warum die neuen barbies so wichtig sind

Wir blicken zurück auf die Vergangenheit der berühmten Puppe und fragen uns, wieso die neuen Barbies mit realistischeren Körpertypen so wichtig sind.

von Morwenna Jones
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02 Februar 2016, 3:30pm

Sie hat „den bekanntesten Körper der Welt". Wäre Barbie eine echte Frau, würde sie 1,75 Meter messen, würde nicht mal 50 Kilogramm wiegen und einen Taillenumfang von 41 Zentimetern, einen Hüftumfang von 74 Zentimetern und einen Brustumfang von 82 Zentimetern haben. Ihr würden außerdem die 17 Prozent Körperfett fehlen, die für die monatliche Menstruation nötig sind. Sie müsste auf allen Vieren kriechen, weil ihre Knöchel nicht ihren Körper halten könnten. Ihr Kopf wäre größer als ihre Taille und das wäre so unproportioniert, dass sie ohne einige lebenswichtige Organe leben müsste. Sie hätte nur eine Halbe Leber und einen verkleinerten Darm.

Ich spreche natürlich von Barbie, der berühmtesten Puppe der Welt. In ihrer 57-jährigen Karriere hat sie in 34 Filmen mitgespielt, war sie Gegenstand der weltweiten Hitsingle „Barbie Girl" von Aqua und ist sie berühmt für das Franchise aus Videospielen, Magazinen und Mode geworden. Jetzt unterzog sie sich dem größten Makeover in ihrer Geschichte.

Letzte Woche gab der Spielzeughersteller Mattel bekannt, dass er neue Barbie-Puppen mit „großen, kurvigen und petite" Körpertypen herausbringen wird. Außerdem wird es Puppen mit unterschiedlichen Hautfarben, Augenfarben und Frisuren geben. Die „Barbie Fashionistas"-Reihe wird 33 neue Puppen, 30 verschiedene Haarfarben, 24 Frisuren, 22 Augenfarben, 14 unterschiedliche Gesichtstypen, sieben Hautfarben und vier Figurtypen umfassen. Der vierte Figurtyp ist—neben den genannten drei—die klassische Silhouette.

Die Verkäufe der Barbie-Puppen befinden sich seit zwei Jahren im freien Fall. Das Gesicht und den Körper einer Puppe, die in den Kinderzimmern von 92 Prozent der 3- bis 12-Jährigen in Amerika liegt, zu verändern, ist zwar ein mutig wirkender Schritt für das Unternehmen, spricht aber auch von Verzweiflung. Wir leben in einer Zeit, in der bewusster mit der Repräsentation des weiblichen Körpers umgegangen wird. Weiblichkeit hängt nämlich nicht davon ab, ob eine Frau eine Wespentaille hat oder nicht. Doch dafür stand die immergleiche Figur der Barbie-Puppe. Das hatte enorme Auswirkungen auf die junge Barbie-Zielgruppe.

Über fast sechs Generationen hinweg hat Barbie den Kindern ein Bild vermittelt, wonach Frauen eine bestimmte Figur haben müssen und dass diese Figur besser ist als die anderen. 1963 wurde sogar die sogenannte Slumber Party Barbie verkauft, die es im Set mit einer Waage, die konstant 50 Kilogramm anzeigte, und ihrem eigenen Diätbuch mit dem Titel Wie du abnimmst gab. Der einfache Ratschlag damals: „Nicht essen!".

So archaisch wie dieser Ratschlag auch erscheinen mag, 40 Jahre später und laut einer Studie in Wissenschaftsjournal Development Psychology vermittelt Barbie jungen Mädchen immer noch ein Gefühl der Unzulänglichkeit. Die Studie kam zu dem Schluss, dass Mädchen, die schon im jungen Alter mit Barbies spielen, sich mehr Gedanken über Körpergewicht machen als Mädchen, die mit anderen Puppen spielten. Das sind Ergebnisse, die kaum überraschen.

Ich kann mich noch an ein Mädchen aus der sechsten Klasse erinnern, die einen Becher mit dem Spruch „I just want to be like Barbie ... That Bitch has everything" hatte. Und das stimmte. Im Laufe der Jahre hatte Barbie ein Flugzeug, einen Zug, ein Strandhaus, ein Luxus-Ski-Chalet, mehr Cabrios, als sie jemals hätte fahren können, und natürlich Ken: diesen hübschen, fiktionalen Freund, der von Olympia-Gewinner bis zum Pizzalieferanten alles war.

Was noch schlimmer ist: die alten Puppen haben die Vorstellung genährt, dass Dünn- und Schön-Sein gleichbedeutend mit „Alles zu haben" sind und dass Schönheit und Mode die wichtigsten Dinge sind, über die sich ein Mädchen Gedanken machen kann.

„Hello Barbie"-Puppen haben Sprüche wie „Mathe ist so schwer", „Lasst uns unsere Traumhochzeit planen" vom Stapel gelassen. Die aktuellste „Hello Barbie"-Puppe vom September letzten Jahres redet von „In der Schule kann viel über Outfits und Mode erfahren" und „Hey, wollen wir über Mode reden?". Über mehr kann man als Mädchen im Jahr 2015 auch nicht sprechen.

Es überrascht daher kaum, dass Barbie mit ihrem berühmtesten Spruch (dem Slogan von 1984 „We Girl can do anything") und Mattel in die Kritik gerieten, als Barbie zu einem Symbol der Emanzipation erklärt wurde. Deprimierend dabei war, dass Barbie vorher wirklich ein Symbol für die Emanzipation der Frau war. 1963 war sie eine Karrierefrau, 1965 eine Astronautin und 1973 eine Chirurgin, und das zu einer Zeit, in der nur 9 Prozent der Ärzte Frauen waren.

Der Barbie-CEO Richard Dickson sprach damals davon, dass „Barbie zu einer Zeit Karriere machte, als Frauen nur Hausfrauen waren". Wenn du heute eine „Ich wäre gern"-Puppe kaufen willst, hast du die Auswahl zwischen Plätzchenbäckerin, Popstar und Krankenschwester.

Zum ersten Mal können Kinder realistischere Darstellungen von weiblicher Schönheit, Frau-Sein und weiblichen Körpern erhalten; Körper und Charaktere, mit denen sich Mädchen identifizieren können. „Wir glauben, dass wir gegenüber den Mädchen und Eltern in der Pflicht stehen, eine breiteres Verständnis von Schönheit zu vermitteln", sagte Evelyn Mazzocco von Mattel. „Barbie hat Mädchen schon immer die Wahl gelassen—von Karrieren, über inspirierende Rollenvorbilder bis hin zu unzähligen Moden und Accessoires. Wir freuen uns darauf, dass wir wortwörtlich das Gesicht der Marke verändern. Diese Puppen der neuen Linie bilden die Welt ab, in der sich die Mädchen bewegen. Durch die Auswahl an unterschiedlichen Körpertypen, Hautfarben und Styles haben die Mädchen die Möglichkeit, die Puppe auszusuchen, die sie am meisten anspricht".

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Text: Morwenna Jones
Foto: Mattel

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