FELPA GOSHA RUBCHINSKIY. PANTALONI ALLSAINTS.

der it-boy: finn wolfhard

Als Mike Wheeler in “Stranger Things“ hat er unsere Herzen erobert, diesen Herbst wird er in der Neuverfilmung von Stephen Kings Horrorfilm “Es“ die Leinwand erobern. Wir stellen dir den fantastischen Finn Wolfhard ein wenig genauer vor.

von Jack Sunnucks; Übersetzt von Michael Sader
|
18 August 2017, 10:52am

FELPA GOSHA RUBCHINSKIY. PANTALONI ALLSAINTS.

Dieser Artikel erschien zuerst in unserer The Acting Up Issue, no. 349, 2017.

Die größte Sorge der meisten 14-Jährigen ist der nächste Mathetest. Finn Wolfhard gehört nicht dazu. Er hat bereits in einigen der gruseligsten Szenarien mitgespielt wie in der Netflix-Serie Stranger Things, in der er zusammen mit Millie Bobby Brown und anderen Tweens gegen außerirdische Kreaturen und böse Wissenschaftler kämpft. Seine Tour de Force aus Monstern, Nostalgie und 80er-Mode geht im September weiter: Finn spielt in der Neuverfilmung von Stephen Kings Clown-Saga Es eine der Hauptrollen.


Auch auf i-D: Model Natalie Westling über die etwas andere Etikette


Das schaurig-schöne Filmplakat allein dürfte für Angst und Schrecken sorgen. Der Original-Fernsehfilm von 1990 mit Tim Curry in der Rolle des Clowns Pennywise hat Generationen von Kindern verstört. Der neue Film steht dem in nichts nach. Dieses Mal spielt Bill Skarsgård den bekanntesten Clown der Popkultur. Ob Finn selbst Angst hat, wenn er diese Szenen dreht? "Der Dreh eines Horrorfilms kann definitiv manchmal gruselig sein", sagt uns der kanadische Schauspieler mit ernster Miene.

Finn trägt ein Vintage-Sweatshirt von billy. Kette (durchweg): Stylist's own.

In Es geht es um eine Gruppe schwieriger Kinder, die sich selbst als Losers' Club bezeichnen und den Clown Pennywise besiegen wollen. Der Verlierer-Club besteht aus sieben Mitgliedern, dessen Eigenarten stärker sind als das dämonische Monster, das sie töten will. Die Neuverfilmung lehnt sich stärker an Stephen Kings Romanvorlage aus dem Jahr 1986 an als an der Fernsehfilm. "Ich spiele Ritchie, der gerne Scheiß redet", sagt Finn. "Er glaubt, dass er unglaublich witzig ist, mit dieser Meinung steht er aber alleine da. Dass er so viel redet, ist sein Schutzmechanismus."

Dem argentinischen Regisseur Andrés Muschietti war es wichtig, dass der Club der Loser aus wirklichen Freunden besteht. Also hing der Cast vor den Dreharbeiten zwei Wochen lang jeden Tag miteinander ab, damit sich die Schauspieler kennenlernen konnten. "Wir haben insgesamt dreieinhalb Monate Zeit miteinander verbracht", erklärt Finn. "Und hatten Sleepover bei Wyatt. Das hat sich wie ein großes Sommercamp angefühlt."

Pullover: Gosha Rubchinskiy. Hose: All Saints. Gürtel (durchweg): Stylist's own. Socken (durchweg): Haynes. Sneaker (durchweg): Golden Goose

Es ist genauso wie S tranger Things wunderbar nostalgisch. Es wird viel Fahrrad gefahren, die Kids kommen durch die Küchentür in die Häuser und es wird viel Mikrowellen-Essen gegessen. Natürlich gibt es auch viele übernatürliche Horrorgestalten, die als Hauptgericht wiederum gerne Kind essen. "Heutzutage ist jeder so auf sein Smartphone fixiert", sagt Finn. "Das ist einfach Teil unserer Kultur geworden. In den 80ern war das nicht so. Es gab viel mehr Zeit für Abenteuer."

Für jemanden, der schon sehr früh mit der Schauspielerei angefangen hat (im zarten Alter von acht Jahren), ist Finn erstaunlich normal geblieben. Er führt seine Bodenhaftung darauf zurück, dass seine Familie nie nach Los Angeles gezogen ist, im Gegensatz zu vielen anderen Kinderschauspieler-Familien. Finns Familie lebt 1600 Kilometer weiter nördlich in Vancouver. "Ich glaube schon", antwortet Finn auf die Frage, ob die kanadische Küstenmetropole ihn auf dem Boden der Tatsachen hält. "Es hängt immer davon ab, in welchem Viertel du lebst, wen du kennst und wer deine Freunde sind." Aber auch seine Leidenschaft für Musik macht den Jungen unglaublich sympathisch. Finn spielt selbst Gitarre. Am bekanntesten ist sein Cover des Nirvana-Songs "Lithium", dessen Video online für viel Aufmerksamkeit gesorgt hat. "Das Gitarre spielen entspannt mich", sagt er. Sein Musikgeschmack ist übrigens genauso cool wie er selbst. Neben seiner absoluten Nummer eins – den Beatles – zählt er Mac DeMarco, Twin Peaks, Phoenix, White Reaper und Post Animal zu seinen Lieblingsbands.

