Photography Zach Sokol

Chloe Cherry hat es von der Pornodarstellerin zum Euphoria-Star geschafft

Uns hat sie erzählt, wie es ist mit Zendaya zu arbeiten und warum Pornos für sie der "ultimative Crashkurs" als Schauspielerin waren.

von Zach Sokol
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15 März 2022, 7:01am

Photography Zach Sokol

Chloe Cherry hatte einen ungewöhnlichen Einstieg in Hollywood. Bevor ihr mit Euphoria der internationale Durchbruch gelang war sie bereits ein Star in der Erwachsenenfilmbranche, hatte dort in über 200 Filmen mitgewirkt und 120 Millionen Aufrufe auf ihrer PornHub-Seite. Obwohl sie gerade eine Pause macht, hat sie immer noch eine aktive OnlyFans-Seite mit einem Banner, auf dem treffend steht: “Clean girl, dirty movies.”

Auch sonst weiß Chloe ganz genau, wie sie Social Media zu ihren Gunsten nutzen kann und knackt mit ihren schamlosen TikToks regelmäßig die Millionengrenze - durch ihren Instagram-Account wurde sogar der Euphoria-Showrunner Sam Levinson auf sie aufmerksam. Weil ihre Posts und Stories Sam so gut gefielen, zeigte er sie dem Castingdirektor, der sie per DM zu einem Vorsprechen einlud. Chloe ging zuerst von einem Scherz aus, doch nachdem sie ein Video eingereicht und persönlich vorgesprochen hatte, gehörte die Rolle der mysteriösen Faye tatsächlich ihr.

a pink haired chloe cherry pouting and holding colored strings over her naked chest

Ursprünglich sollte Faye in der Staffel nur eine Nebenrolle spielen, aber nachdem Chloe die Rolle übernommen hatte, wurde ihr Charakter ausgebaut. "Niemand hätte die Rolle auch nur annähernd so gespielt, wie ich sie interpretiert habe", sagt Chloe selbstbewusst, als wir sie darauf ansprechen. „ Vieles von dem, was ich in Euphoria sage, ist übrigens improvisiert.“

In den ersten beiden Episoden der neuen Staffel sehen wir Faye dabei zu, wie sie sich eine Spritze in den Oberschenkel sticht, wie sie auf Hauptcharakter Rue losgeht und sie eine "verdammte Junkie-Schlampe" nennt, wie sie sich nackt auszieht, bevor sie von einem Dealer mit dem Kopf gegen eine Wand geschlagen wird und wie sie in einem Lüftungsschacht der Polizei entkommt. Das ist eine Menge Action für eine Nebenfigur und ein ziemlich spekakuläres Hollywood-Debüt für Chloe.

Wir haben uns mit Chloe getroffen, um mehr über ihren Weg vom Kleinstadt-Theaterkind zur Pornodarstellerin, bis hin zum gefeierten HBO-Star zu erfahren.

**Chloe, was machst du gerade so in L.A?
**Ich schaue mich gerade nach verschiedenen Möglichkeiten für Vorsprechen um und sehe mir außerdem eine ganze Menge Filme an, um mir etwas mehr Wissen anzueignen. Mein Leben fühlt sich so viel langsamer an, als zuvor in der Pornoindustrie. Es ist eine unglaublich schnelllebige Branche, es hat diesen Drehtür-Aspekt. Ich bin dankbar, an einem Punkt in meinem Leben angekommen zu sein, an dem ich die Möglichkeit habe, auch mal eine Pause einzulegen. Die letzten fünf oder sechs Jahre habe ich ununterbrochen gearbeitet.

chloe cherry posing in a trench coat in front of a white wall
chloe cherry with her hands in her hair and tongue out wearing black underwear and high socks

Lass uns ein wenig weiter ausholen: Du hast erzählt, dass du in der Schule in Pennsylvania an Improvisationskurse teilgenommen hast. Wie bist du dazu gekommen?
Ich habe mit Ballett angefangen, als ich drei Jahre alt war. Irgendwann wurde mir das zu streng, deshalb bin ich zu Jazz gewechselt, was mich schließlich zu Musical-Performances gebracht hat. So habe ich gemerkt, dass die Schauspielerei das ist, was mich wirklich interessiert. Was mich daran am meisten fasziniert, ist es zu improvisieren. ich mag es, wenn es um mehr geht, als nur darum, seine Texte auswendig zu lernen.

Hattest du damals schon das Gefühl, dass es der richtige Beruf für dich sein könnte? 
Ja! Ich hatte immer das Gefühl, dass das Auftreten eine Fähigkeit ist, die ich besitze und die andere nicht haben. Ich war nie nervös, wenn ich auf einer Bühne oder vor einer Kamera stand. Mir ist es auch vollkommen egal, wie ich wahrgenommen werde und ob man mich seltsam finden. Ich fühle mich schon immer dazu hingezogen, Dinge auszuprobieren, die andere Menschen nie tun würden. Irgendwann ist mir klar geworden, dass man die verrücktesten Sachen machen kann, solange man es selbstbewusst tut.

