die geschichte der front row

Mit dem Hype um Prominente hat sich der Fokus in der Mode vom Laufsteg auf die erste Reihe verschoben. i-D erkundet die Geschichte der begehrtesten Plätze in der Branche.

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04 April 2015, 7:30am

Photo by Dimitrios Kambouris/Getty Images for adidas

Wo findet man Kanye neben Anna Wintour? Katy Perry im Gespräch mit Kris Jenner? Wo plaudert Cara Delevingne mit Kate Moss? Ganz klar in der Front-Row. Die Front-Row wurde in den letzten Jahren zum Mittelpunkt der Fashionshows und ist eine Ansammlung von Stars und vermeidlich wichtigen Leuten. Ein Sitzplatz, um zu sehen, aber noch wichtiger, um gesehen zu werden, inklusive einer wohlüberlegten Sitzordnung. Als sich Miley Cyrus, Rihanna, Jeremy Scott, Katy Perry und Kanye West bei ihrer Kleiderwahl für die Fashion LA Awards abgesprochen hatten, lief Twitter heiß. 

Das die erste Reihe nur für die Stars da war, war aber nicht immer so. Die Front Row, oder nur heutzutage einfach nur kurz #frow, war immer schon der beste Platz, um einer Fashionshow beizuwohnen. Sicher, es war ein Statussymbol, aber wichtiger war am Anfang der typischen Runway Shows, dass Einkäufer von dort einen ungestörten Blick auf die Kleider hatten. Obwohl diese Saison allgemein weniger Stars und Sternchen auf den Shows anwesend waren, haben wir uns doch alle gefragt, welcher Promi in den nächsten Stunden unsere Instagram-Feeds beherrschen wird, während wir von zu Hause aus die Shows im Livestream verfolgten.

Foto: Reg Lancaster/Getty Images

Wie die Mode auf dem Laufsteg, hat auch die Front Row ihre Geschichte. Anfang des 20. Jahrhunderts haben Pariser Couture-Häuser salonartige Schauen für die feine Gesellschaft und Händler veranstaltet. Amerikanische Kaufhäuser, wie die Ehrich Brothers, haben dieses Gefühl für Einkäufer und Kunden in großem Stil nachgestellt. Ab und zu kamen Schauspielerinnen nach Paris, wie zum Beispiel Barbra Streisand 1966, die mit ihrem Leopard-Print aus der Masse herausstach. In den 70ern und 80ern wurde es ernst, als Journalisten und Einkäufer einen Platz in der ersten Reihe, als eine der größten Errungenschaften in ihrem Job ansahen. In den 90ern, der Zeit der Supermodels, kamen die Stars, von Debbie Harry bis Madonna. In den 2000 war es dann die Blogger jeder Alterscouleur, die sich dazu gesellten und wir landen im Jahr 2015 beim Front-Row-Dreigestirn: Kim, Kanye und Rihanna.

Soon-Yi Previn, Woody Allen, Dorthea Hurley, Bon Jovi, Elizabeth Hurley und Hugh Grant at Versace, 1996 © Patrick McMullan

„Es gab immer Ehrengäste des Designers in der ersten Reihe", sagte Patrick McMullan, der bekannte Fotograf und Chronist des Nachtlebens der Stars. „Aber es handelte sich dabei um die Mutter oder Schwester des Designers. In den 70ern veränderten Warhol und Halston die Idee Fashionshow, die Leute auf der Show wurden interessanter." In den 70ern und 80ern ging es dann um Professionalität. Es war ein Branchentreffen und das wichtigste Werkzeug waren Notizblöcke. „Es war die einzige Möglichkeit, das festzuhalten, was man gesehen hat", sagt Stephanie Solomon, Vice President of Lord & Taylor. „Das ist eine verloren gegangene Kunst. Diese Fähigkeit ist abhanden gekommen, man seziert das Gesehene und die Augen sind auf den Laufsteg fixiert, Kameras sind unwichtig."

Bevor Streetstyle-Stars und Promis die Front-Row dominierten, gab es Regeln, die zu befolgen waren. Zurückhaltung war das Gebot. Ein Foto von 1977 zeigt die langjährige Kreativdirektorin der amerikanischen Vogue Grace Coddington in der ersten Reihe bei einer Balmain-Show, wie sie sich mit einem knielangen Rock in die Umgebung einfügt. Schwarz war unerlässlich und Gediegenheit Pflicht. Ein Teil der Antwort auf die Frage, wieso die Front-Row interessant wurde, liegt bei den Medien, die das Geschehen in der ersten Reihe für sich entdeckte und interessant machte. „Als ich in den 90ern angefangen habe, als sie in New York noch 7th on Sixth gemacht haben, habe ich die erste Reihe fotografiert", sagt McMullan. „Während sich die Mädchen angezogen haben, fotografierte ich. Zu der Zeit gab es aber noch keine Möglichkeit, diese Fotos zu veröffentlichen. Ich musste einfach warten."