Vintage-Sweatshirt von Billy. Jeans: All Saints.

Finn hat seit Stranger Things über 1,3 Millionen Follower bei Instagram, die in den Kommentaren für wilde Fantheorien, Video-Requests und allgemeine Vorfreude auf die zweite Staffel Stranger Things nie für Langeweile sorgen. "Das Publikum freut sich mindestens, wenn nicht sogar noch mehr, auf die zweite Staffel des amerikanischen Filmemacher-Duos The Duffer Brothers, die pünktlich zu Halloween bei Netflix erscheint. "Auch wenn die Leute glauben, dass die neue Staffel dem Hype nicht gerecht wird, sie wird es. Es sind dieselben Charaktere. Sie finden mehr über das Böse heraus und haben mehr Abenteuer."

Vintage-T-Shirt von What goes around comes around LA. Hose: Gucci. Unterwäsche: American Eagle Outfitters. Cap: Stüssy.

Die große Online-Fangemeinde liebt es, darüber zu diskutieren, woher die Monster – und Eleven – eigentlich herkommen. Die hitzigen Debatten waren für Finn aber eine gute Schule für den Trubel, den die Bekanntgabe des Es-Remakes ausgelöst hat. "Ich wusste, dass das passieren würde", sagt er über die PR-Welle, die danach über ihn hereinbrach. "Als klar war, dass wir es drehen, sind die Leute durchgedreht." Aus gutem Grund. Das Remake ist anders als die frühere Version. Regisseur Andrés Muschietti geht es in seinem Film um die Fragen: Was bedeutet Kindheit überhaupt? Bereitet uns Unschuld besser darauf vor, mit Tragödien umzugehen? Oder ist es besser, sich an Tragödien gewöhnt zu haben? Und wie schwierig ist es, mutig zu sein? All die Kinder in Es sind menschlich: Sie haben zwar Fehler wie jeder von uns, aber sie sind auch mutig. Im Gegensatz zu ihren 80er-Kollegen aus den Goonies. "Wir drehen einen ganz anderen Film. In der Neuverfilmung wird es um Freundschaft und zwischenmenschliche Beziehungen gehen", sagt uns Finn. "Und Stephen King liebt ihn", sagt er triumphierend.

Vintage-T-Shirt von Billy. Hose: All Saints.

Es ist ein toller Film, nicht nur wegen der Visual Effects und dem Grusel-Faktor, sondern weil er eben auch den echten Horror zeigt, dem Kinder ausgesetzt sind: Mobbing, Missbrauch und fehlende Perspektiven. Finn zögert bei der Frage, was ihn in der realen Welt Angst macht. "Die Standardantworten, nehme ich an", sagt er schließlich. "Rassismus, Klischees, Sexismus und Homophobie. All diese Probleme existieren nach wie vor. Das Coole an drei Millionen Follower auf Twitter ist, dass ich die Macht habe, den Leuten zu zeigen, dass es echte Probleme auf der Welt gibt und wie sie helfen können. Geht auf Demos und unterstützt Petitionen! Diese Macht zu haben, ist cool." Zwar ist es nett, cool zu sein, aber noch viel cooler ist es, nett zu sein. "Ich weiß nicht, ob ich schon ein Vorbild bin, weil ich noch nicht so alt bin", sagt Finn zum Abschluss. "Aber es ist schön, dass andere Kids mich als Vorbild sehen." Finn Wolfhard ist mit seiner Menschlichkeit und seiner Coolness der Held, den wir gerade brauchen. Und wenn er älter ist, wird er womöglich auch gegen das wirklich Böse in der realen Welt ankämpfen. Nachdem er natürlich zuerst die große Leinwand erobert hat!

Vintage-Pullover von Billy. Jeans: All Saints.
Hemd und Hose: All Saints. T-Shirt: Billy. Cap: Stüssy.
Hoodie: Stüssy. T-Shirt und Hose: All Saints.

"Es" läuft ab dem 28. September in den deutschen Kinos.

Credits



Fotos: Matteo Montanari
Styling: Celestine Cooney
Grooming: Ramsel Martinez / Lowe & Co verwendet R+Co.
Styling Prop: Brynn Bowen / Streeters.
Fotoassistenz: Leonardo Ventura, Greg Granaghan und Angelo Sgambati.
Digitaltechnik: Clay Rasmussen / Milk Studios.
Stylingassistenz: Jordan Wright.
Produktion: Fox und Leopard.
Retouching: Postmen.