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10 gründe, warum wir grace coddington lieben

Nachdem uns gestern die Nachricht erreichte, dass sie ihren Posten als Creative Director bei der amerikanischen „Vogue“ nach mehr als 25 Jahren verlässt, erinnern wir uns an einige der Highlights aus ihrer Karriere und verraten euch, was wir von ihr...

von Lynette Nylander
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22 Januar 2016, 12:30pm

Wenn dich die Leute in der Modebranche allein schon durch deinen Vornamen kennen, weißt du, dass du ein bestimmtes Level an Einfluss erreicht hast. Miuccia, Phoebe, Anna - und Grace: Die Superstylistin mit den leuchtend roten Haaren, die über 25 Jahre Creative Director bei der amerikanischen Vogue war. Mit 18 fing sie als Model an und wechselte später hinter die Kamera, um 1968 als Stylistin bei der britischen Vogue anzufangen. Dort blieb sie 20 Jahre und ihr Aufstieg ging weiter. Relativ spät, erst 2009, wurde ihr Name auch Leuten außerhalb der Modewelt durch den Film The September Issue ein Begriff. Das Publikum liebte ihre ruhige Art, ihre frechen Sprüche und warmherzige Art, eine Ergänzung zur manchmal etwas kühl wirkenden Anna Wintour. Zwar bleibt Grace Coddington dem Magazin weiterhin als Creative Director at Large verbunden und wird vier Shoots pro Jahr betreuen, aber es ist dennoch ein einschneidender Schritt für die Modewelt. Einer der führenden Köpfe der internationalen Modewelt tritt kürzer. Wir warten schon gespannt darauf, was sie als Nächstes tun wird. Ein Projekt für Comme des Garçons steht bereits fest. Aber erst mal präsentieren wir euch zehn Gründe, wieso wir Grace Coddington lieben.

1. Sie stammt aus einfachen Verhältnissen.
2012 wurde Grace i-D Coverstar und zierte unser Titelbild in einem Foto von Arthur Elgort. Im Interview mit i-D Gründer Terry Jones sprach sie über ihre walische Kindheit in Anglesey, ihre Schulzeit im Kloster und wie sie mit 18 die Chance ergriff, mit einer Ausgabe der Vogue unterm Arm den Bus nach London bestieg, und Model wurde. Das sollte der Anfang ihrer Karriere werden.

2. Sie ist die eigentliche Hauptfigur in The September Issue.
Wenn man Grace bei der Arbeit in The September Issue zuschaut, dann kann man sich nur in sie verlieben. Sie ist einfach komisch. Ob es sich dabei um Fotografenlegenden handelt („I can't shoot everything for the rest of my life with Steven Meisel in Alder Mansion, which is an ugly fucking house") oder das Ermutigen von Kameramann Bob („You know, personally I think it's better that you're not like skinny-skinny. Everybody isn't perfect in this world. I mean, it's enough that the models are perfect.")

Aber unser Lieblingszitat von ihr aus dem Film stammt aus der Szene, als sie durch Schloss Versailles streift und dort ein Shoot betreut: „Always keep your eyes open … Keep watching, because whatever you see out the window, or wherever, can inspire you". Diese weisen Worte werden uns unser ganzes Leben verfolgen.

3. Grace glaubt an die Fantasie in der Mode.
Die Shootings von Grace haben immer wieder unsere Vorstellungskraft gesprengt. Von Natalia Vodinova als moderne Alice im Wunderland bis zu Kate Moss im Pariser Ritz in bonbonfarbenen Kleidern mit Fotograf Tim Walker: Sie nimmt den Leser des Magazins mit auf eine Reise in eine komplett andere Welt und denkt dabei nicht nur an die Kleidung, sondern kreiert eine ganz eigene Bildsprache. An alle Creative Directors auf Instagram: So wird es gemacht.

4. Ihr Anti-Fashion-Image ist der Inbegriff von Style.
Es gibt wohl kaum ein Label, das Grace Coddington und ihre Rolle als Creative Director bei einem der größten Magazine der Welt nicht schätzt. Man könnte eigentlich annehmen, da sie oft mit extravaganten Kreationen arbeitet, dass sie sich gleich ein paar Inspirationen für ihre eigene Garderobe mitnimmt. Weit gefehlt. Meist trägt sie ihr typisches Outfit: eine schwarze, eng geschnittene Hose und ein schwarzes Button-down-Hemd. Sie ist ein lebender Beweis, dass Understatement der wahre Style ist.

