das sind die jungen filmemacher, die 2016 durchgestartet sind

Wir stellen dir einige der besten neuen Namen des englischen Kinos vor - und verraten dir, warum du sie dir merken solltest.

von Princess Julia
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15 Dezember 2016, 11:20am

Susu Laroche, 28
Die britische Filmemacherin Susu Laroche ist eine Visionärin und stellt den Mensch in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Ihr klassisch-zeitgenössischer Blickwinkel hinterfragt das Hier und Jetzt und das ganz auf eine ganz subtile Art und Weise.

Warum machst du Filme?
Film hat mich schon immer fasziniert. Ich habe vorher fotografiert, da lag es irgendwie nahe.

Hast du Lieblingsthemen?
Action, Tragödie und das Böse.

Was sind deine bevorzugten filmischen Mittel?
16mm und 35mm.

Würdest du dich selbst als Romantikerin und Feministin bezeichnen?
Vielleicht nicht als Romantikerin, aber definitiv als Feministin. Vorurteile und Sexismus sind tief in unserer Gesellschaft verwurzelt. Die Menschen denken, dass sie die Krone der Schöpfung sind, dabei sind wir nur eine Spezies unter vielen.

Gibt es hinter deiner Arbeit eine Message? Und wenn ja, wie lautet sie?
Niemals zu viel. Exzess und Energie sind eine Bestätigung von Leben. Alles gleichzeitig.

Jenkin van Zyl, 23
Er hinterfragt alles mit einer gewissen Haltung und lebt jeden Tag so, als ob er selbst in einer seiner wilden Installationen lebt. Es ist unmöglich, seine Präsenz zu ignorieren. Seine Filme sind ein Ausdruck seiner Einstellung zur Existenz an sich.

Warum nehmen deine Filme eine so prominente Rolle in deinen Installationen ein?
Die Installationen entstehen direkt im Filmprozess. Ich benutze dafür Orte und sehe sie als eine Art Computerspiel-Landkarte, auf der man nach Schätzen suchen kann. Filmen ist wie das Wühlen im Schlamm. Erst kommt das Retten, dann das Mythologisieren, wie ein Avatar, der in einem Computerspiel an den Grenzen seiner bekannten Welt unterwegs ist.

Beeinflusst Social Media deine Arbeiten?
Nicht wirklich. Das Internet und damit auch die Art und Weise, wie Ausstellungen dadurch geteilt werden, definiert Erfolg eher als .jpeg anstatt nach der Bewegung oder dem Detail. Man kann sich dem schwerlich entziehen.

Gibt es hinter deiner Arbeit eine Message? Und wenn ja, wie lautet sie?
Meine letzte Filminstallation Escape from Fort Bravo hat damit angefangen, dass wir heimlich Filmaufnahmen in den verlassenen Western-Filmstudios in der spanischen Tabernas-Wüste gemacht haben. Die Studios werden von einem pensionierten Stuntmann bewacht. Wir Homos sind da also unerlaubterweise eingedrungen. Eine Woche haben wir im Sand gelebt, haben nur Latex-Jockstraps und angebrannte T-Shirts getragen und sind vor den wütenden Wachhunden und Clint-Eastwood-Geistern weggelaufen.

Was planst du für die Zukunft?
Ich arbeite gerade an einem Film über Vorarephilie und lerne Contour-Make-up..

Sam Stringer, 25
Sams Arbeiten lösen sich von oberflächlichen Erzählstrukturen und zeigen die manchmal komischen, aber immer durchaus faszinierenden Subtexte darunter.

Was inspiriert dich?
Britische Folklore, tote Videoformate und Oliver Reed.

Erzähl uns mehr über deinen Hintergrund.
Ich komme aus der Malerei. Ich liebe die Textur, die man durch das Malen erreicht. Dadurch wurde Textur ein integraler Bestandteil meiner Filme.

Woran arbeitest du im Moment?
Ich bin gerade auf der Suche nach Geldgebern für mein aktuelles Projekt: eine Erkundung der Femme fatale.

Wie würdest du deine Arbeiten beschreiben?
Ich erzähle gerne Geschichten über die Freaks nebenan. Der überwiegende Teil meiner Arbeiten sind Nahaufnahmen, also sehr voyeuristisch, wie Homevideos. Ich mag es, die dreckige Seite unserer ach so sauberen und sterilen Gesellschaft zu zeigen.

Auf welcher Plattform sollen deine Filme zu sehen sein?
Online, als ein Relikt der Vergangenheit. Ich poste meine Videos gerne auf Websiten und schaue fremden Leuten dabei zu, wie sie darauf reagieren und hinterfrage deren Legitimität.

Harriet Scott, 22
Wenn man Harriet Scotts Vision mit einem Wort beschreiben müsste, dann wäre das Konfrontation. Mit Spielfilmen und Animationen hinterfragt sie weibliche Geschlechterrollen.

Warum arbeitest du mit Animationen?
Ich habe schon immer gerne gezeichnet. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, genauso gehe ich meine Filme an: als eine leere Leinwand, auf der man seine eigenen Kreationen verwirklichen kann. Die Illustrationen verwende ich in meinen Filmen, um eine andere Dimension zu schaffen und das Narrative im Film zu unterstützen.