**Dieses Selbstbewusstsein hat es dir wahrscheinlich auch ermöglicht, viele Jahre in Pornos mitzuwirken. Hast du dabei eigentlich viel gelernt, was du jetzt als Seriendarstellerin anwenden kannst?
**Definitiv, es war das beste Training für mich, denn in Pornos wird viel improvisiert. Wenn man eine halbwegs glaubwürdige Interaktion mit seinem Co-Star hinbekommt und dann noch guten Sex hat, dann schafft man es, einen tollen Film zu produzieren. Es war also eine gute Vorbereitung auf die Schauspielerei, vielleicht der ultimative Crashkurs.

Als ich zum ersten Mal auf einem Hollywood-Set war, dachte ich: “Holy shit. I know exactly what I'm doing.” Ich weiß, wie ich im Licht stehen muss, wie ich in die Kamera schauen sollte, wie ich mein Timing hinbekomme und wie ich meinen Körper positionieren muss.

chloe cherry with eyes wide sticking her finger in her mouth

Wie war es für dich, über Instagram für Euphoria gecastet zu werden?
Am Anfang dachte ich natürlich nicht, dass es sich um eine echte Anfrage handelt. 2019 schrieb mir jemand eine Nachricht, in der stand: "Hey, hier ist Euphoria. Wir wollen unbedingt, dass du für eine Rolle in der zweiten Staffel vorsprichst." Ich dachte mir: "Warum sollte jemand von Euphoria mich kontaktieren? Und warum würden sie es über Instagram tun?"

Zu diesem Zeitpunkt habe ich noch bei meiner Mutter gewohnt und sie hat mich motiviert, eine Probeaufnahme zu machen. Die Produzenten von Euphoria hatten mir diesen Clip aus dem Film Hustle & Flow geschickt und darum gebeten, dass ich mich beim Lesen des Textes aufnehme. Ich dachte nicht, dass es irgendwo hinführen würde, aber kurz darauf wurde ich zu einem persönlichen Vorsprechen eingeladen. Ich war mir zu diesem Zeitpunkt immer noch sicher, dass sie schlussendlich für jemanden mit mehr TV-Erfahrung oder einem professionelleren Video entscheiden würden. Als sie mir die Rolle wirklich gegeben haben, konnte ich es gar nicht fassen.

Bei meinem ersten Treffen mit Sam Levinson hat er mir gesagt: „Ich liebe es, mir deine Instagram-Stories anzusehen. Du musstest einfach vorsprechen. Ich habe wirklich gehofft, dass du gut bist.“ What the fuck? You're my fan? I’m your fan.

chloe cherry smiling wide wearing an argyle sweater and holding a bouquet of flowers

Als du gecastet wurdest, hattest du da eine Vorstellung davon, wie groß deine Rolle sein würde?
Die ursprüngliche Figur war eigentlich eine viel, viel kleinere Rolle. Sie sollte nur kurz als Stripperin auftreten. Es gab anscheinend unzählige Leute, die für die Rolle vorgesprochen haben. Als ich gecastet wurde, hat Sam die ganze Figur so umgestaltet, dass sie viel präsenter wurde. Sam vergibt nur an die Leute Rollen, bei denen er sich wirklich sicher ist. Er hat an mich geglaubt. Ein großer Teil meiner Figur entstand durch gemeinsames Brainstorming. Wir haben am Set viel geredet und festgestellt, dass wir eine Menge gemeinsam haben, das hat natürlich auch geholfen.

Wie hast du die Rolle der Faye angelegt? Welche Art von Einstellung oder Attitüde sollte sie haben?
Faye interessiert sich für nichts anderes als für ihr Dope. Aber ich mochte die Idee, dass sie frech und zickig ist und diese Barbie-Ausstrahlung hat, obwohl sie heroinabhängig ist. Sie ist ein sehr intensiver, düsterer Charakter, der es aber trotzdem schafft, Selbstvertrauen auszudrücken. Sie hält sich immer noch für etwas Besseres, obwohl sie viel tiefer im Drogensumpf versunken ist, als alle anderen im Film. Es ist ihre Art, sich selbst zu schützen.

Wie war es für dich, mit Zendaya zu arbeiten? 
Es ist schockierend, wie normal und entspannt sie ist. She's just a real person. I’m so happy that she's my generation's A-lister. Man kann sich mit ihr wirklich identifizieren, sie ist ein Vorbild.

In einer idealen Welt, was steht da als Nächstes für dich an?
Ich würde gerne bei einer American Crime Story mitmachen und darin die Verbrecherin spielen. Ich würde auch gerne in die Comedywelt einsteigen und etwas mit dem Komiker Bo Burnham machen, wie eine abendfüllende Mockumentary, die komplett improvisiert ist. Ich glaube, da wäre ich ziemlich witzig. Lose Handlung, viel Improvisation? Das ist definitiv mein Ding.

a close up of chloe cherry with pink hair holding flowers

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Fotograf: Zach Sokol

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