
Sehr viele. An die interessanten Gespräche mit den andere Talents, dem ASOS-Team sowie den Protagonisten. Für mich zählen neue Bekanntschaften immer am meisten. Das kann man mit nichts vergleichen. Die anderen inspirieren mich auf eine Art und ich wiederrum andere. Es ist ein Geben und Nehmen, man lernt immer was Neues.

Hast du etwas gelernt, als die Fotos entstanden sind?
Ich glaube, ich habe viel über mich selbst gelernt. Das, was ich will, und was nicht. Wofür ich eigentlich fotografieren will und aus welchen Gründen. Das Projekt hat einfach die perfekte Kombination aus Kunst, Fotografie und dem Näherbringen des Themas Blutkrebs. ASOS Supports Talent hat mir wahnsinnig viel Selbstbewusstsein gegeben. Ich habe irgendwann einfach gemerkt, dass das Projekt etwas bewirkt. Es haben mir viele Leute geschrieben, dass sie sich registriert haben. Und wenn es nur eine Person gewesen wäre, die ich dazu gebracht habe, dann hat es sich schon gelohnt.

Was sind deine Pläne für die Zukunft?
Erst mal den Bachelor machen. Neue Projekte angehen, und eventuell nach Hamburg ziehen. Ich plane nicht viel im Voraus, Dinge ergeben sich manchmal aus dem Zufall heraus. Auf jeden Fall weitermachen und nicht stehen bleiben.

Hier findest du mehr Informationen, wie du dich bei DKMS registrieren lassen kannst. 

kimkanert.com

Credits


Text: Alexandra Bondi de Antoni 
Fotos: Kim Kanert x ASOS Supports Talent

Tagged:
Kultur
Asos
kim karnet