Ein anderer bedeutender Front-Row-Fotograf war Gaulthier Gallet, der die Branche in den 90ern und 2000ern mit seinen Schnappschüssen festhielt. Obwohl Gallet tragischerweise bei einem Motorradunfall 2003 ums Leben kam, leben seine Fotos weiter und dokumentieren ein Jahrzehnt in der ersten Reihe und hinter den Kulissen. Sie bieten der Allgemeinheit einen Blick in die Welt von High Fashion. Suzy Menke, Delphine Arnault und Karl Lagerfeld posierten für ihn. Noch wichtiger aber: Gallet zeigte den Leute, wo sie hinschauen müssen - nämlich nicht auf den Laufsteg.

Während der Zeit, als McMullan und Gallet Fotos machten, begann die Promikult, in Modewelt einzutauchen. „Das fing in den späten 90ern an", sagt McMullan. „PR-Leute tippten mir auf die Schulter und wollten, dass dieses und jenes Mädchen fotografiert wird. Sie haben immer versucht, ein Bild mit drei Leuten zu kreieren. Es gibt eine Synergie zwischen drei Frauen."

Sean P. Diddy Combs, Nicky und Paris Hilton at Luca Luca Fashion Show, 2002 © Patrick McMullan

Anfang der 2000er kamen die Blogger dazu, von Susie Lau bis Bryanboy. „Jede Show sind das andere", sagt Alessandro Garofalo, der für Style.com die Front-Row fotografiert. „Sie haben ein neues Outfit und sind immer rausgeputzt, manchmal sehr auffällig, manchmal sehr schlicht. Ich denke aber, dass sie die Aufmerksamkeit der Leute auf sich ziehen wollen." Nimm nur zum Beispiel Tavi Gevinsons riesige Haarschleife, die sie zur Dior Couture Show 2010 getragen hat. Das hat den Leuten in der zweiten Reihe die Sicht genommen und das Modeestablishment war empört. Sie wollte nicht unerkannt bleiben. Blogger müssen nicht notwendigerweise bekannte Gesichter sein, aber ihre Reichweitenstärke für Promozwecke ist umso wichtiger. Wenn ihre Social-Media-Plattformen viele Follower haben (Susie hat 254.000 Follower auf Twitter, Bryanboy hat 569.000), dann sehen Labels Dollarzeichen in ihren Augen.

Wenn man sich Fotos von Gauthier anschaut, findet man unter all dem Schwarz gelegentlich Paris Hilton mit ihrem Leo-Print. Es waren die 90er, Schwarz war angesagt, aber die Front-Row war noch keine Bühne für sich. Es war gute alte Tradition, die Sachen eines Designers zu seiner Show zu tragen, aber heutzutage ist es oft nur ein PR-Produkt. Prominente werden dafür bezahlt, in der ersten Reihe zu sitzen und schon die Laufsteg-Looks anzuhaben. Allison Williams und Kate Hudson in Kleidern mit Blumen-Prints sorgten für gute Bilder von der Michael Kors Show. War es Zufall, dass Katy Perrys Kiss-Curls denen auf dem Givenchy-Laufsteg sehr ähnlich waren? Wie sagte es McMullan: „Leute haben festgestellt, dass es ein Fehler ist, die Front Row nicht auszunutzen."

Doch wie sieht die Zukunft der Front-Row aus? Es gab bereits Street-Style-Dronen, wieso nicht auch Front-Row-Dronen? Es vergeht immer weniger Zeit zwischen der Präsentation einer Kollektion und der Zeit bis die Sachen von Prominenten tragen werden. Justin Bieber hat noch am Tag der Kanye-Show Yeezy-Sneaker getragen. Vielleicht werden wir eines Tages eine Front-Row in Laufsteg-Looks sehen und schaffen Models gleich ganz ab. Alexander McQueen war da an etwas dran, als er Kate Moss in ein Laufsteg-Hologram verwandelt hat.

Die Ehefrau des New Yorker Bürgermeisters, Chirlane McCray, war Gast bei der Ralph Lauren Show. Wieso nicht die First Lady der USA? Es gibt unzählige Möglichkeiten, Mode zu nutzen und von ihr benutzt zu werden. Nimm Bethany Mota: Sie fing als unbekannte Vloggerin an und interviewte letzten Monat den amerikanischen Präsidenten, um ihm Reichweite zu schaffen. Wir leben in einer verkehrten Welt der Machtdynamik und du bist in der ersten Reihe mit dabei. kannst es alles aus der ersten Reihe verfolgen.