Wie haben sich deine Arbeiten entwickelt?
Ich arbeite im Moment mehr in Richtung Fotografie und Print, Film läuft so im Hintergrund weiter. Ich möchte an Projekten mitarbeiten, die ich spannend finde, ob das nun Film, Performance oder Zines sind. Das Unbekannte interessiert mich.

Gibt es hinter deiner Arbeit eine Message? Und wenn ja, wie lautet sie?
Hoffentlich interessieren und stimulieren sie die Zuschauer. Meine Arbeiten sollen die Verwirrung über den Aufbau davon widerspiegeln. Sie sollen das Leben feiern und sie sind der Versuch, das Pessimistische mit dem Positiven auszubalancieren.

Was bedeutet Kollaboration für dich?
Das ist mir unglaublich wichtig. Eine Zeitlang war ich dickköpfig und habe gedacht, dass das meine Ideen und Kreationen untergraben würde. Aber jetzt stimulieren und inspirieren sie mich.

Alexandros Pissourios, 34
Alexandors' Filme haben etwas Verträumtes. In seiner Vision verschmelzen Details mit der Landschaft.

Welche Themen interessieren dich?
Statt Themen interessieren mich Szenen mit poetischer Qualität. Ein Thema ist immer eine Ausrede, um über etwas anderes zu reden.

Was fasziniert dich?
Der Impuls eine Bilderwelt zu finden. Wenn diese Welt schön und pervers ist, ist mein Tag gerettet.

Seit wann machst du Filme?
Seit meinem zwölften Lebensjahr. Ich erinnere mich noch daran, dass ich mein Familienleben dokumentiert habe, also Familiengeburtstage, den Hausputz und mein Zimmer. Das erste Video, das ich auf einer Ausstellung gezeigt habe, war ein Zusammenschnitt davon.

Deine Videos mit dem Performance-Künstler A Man to Pet sind legendär. Was findest du so spannend an dieser Kollaboration?
Mich interessiert das Absurde und durch diese Kollaboration kann ich es umsetzen. Mit A Man to Pet erkunden wir die Dinge, die wir lustig finden. Das ist unser Hollywood aus nichts. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es sinnlos erscheint.

Was hast du für 2017 geplant?
Ich arbeite als Cutter mit Alasdair McLellan an seinen Projekten. Durch seine Arbeiten lerne ich neue Dinge kennen. Neben Kollaborationen und kommerziellen Aufträgen möchte ich 2017 meine eigenen Kuriositäten entwickeln. Ich habe in den letzten Jahren viel gefilmt, das Material ist auf vielen Festplatten. Ich möchte daraus gerne eine Installation entwickeln. Aber bin mir über das das genaue Format noch nicht sicher.

Shama Osbourne, 32
Sie ist eine wahre Heldin in der Filmlandschaft: spontan, lustig und mit einem Auge fürs Detail.

Erzähle uns mehr über dich.
Ich habe in Neuseeland Kunst studiert und bin 2010 nach London gezogen.

Du arbeitest in vielen Bereichen, von Reportage bis zu persönlichen Videos. Woran arbeitest du am liebsten?
Die Projekte machen nur Spaß, wenn ich mich darauf freue, etwas damit zu kommunizieren. Und wenn ich etwas kommuniziere, dann lerne und fordere ich mich selbst heraus. Das Gefühl ist unschlagbar.

Was planst du für die Zukunft?
Ich kann noch nichts Genaues verraten, aber ich habe viel mit Leuten zusammengearbeitet, die mir wichtig sind.

Was würdest du angehenden Filmemachern raten?
Lasst euch nicht einschüchtern. Fangt einfach Bewegtbilder ein, zeigt, was für euch wichtig ist und sich für euch gut anfühlt und behaltet das so lange bei, wie ihr könnt.

Robert Fox, 23
Kompromisslos und auf dem besten Weg, Kult zu werden. Die Visuals von Robert Fox überzeugen durch surrealistische Details.

Wie bist du zum Film gekommen?
Ich wollte dadurch eine Botschaft vermitteln. Ich habe etwas geschrieben und das musste auf die effektivste Art und Weise an die Öffentlichkeit. Es musste also auch so direkt wie möglich sein.

Was liegt deiner Vision zugrunde?
Meine Filme sollen meine Botschaft unterstützen, aber sie haben natürlich auch ihre eigene Sprache, sie ist fließend.

Was sind deine Ziele?
Ich möchte Kreativchef bei Emirates Airlines werden.

Wie würdest du deine Arbeit beschreiben?
Eine Provokation an den öffentlichen Dienst, mit einer Prise Salz und einem makellosen Finish.

Wie spiegelt sich die Gesellschaft in deinen Filmen wider?
Wie der Spiegel, in den ich jeden Morgen schaue. Eine kalte, glänzende Oberfläche, bei der man das Gefühl nicht los wird, dass einen jemand anschaut.

Credits


Text: Princess Julia

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