Das sind die neuen Kreativen aus L.A.

Die Stadt ist zu einem Hub für eine neue Generation von Skateboardern, Aktivisten, Schauspielern und Autoren geworden. Der Fotograf Dexter Navy hat für uns die Kids in Szene gesetzt, die der Stadt gerade ihren eigenen Stempel aufdrücken.

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07 September 2017, 8:21am

Dieser Artikel erschien zuerst in unserer The Acting Up Issue, no. 349, 2017.

Text: Hattie Collins

Fig Abner
"Venice Beach wird gerade gentrifiziert. Das war wohl unvermeidlich, weil der Ort so eine lange Geschichte und reiche Kultur hat. Aber er wird auch immer unerschwinglicher, weil die Mieten steigen und die Bevölkerung immer weißer wird. Das macht mich traurig, weil ich weiß, dass meine Kinder nicht mehr das Venice von mir und meinen Freunden kennenlernen werden." Zwar kann Fig nichts gegen die Veränderung ihrer Heimat machen, aber die in Venice Beach geborene Kreative kann ihren Gefühlen künstlerisch freien Lauf lassen. Wir werden sie nächstes Jahr im Regiedebüt von Jonah Hill, Mid-90s, sehen.


Auch auf i-D: Wir haben Paloma Elsesser getroffen


Schauspielen ist aber nicht ihre einzige Stärke: sie ist auch ein musikalisches Powerhouse. Auch wenn Fig noch jung ist, nutzt sie ihre Plattform, sowohl offline als auch online. "Ich nutze Social Media, um mich zu kontroversen Themen wie kulturelle Aneignung, systemimmanenten Rassismus und Armut zu äußern. Ich begrenze meine Online-Aktivismus aber auf ein Minimum, weil ich Taten wichtiger finde, als auf Instagram rumzumeckern und im Bett zu liegen."

Text: Matthew Whitehouse

GAZI GHOST
GAZI GHOST hat nichts Gespenstisches. Ganz im Gegenteil: der Kollaborateur von A.CHAL ist genauso chillig wie der peruanische Sänger. Das "GAZI"-Kollektiv ist eine Plattform, ein Geisteszustand und eine Einstellung ("ein Latino-Beach-Boy in Malibu", wie es CHAL mal formuliert hat). Bislang hat GAZI eine Modelinie gestartet, die GAZI-Ästhetik entwickelt und war in der Kampagne zur GUESS Originals x A$AP Rocky Kollaboration zu sehen. Was bleibt da noch übrig? "Heute geht es nur um Geld und Macht", sagt er. "Die würde ich abschaffen." Das ist GAZI.

Text: Hattie Collins

Steve Lacy
Der 18-jährige Steve Lacy braucht nicht viel im Leben: ein iPhone 7, einen iRig-Adapter, ein Mikrofon, ein bisschen Funk, Jazz und das reicht ihm. Er verbindet neueste Technologien mit seinem Talent und hat bereits einige beeindruckende Dinge vorzuweisen: Da wäre sein 13-minütiges Soundcloud-Debüt Steve Lacy's Demo. Für DAMN von Kendrick Lamar hat er Pride geschrieben und 2014 The Internet bei ihrem dritten Album Ego Death geholfen, für dass das Kollektiv aus L.A. auch gleich für den Grammy nominiert wurde. Mit 14 ist er in die Jazz-Band seiner Schule eingetreten und hätte mit 17 bereits schon fast ein Grammy gewonnen: Die unangestrengten Soul-Sounds von Steve sind ein wahres Wunder.

Text: Matthew Whitehouse

Vince Staples
Vincent Jamal Staples wollte eigentlich nie viel. Als Kind in seinem Heimatort Long Beach hat er viel an Basketball gedacht. Aber dass er später mal ein professioneller Rapper sein wird? Niemals. "Ich hatte einfach mehr Sorgen als andere." Heute ist der mittlerweile 24-Jährige zufrieden, so wie er ist. Auf seinem neuesten Album Big Fish Theory sind Kendrick Lamar, Ty Dolla $ign und A$AP Rocky vertreten. Nach der Veröffentlichung stieg es direkt in die Billboard Top 20 ein. "Ich mache gerade einen guten Job. Mir könnte es schlechter gehen. Ich bin gerade erfolgreich und trotzdem bin ich ich selbst geblieben." Für Vince ist das "ziemlich normal". "Letzten Endes sind es nur Songs, es geht nicht um Leben oder Tod", erklärt er. "Das nimmt mir viel Druck, weil ich weiß, dass egal, was ich tue, ich morgen weiterleben werde. Ich denke mir dann: 'Lasst uns einfach Musik machen, ist doch eh egal'".

