triff die illustratorin hinter den schaurig-schönen prints für miu miu spring / summer 16

Miuccia Prada baute die kettenrauchenden Figuren von Eri Wakiyama in ihre aktuelle Kollektion ein.

von i-D Staff
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29 Oktober 2015, 9:55am

Als wir Eri Wakiyama treffen, empfängt sie uns in einem Stüssy-Hoodie und pinken Hosen mit Rüschen und Tutu. Man weiß nicht, ob sie die Hose von einem Dolly-Parton-Double gestohlen hat oder sie Teil der neuen Spring-/Summer-16-Kollektion von Miu Miu ist. Letzteres ist ohne Weiteres möglich. Nicht nur weil diese Saison von farbigen Tüll-Shirts mit ähnlich viel Rüschen geprägt war, sondern auch weil Eri drei Prints zur Kollektion beisteuerte.

Eri wurde in Japan geboren, wuchs aber im Norden Kaliforniens bei den „strengsten Japanern auf, die man sich vorstellen kann". Sie konnte zeichnen, bevor sie Englisch sprechen konnte und verbrachte viel Zeit damit, ihr traditionell japanisch geprägtes Elternhaus und ihre amerikanischen Freunde unter einen Hut zu bekommen. „Ich kannte mich und meinen Style und fühlte mich damit ziemlich sicher", sagt sie. „Mode war mein Zufluchtsort, an dem ich mich geborgen gefühlt habe."

Nach der Schule bewarb sie sich um einen Studienplatz an der Parsons School of Design. „Die Gegend, in der ich aufgewachsen bin, war voller Nerds. Die dortige Tech-Kultur hat nicht so viel übrig für künstlerische Kreativität", erklärt sie. „Auch wenn uns oft gesagt wurde, dass wir unsere Träume verwirklichen sollen, wurde in diesem Umfeld erwartet, dass diese Träume mit denen der anderen übereinstimmen." Sie packte ihre Sachen, zog nach New York und studierte einen der härtesten Design-Studiengänge der USA - ohne jemals vorher in New York gewesen zu sein.

Eri hat keinen Abschluss in Illustration, aber die Fähigkeiten, die sie im Laufe des Modedesignstudiums entwickelte, schärften ihren Blick. Was letztlich wieder ihren Zeichnungen zugute kam. „Nachdem ich begriff, wieso ich überhaupt das vom Laufsteg mag, was ich mag, entwickelte ich meine Charaktere", erklärt sie die Entstehung ihrer Gang aus kettenrauchenden Freaks mit Blumenmustern. „Ich war immer neidisch auf meine Freunde, die Fotografie studierten, denn sie arbeiteten an wunderschönen Editorials. Die Zeichnungen wurden zu meinem künstlerischen Ventil, um meine Girls zu präsentieren."

Auch wenn ihre Figuren gerne mal von oben bis unten Comme des Garçons oder Céline tragen, wird Eri auch von scheinbar noch so kleinen Dingen inspiriert. „Das ist Intuition. Wenn ich etwas sehe, was ich unbedingt haben muss, dann baue ich es ein", sagt sie. „Für mich sind Accessoires das, was für dich Quellen sind. Es ist so, als wenn jemand Blau seinem Bild hinzufügt. Ich füge eben ein Fendi-Anhänger aus Nerz hinzu."

Im Laufe unseres Gespräches wir klar, dass Community für ihre kreative Arbeit entscheidend ist. Schon in der Schule veröffentlichte sie ihre Zeichnungen in einem Onlinetagebuch, dann kam Tumblr und später arbeitete sie mit Freunden zusammen, die Onlinemagazine gründeten. Vor zwei Jahren organisierte sie ihre erste Einzelausstellung I See You. „Wenn man so lange in der Modeindustrie gearbeitet hat, trifft man viele Leute, die Kollaborationen offen gegenüber stehen. Ich bevorzuge Mundpropaganda und eine natürliche Entwicklung von Dingen, anstatt Möglichkeiten hinterher zu jagen", erklärt sie ihren Ansatz. Genau so entstand auch die Kollaboration mit Miu Miu.

Die Künstlerin ist sich immer noch nicht sicher, wie der belgische Stylist Olivier Rizzo ihre Arbeiten entdeckt hat. Er zeigt ein paar ihrer Zeichnungen Miuccia Prada. Aus drei ihrer Illustrationen fertigte das italienische Modehaus Prints (Wachskerzen, flackernde Flammen und welkende Blüten) für knöchellange Gehröcke. Die Kleidungsstücke betten sich in die übergreifende Geschichte der Kollektion ein. Eri versichert aber, dass der Designprozess „sehr offen" gewesen sei. „Ich habe keine Nachrichten erhalten, was die Kollektion inspiriert hat oder worum es in der Kollektion geht. Ich habe ihm anfänglich viel Material gegeben und wir haben dann gemeinsam so lange daran gearbeitet, bis das herauskam, was Prada wollte", erklärt sie den Schaffensprozess.

Die durch Prada erzeugte Aufmerksamkeit ist noch nicht abgeebbt: „Jeder gratuliert mir, als ob es mein Geburtstag wäre. Ich kann das alles immer noch nicht fassen. Sie möchte diese Aufmerksamkeit nutzen, um ganz neue Chancen auszuloten. „Kaws entwarf den MTV Moonman neu und Murakami arbeitete an Kanyes neuem Album. Sie eint, dass verschiedene Sphären und Welten miteinander kollidieren. Ich mag unerwartete Kooperationen." Wie immer wird sie diese neuen Herausforderungen mit der Hilfe ihrer Freunde angehen: „Letzten Endes ist man immer noch selbstverantwortlich und muss etwas bewegen, aber ich habe begriffen, dass das Support-System genauso wichtig ist", sagt Eri zum Abschluss. „Durch die Vibes der Leute, mit denen ich zusammenarbeite, fühle ich mich gerade sehr gut. Läuft!"

@erithemermaid

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Credits


Text: Emily Manning
Catwalk-Fotos: Mitchell Sams
Illustrationen: Eri Wakiyama

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