5. Auch wenn dein Partner ebenfalls in der Mode arbeitet, muss man die Beziehung nicht für die Kameras leben.
Grace ist seit über 30 Jahren in einer Beziehung mit dem Hairstylisten Didier Malige, aber beide hängen das nicht an die große Glocke und es gibt kaum gemeinsame Fotos der beiden. Sie leben mit ihrer Katze Bart in einem wunderschönen Apartment im New Yorker Stadtteil Chelsea. Sie hat Chanel-Bettwäsche und Kissenbezüge mit Katzenmotiven, die ihr Nicolas Ghesquière geschenkt hat.

6. Sie ist der ultimative Rotschopf.
Bei keiner sehen rote Haare so schön aus. Ihre feurige Mähne umrahmt ihr Gesicht und wurde zu ihrem Markenzeichen. Grace ohne rote Haare? Kaum vorstellbar. Julianne Moore und Emma Stone sind ganz gut, aber Grace ist unser ultimativer Redhead.

7. Sie glaubt noch an Print.
Nicht ganz widerspruchsfrei in diesem Punkt, aber sie geht noch in Buchhandlungen und kauft sich Gedrucktes. In der sechsten Ausgabe vom System Magazine fragte David Owen von IDEA Books Grace, wieso Print im digitalen Zeitalter überhaupt noch relevant ist. Ihre Antwort: „Als ich meine Memoiren geschrieben habe, sagten sie mir ‚Wir werden auch ein E-Book anbieten'. Ich sagte ihnen ‚Bitte nicht!'. Sie haben es gemacht, denke ich. Ich habe es noch nicht gesehen, es interessiert mich nicht."

8. Sie ist so groß, dass sie ihre eigenen Memoiren hat.
Nach der ganzen Aufmerksamkeit durch The September Issue wurde Grace widerwillig zu einer Prominenten. 2012 konnten wir dann endlich mehr über sie in ihrer Autobiografie lesen. Darin beschreibt sie ihre Zusammenarbeit mit David Bailey und Norman Parkinson und ihr privates Verhältnis zu Didier und Anna Wintour. Dass sie auch anders kann als nett und warmherzig, verrät sie auch in dem Buch: „Ich kann manchmal auch eine Bitch sein." Eine Produktionsfirma hat sich bereits die Filmrechte an dem Buch gesichert, also dürfen wir uns vielleicht schon bald über Graces Geschichte auf der Kinoleinwand freuen.

9. Sie liebt Katzen, und zwar sehr.
Grace Coddington ist eine Katzenliebhaberin durch und durch. Zusammen mit ihrem Freund Didier veröffentlichte sie The Catwalk Cats, ein Tribut an ihre haarigen Freunde. Angeblich befindet sie in Gesprächen, aus dem Buch einen Animationsfilm zu machen. In dem Buch zeigen sie die erstaunlichen Parallelen zwischen Katzen und Fashionistas auf und wie wichtig die Tiere im Leben eines jeden Katzenliebhabers sind.

10. Grace steht für die Heldin in uns allen.
Ein Grace-Coddington-Shoot hat das gewisse Etwas, das man nicht kopieren kann. Für viele ist sie der Grund, warum sie überhaupt in der Modewelt arbeiten. Sie schafft es, einem das Gefühl zu vermitteln: Alles ist möglich. Sie hat dafür gesorgt, dass einige der besten Designer auf der Welt eine Plattform bekommen haben. Sie ist unnachgiebig auf der Suche nach Schönheit und hat mutig ihren Geschmack und ihren einzigartigen Standpunkt einem amerikanischen und weltweiten Publikum näher gebracht. Terry Jones hat es auf den Punkt gebracht: „Grace steht für die Heldin in uns allen. Sie ist eine kompromisslose Kreative, für die Mode Kunst ist, was sich so wunderbar in alles übersetzt, was sie tut."

Credits


Text: Lynette Nylander
Foto: Arthur Elgort [The Wise Up Issue, No. 322, Winter 2012]

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