30 jahre lesbische geschichte, erzählt mit t-shirts

In der Berliner Galerie von Wolfgang Tillmans waren am Wochenende historische Aufnahmen von T-Shirts aus dem Lesbian Herstory Archive zu sehen, kuratiert von Kelly Rakowski.

von Emily Manning
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15 November 2016, 10:16am

Auf Instagram sind so beliebt wie oft getragen: T-Shirts mit dem Aufdruck „The Future is Female". Diese T-Shirts gehen auf ein T-Shirt zurück, das 1972 für Labyris Books entworfen wurde, der erste Buchladen für Frauen in New York. Der Independent-Retailer, das Studio und Communitycenter Otherwild verkauft es heute. Inspiriert wurde das Revival des T-Shirts durch ein Foto aus dem Jahr 1975 von Liza Cowan von ihrer damaligen Freundin, der Musikerin Alix Dobkin. Die Leute hinter Otherwild sind durch den Instagram-Account @h_e_r_s_t_o_r_y auf das berühmte Foto aufmerksam geworden. Der Account ist ein Onlinearchiv lesbischer Geschichte und Kultur. Darum hat sich nicht nur eine treue Fangemeinde gebildet, sondern eine ganze Community, die lesbische Geschichte zelebriert, sich mit ihr auseinandersetzt und an sie erinnert.

Gegründet wurde Herstory von Kelly Rakowski und sie kuratiert den Insta-Channel auch selbst. Ihr waches Auge für Designs hört längst nicht bei dem berühmten T-Shirt auf. Am Wochenende hat sie in der Berliner Dependance von Wolfgang Tillmans' Non-Profit-Galerie Between Bridges in der Keithstraße 88 Fotokopien von lesbischen und feministischen Shirts gezeigt. Einige sind lustig, einige sind durch und durch Punk, und alle sind wichtig.

„Die Sammlung des in Brooklyn ansässigen Lesbian Herstory Archive ist unglaublich und umfasst lesbische und feministische T-Shirts von den 70ern bis zu den 90ern", erzählt Rakowski. „Jedes T-Shirt wurde fotokopiert und katalogisiert. Ich bin ins Archiv gegangen und habe Fotos von den Kopien gemacht. Meine Fotos habe ich dann auf Instagram hochgeladen."

Zur Zusammenarbeit mit Between Bridges kam es durch die in Brooklyn lebende Künstlerin Becca Albee, die auf den Instagram-Account entdeckt hat. Sie hat Kelly eingeladen, eine Auswahl der Sammlung für eine Ausstellung in Between Bridges zu kuratieren. Die Fotoinstallation war am Samstagabend in der Galerie zu sehen, zusammen mit einem Screening von Born in Flames von Regisseurin Lizzie Borden aus dem Jahr 1983. Organisiert hatten die Ausstellung Michael Amstad und Marte Eknæs. In dem Science-Fiction-Film geht es um ein sozialistisch-demokratisches New York in der Zukunft. Die Politik erweise sich aber als so unflexibel und frauenfeindlich wie die Politik zu kapitalistischen Zeiten, heißt es im Pressetext zur Ausstellung. Frauen mit den unterschiedlichsten Hintergründen müssen weiter unter Sexismus, Beleidigungen, dem Klassensystem und Rassismus leiden. Sie schließen sich zusammen und bilden eine richtig radikale Revolution.

Becca Albee war in den 90ern selbst Teil der Punk-Community im Nordwesten der USA. Mit Carrie Brownstein und CJ Phillips hat sie die Band Excuse 17 gegründet. „Born in Flames war für den feministischen Diskurs damals wichtig und hat großen Einfluss gehabt. Der Film hat uns Solidarität, andere Formen von Aufklärung, die Riot Grrrl-Bewegung und Aktivismus gezeigt."

Der deutsche Künstler Wolfgang Tillmans hat vor und nach der US-Präsidentschaftswahl auf seinem Instagram-Account selbst aktiv für Aufklärung, Dialog und, ja, auch zur Bewältigung dieses Ergebnisses geworben. Wer sein Profil schon länger verfolgt, der weiß, dass er an die Kraft von politischen Botschaften auf T-Shirts glaubt. Er hat sich vor dem britischen Referendum über den Austritt von Großbritannien aus der EU immer wieder deutlich für den Verbleib ausgesprochen und aktiv für europäische Einheit gekämpft und sich eingemischt. „Diese T-Shirts sind so gut Kunstwerke und inspirierend", so Rakowski über Tillmans' eigene Kreationen. 

betweenbridges.net

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Text: Emily Manning

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