Foto: Screenshot von YouTube aus dem Trailer zu "Holy Motors" von Leos Carax

5 Filme über Reisen, die du dir lieber aus der Ferne ansiehst

Revolverheld, Racheengel, Rollenwandler: Die 'Berlin Film Society' zeigt fünf Trips in und über menschliche Abgründe.

von Imke Rabiega
|
11 Oktober 2019, 9:15am

Foto: Screenshot von YouTube aus dem Trailer zu "Holy Motors" von Leos Carax

Wir können es nicht mehr länger leugnen: Der Herbst ist da. Abends ist es kalt, nass, windig und die Gründe das Haus zu verlassen, verschwinden mit dem Tageslicht. Die Film-Reihe Roadtripping - The Surreal Highway In Cinema der Berlin Film Society ist dafür ab dem 17. Oktober einer mehr, es dir drinnen gemütlich zu machen. Wenn du allerdings an romantische Sonnenuntergänge und VW-Busse unter Palmen denkst, müssen wir dich enttäuschen. Denn diese fünf Reisen gehen nicht von Strand zu Strand, sondern vor allem durch Mark und Bein.


Auch auf i-D: Die besten Filme für Fotografie-Fans.


Wir geben dir hier einen Überblick über ihre schaurig-genialen Empfehlungen:

El Topo (Alejandro Jodorowsky)

Auf seiner Reise durch die Prärie sucht der schwarz gekleidete Revolverheld (el Topo) nach innerem Frieden, verliert sich dabei jedoch in blutigen Auseinandersetzungen und sexuellen Ausschweifungen. Zwischen christlicher Symbolik und orientalischer Philosophie schuf Regisseur Alejandro Jodorowskys eine absurde aber eindrucksvolle Kulisse im Stil der 60er Jahre Avantgarde. Der Film gilt heute als Grundstein für das Subgenre Acid Western. Aufgrund einer rechtlichen Auseinandersetzung blieb der Film der Öffentlichkeit allerdings über 30 Jahre lang verborgen. Jodorowsky selbst sagt über seinen Film: "Wenn du großartig bist, ist El Topo ein großartiges Bild. Wenn deine Sicht beschränkt ist, wird El Topo sich dir nicht erschließen."

Hier geht's zum Facebook-Event.

Natural Born Killers (Oliver Stone)

Basierend auf dem Drehbuch von Quentin Tarantino zeigt der 1994 erschienene Film neben Kojoten, Skorpionen und Schlangen auch zwei "Natural Born Killers": Mallory und Mickey, Liebespaar und Mörderduo. Verfolgt von der Polizei und angestachelt von der Presse töten sie auf ihrem Weg alles, was ihnen in den Weg kommt. Regisseur Oliver Stone kritisiert mit seinem Werk die schamlose Sensationsgier der Medienlandschaft seiner Zeit und polarisiert mit der radikalen Darstellung von Gewalt. "Wie alle guten Satiriker weiß er, dass zu viel Realismus seine Wirkung schwächen wird. Er lässt dich wissen, dass er eine Komödie macht", sagt der amerikanische Filmkritiker Roger Ebert über den Film.

Hier geht's zum Facebook-Event.

Lost Highway (David Lynch)

"Eines Morgens wachte ich von der Klingel auf. Ein Mann sagt 'Dave!', ich sagte 'Ja' und er sagte 'Dick Laurent ist tot' und ich sagte 'Was?' – und es war niemand da", sagt David Lynch. "Ich weiß nicht, wer Dick Laurent ist. Ich weiß nur, dass er tot ist!" Diese wahre Begebenheit war der Aufmacher für seinen 1997 erschienenen Film Lost Highway, in dem es um die Abgründe einer Ehe, Albträume und Verfolgung geht. Er nimmt dich mit auf eine düstere Flucht ohne viele Worte und entzieht sich dabei jeglicher Chronologie. Zum Sound von Rammstein dringst du immer tiefer in die Gefühlswelten der Figuren ein und erlebst ihre Reise durch Lynchs Lieblingskulisse: von Autoscheinwerfern ausgestrahlte Highways im mysteriösen Dunkel der Nacht.

Hier geht's zum Facebook-Event.

Mandy (Panos Cosmatos)

Red Miller (Nicolas Cage) lebt mit seiner titelgebenden Freundin in den abgeschiedenen Shadow Mountains Amerikas. Als eine religiöse Sekte seine Freundin erst entführt, dann unter Drogen setzt und schließlich vor seinen Augen hinrichtet, beginnt ein abgedrehter Rachefeldzug. Mit Armbrust und selbstgeschmiedeter Axt bewaffnet, kämpft er sich durch immer schrillere Kulissen, die den hobbymäßigen Cosmic-Art-Bildern seiner Freundin Mandy nachempfunden sind. Dicht reihen sich Kettensägen-Kämpfe und LSD-Exzesse an obligatorische Motorradgang-Auftritte. Regisseur Panos Cosmatos mischt in seinem 2018 erschienenen Film Gewalt, Sex und Drogen zu einem bizarren Cocktail – und berauscht dich ohne lästigen Tiefsinn.

Hier geht's zum Facebook-Event.

Holy Motors (Leos Carax)

Wir schreiben das Jahr 2012. Monsieur Oscar (Denis Lavant), ein mächtiger französischer Finanzboss, lässt sich von seiner Chauffeurin in einer weißen Limousine durch Paris fahren. Eine Stadt zwischen Verfall und Fortschritt; die Limousine ein trauriges Symbol für den Untergang vergangener Technik und Dekadenz. Insgesamt zehn Zwischenstopps legen sie auf ihrer Route ein. Zehn Mal wechselt Monsieur Oscar dabei seine Gestalt mit Hilfe von aufwendigen Masken. Von der altersschwachen Bettlerin bis hin zum perversen Entführer, der sein Opfer statt zu entkleiden immer weiter verhüllt, bis es komplett verschleiert ist – eine Anspielung auf die französische Verschleierungsdiskussion. Die von Regisseur Leos Carax geplante Reise des Monsieur Oscar spiegelt soziale, religiöse und technische Kontroversen unserer Gegenwart wider. Er kombiniert Fantasie und Polemik, Fetischismus und Erkenntnis. Ein schönes Rätsel über unsere Zeit.

Hier geht's zum Facebook-Event.

Tagged:
Berlin
Kultur