#Girlgaze: Fotografie für Frauen, von Frauen

Amanda de Cadenet hat nicht nur das Projekt Girlgaze gegründet, sondern arbeitet auch an einem neuen Bildband, in dem Aufnahmen von Fotografinnen aus der ganzen Welt versammelt sind. Wir haben sie zum Interview getroffen.

von Tish Weinstock
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17 August 2017, 11:14am

Vor 18 Monaten eroberte Girlgaze das Internet – ein Instagram-Account, der mit seinen authentischen und ehrlichen Fotografien einen facettenreichen Blick auf die Welt durch die Augen von Frauen gewährt. Gegründet wurde er von der britischen Fotografin Amanda de Cadenet, zu dem Team gehören daneben Inez van Lamsweerde, die Fotojournalistin Lynsey Addario, Regisseurin Sam Taylor-Johnson, Modefotografin Collier Schorr und das Model Amber Valletta. Ursprünglich wollten sie mit Girlgaze zeigen, wie wenig Fotografinnen es tatsächlich in der Kreativindustrie schaffen. Als der Account jedoch immer beliebter wurde, wuchs auch bei Amanda das Verlangen, dieses kaputte System zu ändern, das jahrelang auf sozialer und sexistischer Ausgrenzung beruhte. Sie gründeten die Multimedia-Plattform Girlgaze, um nicht nur die weibliche Perspektive in den Fokus zu rücken, sondern auch eine neue Generation von Fotografinnen zu fördern.


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Es folgte die Ausstellung #Girlgaze: A Frame of Mind, die letzten Oktober im Annenberg Space of Photography in L.A. eröffnet wurde. Ein Jahr später erscheint nun auch ein Bildband – #Girlgaze: How Girls See The World – eine kuratierte Sammlung, die Fotografinnen aus ganz unterschiedlichen Kontexten und Gattungen umfasst: von intimen Selbstporträts über High-Fashion-Strecken bis zu Dokumentaraufnahmen aus vom Krieg gebeutelten Ländern. Das haben wir zum Anlass genommen, um mit der Girlgaze-Gründerin Amanda de Cadenet über die Gender Gap und die Bedeutung der weiblichen Perspektive zu sprechen.

Melanie Knight, One Size

Hi Amanda! Was ist die Geschichte von Girlgaze?
Uns ging es mit dem Projekt nicht allein darum, einfach nur den Mangel an Fotografinnen aufzuzeigen. Ich meine, es gibt viele Fotografinnen, aber wir wollten auch öffentlich machen, dass nur sehr wenige von diesen Frauen auch verpflichtet werden. So viele Kampagnen werden von männlichen Kollegen verantwortet. Es geht darum, diese Lücke zu schließen. Das Projekt fing als Aktion an, aber wir wussten, dass wir mehr tun müssen. Deswegen haben wir einen Wettbewerb ins Leben gerufen, bei dem Fotografinnen ihre Arbeiten mit dem Hashtag Girlgaze versehen konnten. Die Gewinnerin würde für Teen Vogue eine Modestrecke shooten. Das hat für sehr viel Aufmerksamkeit gesorgt, weil es mit einem echten Job verbunden war. Wir hatten allerdings keine Ahnung, wie viele Bilder uns erreichen würden. In nur sechs Monaten hatten wir über eine Million (mittlerweile sogar über 2,8 Millionen) Fotos mit dem Hashtag. Am Ende hatten wir so viele Einsendungen, dass wir die ganze September-Ausgabe kuratiert haben — zum ersten Mal gab es eine gesamte Ausgabe nur von jungen Frauen für junge Frauen. Wir hatten allerdings noch so viel Material, dass wir uns zu dem Buch entschlossen haben.

Amaal Said, Safia

Warum ist es gerade jetzt wichtig, diese Diskussion zu führen?
Als wir angefangen haben, wurde so viel über Ungerechtigkeit und Ungleichheit geredet. Also habe ich mir eine Lösung einfallen lassen und etwas dagegen unternommen. 2017 ist so ein aufregendes Jahr und wir müssen die Gegenwart durch die Augen von Frauen aus der ganzen Welt erzählen.

Auf was dürfen wir uns im Buch freuen?
#Girlgaze ist eine Ode an junge Frauen und wie sie die Welt wahrnehmen. Jede von ihnen zeigt eine andere Perspektive und die Arbeiten stammen aus verschiedenen Gattungen. Es ist ein guter Mix aus offenherzigen und formaleren Fotos, die junge Frauen in allen Lebenslagen darstellen.

Alice Vasconelos, Correspondencia

Wonach habt ihr die Fotos ausgewählt?
Das ganze Team von Girlgaze war am Prozess beteiligt, damit wirklich unterschiedliche Perspektiven und Genres berücksichtigt werden. Mir war wichtig, dass nicht nur ein Fotografiestil gezeigt wird, sondern dass wir Reportage, Porträtfotografie und Modefotografie ­– also ganz unterschiedliche Arten – zeigen.


Emma Craft, Twilight Twins

Was sollen die Leser daraus mitnehmen?
Besonders junge Frauen sollen das Gefühl vermittelt bekommen, dass sie sich mit ihrer Kreativität ein Leben und eine Karriere aufbauen können. Wir wollen sie damit ermutigen, dass sie auch weiterhin kreativ tätig sind und ihre Arbeiten mit anderen teilen. Die Welt braucht die weibliche Perspektive.

Was kommt als Nächstes für Girlgaze?
Wir lancieren eine neue digitale Plattform mit Videos, eigenen Artikeln und anderen Projekten aus der #Girlgaze Community, zu der jede und jeder beitragen kann. Im Oktober starten wir dann unser Online-Magazin.

Remi Riordan, Jane and Catherine
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