40 dinge, an die du denken solltest, wenn dich die modeindustrie mal wieder nervt

James Anderson gibt dir 40 Einblicke und Tipps, wenn du von Fashion die Schnauze voll hast und dich in einem Erdhaufen verkriechen...

von i-D Staff
|
29 Dezember 2015, 9:00am

[The Flesh and Blood Issue, No. 304, December 09]

Diese Liste entstand durch anonyme Hintergrundgespräche mit Designern, Autoren, Redakteuren, Stylisten und Fotografen.

1. Trendy zu sein, ist für mittelmäßige Leute, an die sich niemand erinnern wird.

2. Die Ironie von Partys in der Modeindustrie besteht darin, dass sich jeder anzieht, um die anderen zu beeindrucken. Aber die coolste Person des Abends ist meistens der Türsteher in einem billigen Anzug.

3. Eine Warnung an die älteren Hasen in der Branche: Verwerft nicht gleich Entwürfe von jungen Designern, auch wenn ihr instinktiv wisst, dass ihr so etwas schon mal vorher gesehen habt. Jeder trägt das gerne, was ihn oder sie beeinflusst, bis er oder sie soweit ist, dass seine oder ihre Mode andere beeinflusst.

4. Gehe mit Wörtern wie „Trend" und „Must-Have" sparsam um, ansonsten hörst du dich an wie diese Modeexperten in Klatschmagazinen.

5. Ein Klassiker mit einem Twist ist eine andere Bezeichnung für „Aus einer älteren Kollektion, aber in einer neuen kräftigen Farbe".

6. Designer bewundern an ihren Musen mehr deren Haltung als deren Outfits. Die Wahrheit ist: Taten wiegen schwerer als Kleidung.

7. Jeder muss unangenehme Dinge tun. Sogar die gefürchtetsten Fashion-Legenden. Denke einfach daran, wenn du dich das nächste Mal bei einem Fashion-Event eingeschüchtert fühlen solltest.

8. Dich Stunden lang fertig zu machen und vor dem Spiegel herumzuhängen, ist sinnvoll investierte Zeit, aber nur wenn dabei am Ende die Illusion herauskommt, dass du eben aufgestanden bist und dir schnell etwas übergeworfen hast.

9. Solltest du über Fashion bloggen: Bitte frage dich vorher, ob du überhaupt einen zusammenhängenden Satz zustande bringst und weißt, wie die Grundregeln der deutschen Orthografie aussehen.

10. Ein neuer Fashion-Trend ist nur dann ein neuer Trend, wenn er mindestens dreimal beobachtet wurde, und zwar im selben Zeitraum.

11. Pressemitteilungen (und andere Veröffentlichungen), die einem versprechen, dass man für 15 Euro den Look nachkaufen kann, sollten immer mit der größtmöglichen Skepsis betrachtet werden ... und sofort gelöscht oder vernichtet werden.

12. Mache aus vermeintlichen Makeln deinen einzigartigen, persönlichen Style. Deine Akne, dein fettiges Haar, deine komische Körperhaltung: Erkläre sie zu Abgesängen auf traditionelle Schönheitsvorstellungen.

13. Jungs, die sich wie Mädchen anziehen, sind eine großartige Tradition und müssen unter allen Umständen geschützt werden. Genauso wie Mädchen, die sich wie Jungs anziehen.

14. Ein Kleidungsstück zu erwerben, von dem du ganz genau weißt, dass das nicht du bist, heißt immer, dass du scheiße darin aussehen wirst.

15. Vergiss die Vorstellung, dass es normal gibt. Die Leute, die sich am interessantesten kleiden, sind meist die, die für verrückt erklärt werden.

16. Es ist besser, ein richtig teures Piece, das du liebst, zu kaufen, auch wenn du dann im nächsten Monat nicht mehr deine Miete zahlen kannst, anstatt viele billige Pieces, die du OK findest.

17. Mindestens eine Socke verschwindet auf jeden Fall in der Waschmaschine.

18. Leute, die der geplagten Frau von heute im Fernsehen zu besserem Style verhelfen, sind keine schlechten Personen. Aber die Lösung dieses Menschheitsproblems kann nicht in Accessoires liegen. Das ist nicht Mode.

19. Wenn du ein Stylist sein willst, dann hilft es, wenn du dich interessant anziehst. Mindestens jedoch solange, bis du erfolgreich bist und dein Arbeitspensum hoch ist. Im Notfall hilft Punkt 13.

20. Pssst! Modemenschen, die die ganze Zeit davon schwärmen, wie kreativ sie doch sind, sind oft tatsächlich dann doch nicht so kreativ.

21. Das 80er-Revival hört scheinbar nie auf.

22. Sauber zu sein, ist immer très chic.

23. Ein monochromer Schwarz-Look ist nur ein Ausweichmanöver und zeugt von einem Mangel an ästhetischem Selbstbewusstsein - es sei denn du heißt Diane Pernet, die mit ihrem zeitlosen Goth-Look anscheinend ganz zufrieden ist.

24. Ein international erfolgreicher Modefotograf teilte inmitten eines Big-Budget-Shoots folgende Worte mit der Welt: „Fashion makes you look like a c**t!". Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

25. Modedesigner, die mal eine Saison aussetzen wollen, weil ihnen einfach danach ist, sollten das tun. Gute Ideen müssen nicht notwendigerweise alle sechs Monate entstehen.

26. Designer, die ihre Ästhetik schnell und einfach modern wirken lassen wollen, packen einfach immer und überall Reißverschlüsse drauf.

27. Espadrilles waren nie gut und werden es auch nie.

28. Keine Unterwäsche zu tragen, ist immer in.

29. Nachtclubs bleiben die wahren Labore für neue Looks.

30. Der schnellste und billigste Weg, um deinem Look etwas radikal Neues zu verpassen, ist es, wenn du dir alle Haare abrasiert (Hier ist unser Guide).

31. Viele der größten Stilikonen hatten nicht viel an, zum Beispiel Iggy Pop oder Grace Jones in den 70ern.

32. Die besten Avantgarde-Looks bringen dich ins Gefängnis, wie im 19. Jahrhundert die Pariserinnen, die Hosen trugen.

33. Wenn deine Eltern toll finden, was du trägst, machst du irgendwas falsch.

34. Wenn du willst, dass dich irgendjemand ernst nimmt, dann bezeichne dich nie und nimmer selbst als Fashionista.

35. „Es gibt kaum Budget": Diese Worte wird jeder angehende Stylist früher oder später rückwärts buchstabieren können.

36. Habe keine Angst vor negativen Kommentaren über deine Outfitwahl: die besten Fashion-Statements wurden anfangs immer falsch verstanden oder weggelächelt.

37. Fashion ist eine der effektivsten Formen von unmittelbarer Kommunikation und Ausdruck der Persönlichkeit, aber es ist kein Ersatz dafür, wenn du nichts Interessantes zu sagen hast.

38. Unsichtbar zu sein, ist oft der stylischste Look, bestes Beispiel ist der schwer greifbare Martin Margiela.

39. ....

40. Glaube nicht alles, was du über Mode liest, nur weil es irgendwo in einer Publikation mit einem guten Namen veröffentlicht wurde. Verarbeite die Informationen und bilde dir deine eigene Meinung.

Credits


Text: James Anderson mit Material von i-D Germany
Foto: Ellen von Unwerth
Styling: Beth Fenton

Tagged:
Ellen von Unwerth
modeindustrie
james anderson
the unknown hipster
branchenreport