Kali Uchi
Aufgewachsen ist Kali Uchis in Kolumbien und in Virginia. Mit 19 hat sie in ihrem Zimmer angefangen, Musik zu machen, ist mit 21 nach Los Angeles gezogen und bringt jetzt mit 23 ihr Debütalbum heraus. "Jeder in L.A. möchte ein Star werden. Manchmal willst du einfach nur mit einem normalen Menschen reden, der keinen Hintergedanken dabei hat, wenn er dich trifft", sagt sie über ihre neue Heimat. "Ich hatte nichts und kannte hier niemanden. Keiner aus meiner Familie hat einen musikalischen oder künstlerischen Hintergrund." Ihr Sound und ihr Style sind entspannter Old-School-HipHop mit puertorikanischen Pop. Sie hat bereits mit Snoop, Vince Staples und Tyler, the Creator (auf dessen neuen Album Flower Boy sie auch zu hören ist) zusammengearbeitet. Ihre LP verspricht eine eklektische Sammlung aus Neuem und Altem zu werden: mit dabei sind Funk-Legende Bootsy Collins, Damon Albarn, Thundercat, Tame Impala, Steve Lacy und Jorja Smith. Die Lead-Single Tyrant ist ein postapokalpytischer Lovesong. Auf ihrem Album geht es darum, mit den verschiedenen Kämpfen im Leben klarzukommen: Liebe finden, Liebe verlieren, einfach alles." Ihre Musik ist wie ein offenes Tagebuch — ehrlich, verzaubernd und verdammt lustig. "Ich stelle mir vor, dass Quentin Tarantino irgendwann meine Musik für seine Filme benutzt", verrät sie. "Wenn er einen neuen Scarface dreht oder so."

Text: Frankie

Liana Perlich
Zu Lianas Favoriten gehören Alicia Keys, kleine Hunde, Selfies und ihre beste Freundin Ama Elsesser. Sie engagiert sich dafür, dass es weniger Ungerechtigkeit auf der Welt gibt. In einer Kultur, in der Likes entscheiden sind, weiß Liana worauf es wirklich ankommt: auf dem Boden zu bleiben. "Ich möchte, dass sich die Leute mehr für ihre Umgebung interessieren, anstatt immer nur auf ihren Handy-Bildschirm zu schauen", sagt sie. "Wir sollten unsere Mitmenschen mit ehrlich gemeinten Worten ermutigen. Man merkt schnell, ob sich jemand auf den sozialen Plattformen wirklich engagiert oder nur so tut und einfach aufmerksamsgeil ist."

Text: Hattie

Evan Clark
Wir sind das erste Mal auf den Auto-Enthusiasten Evan Clark aufmerksam geworden, als ihn Frank Ocean in seinem Zine Boys Don't Cry gefeatured hat. Er ist der Typ, der die BMWs von Frank repariert. Der Mechaniker Schrägstrich junge Rennfahrer war auch neben Sage Elsesser, Nakel Smith und Brahim Iriri Teil des Interviews mit Franks Bruder Ryan Breux am Ende von Blond(e)'s Futura Free. Frankies Fans haben nach dem Release der beiden Werke die Beteiligten zu Stars gemacht. Da ist es nicht ganz ironiefrei, dass das Internet zu seinen größten Sorgen gehört: "Weniger Internet, mehr Picknicke", ist einer seiner Vorschläge, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Und: "Wenn wir endlich begreifen, dass Frauen Superheldinnen sind." Amen, Evan! Auch wenn er großen Online-Fame besitzt, interessiert ihn Instagram nicht wirklich. Ihm bedeuten seine Freunde mehr: "Ich möchte auf die aufpassen, die mir wichtig sind".

Text: Frankie

Ama Elsesser
Ama lebt in Los Angeles und ist Model, Künstlerin, Aktivistin und Instagram-Star. Sie ist wie die beste Freundin, die dir unaufgefordert gute Ratschläge gibt, genau dann, wenn du sie brauchst und dabei die Sorgen und Nöte deines Leben im Jahr 2017 kennt: "Instagram und das Internet sind wie Ex-Freundinnen. Du fütterst sie mit persönlichen Infos, nur damit sie später öffentlich werden. Du solltest nicht mehr als Fake-Komplimente von ihnen erwarten." Doch trotz des ganzen Drucks gibt ihr Essen, die Familie und Weed Halt. Sie träumt davon, eines Tages Menschen aller Ethnien und aus allen Schichten zusammenzubringen und Vorurteile ein für alle Mal loszuwerden — und App-Updates.

Text: Matthew

Olan Prenatt
Aufgewachsen ist Olan Prenatt nahe einer Autobahn in Venice. Er hat den Strand gegen das Board eingetauscht, als das noch größer war als er. Entweder findest du das Mitglied von Illegal Civilization, eine Skateboard-Crew aus L.A., mit seinen feuerroten Jordans im Stoner Park oder er schaut sich seine Lieblings-90er-Sitcom Martin an. Er zählt Vetements und Mr. Completely zu seinen Lieblingsmarken und seine Style-Ikone ist Braydon Szafranski. Olan ist Teil einer neuen Generation von Skateboardern, die alles erreichen können. "Ich möchte für Veränderungen sorgen. Ich fange bei mir selbst an und verhalte mich so, wie ich es von anderen erwarte", so Olan.