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kunst und zensur: französische rechte hat es auf gaspar noés „love“ abgesehen

Nach der unfairen Klassifizierung von „Diary of a Teenage Girl“, was bedeutet das französische Urteil im Fall „Love“ für die Freiheit der Kunst?

von i-D Staff
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10 August 2015, 2:45pm

Obwohl Regisseur Gaspar Noé seinen neuen Film Love für 12-Jährige geeignet findet, erwartete er, dass Altersbeschränkungen für den sexuell eindeutigen 3D-Film eingeführt werden würden. Und so kam es auch. Nach seiner Premiere in Cannes wurde der Film erst ab 16 freigegeben. Letzte Woche wurde die Freigabe auf politischen Druck hin von religiösen und rechten Gruppen in Frankreich auf 18 und älter hochgesetzt. Der Regisseur sorgt sich nun um die Zukunft der künstlerischen Meinungsfreiheit des Mediums Film.

Gaspar Noé sagt der französischen Zeitung Libération nach der Neubewertung, dass die Entscheidung „Nonsense" sei. Obwohl Love nicht gestellte Sexszenen enthält und trotz Noés Kommentar „Ich hoffe, dass die Typen von meinem nächsten Film Erektionen bekommen und die Frauen feucht werden", besteht der Enter the Void-Regisseur darauf, dass es sich bei dem Film um keinen Porno handelt, sondern wie der Titel schon sagt, dass der Film die Schönheit von sexueller Intimität porträtiert.

Noé befürchtet weiter, dass die Entscheidung des Gerichts zu Selbstzensur unter Künstlern führen könnte. „Regisseure und Produzenten könnten vielleicht Angst bekommen. Es besteht das Risiko, dass sich Filmemacher und Drehbuchautoren der Selbstzensur unterwerfen", sagte er der Zeitung.

Die Entscheidung in Frankreich folgt der hoch umstrittenen Entscheidung der britischen Klassifizierungsstelle, The Diary of a Teenage Girl - ein Film über das sexuelle Erwachen der 15-jährigen Protagonistin Minnie Goetze im San Francisco der Siebziger - erst ab 18 Jahren freizugeben. „Es war ein ausschließlich aus Männern bestehendes Gremium, das unsere diese Klassifizierung beschert hat und ich denke einfach, dass es traurig und lächerlich ist, dass ein ausschließlich aus Männern bestehendes Gremium darüber entscheidet, was junge Frauen sehen dürfen und worüber sie letztlich sprechen und nachdenken dürfen", sagte die Regisseurin des Films Marielle Heller zu i-D letzte Woche.

Vor fünf Jahren war der Einspruch gegen die Entscheidung der amerikanischen Filmvereinigung, Blue Valentine mit Ryan Gosling erst ab 18 freizugeben, erfolgreich und der Film wurde kurz vor seinem Kinostart ab 17 freigegeben. In Deutschland ist der Film ab 12 Jahren freigegeben. Hoffentlich kann Gaspar Noé ähnlich erfolgreich sein und sein Recht auf künstlerische Meinungsfreiheit durchsetzen.

Love soll Anfang 2016 in die deutschen Kinos kommen.

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  • Hier findest du den Trailer von Love.
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Credits


Text: Emily Manning
Bild via YouTube