Links: Renze, Mitte: Reilly, Rechts: Daan

Was extremer Haarausfall mit dem Selbstbewusstsein junger Männer macht

Fotografin Alifya Al-Harazi hat drei Jungs aus den Niederlanden getroffen, die mit der seltenen Autoimmunkrankheit Alopecia areata leben

von Alifya Al-Harazi
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27 November 2018, 3:51pm

Links: Renze, Mitte: Reilly, Rechts: Daan

Wir nehmen unsere Haare als selbstverständlich hin und betrachten immer wechselnde Frisuren als Teil unserer Identität. Aber was passiert, wenn plötzlich alle deine Haare ausfallen? Die Fotografin Alifya Al-Harazi ist dieser Frage mit ihrer Kamera auf den Grund gegangen und hat drei niederländische Jungs dokumentiert, die an Alopecia areata leiden. Das ist eine Autoimmunerkrankung, die dein Immunsystem und Teile deines Körpers angreift – in diesem Fall gesunde Haarfollikel. Auch wenn keine weiteren Gesundheitsrisiken damit einhergehen, kann sich der Verlust von Haaren negativ auf das Selbstbild auswirken.

Al-Harazi hat nicht nur wunderschöne, verträumte Bilder der drei geschossen, sondern sie auch gleich gefragt, wie sie es schaffen, sich nicht von der Krankheit unterkriegen zu lassen.

Drie jongens op een hek

Reilly Do Rosario

"Wenn ich an Schönheit denke, kommt mir nicht sofort das Aussehen in den Sinn. Mir geht es um Persönlichkeit und Charaktereigenschaften. Wenn eine Person liebevoll ist und sich um ihre Mitmenschen kümmert, macht sie das automatisch schön – egal wie sie aussieht.

Ich leide an Alopecia seit ich vier Jahre alt bin. Kinder in diesem Alter können wirklich gnadenlos sein, sie haben mich ausgelacht und blöde Bemerkungen gemacht. Deswegen habe ich immer einen Hut getragen und hatte Angst, ihn abzunehmen, wenn andere Kinder dabei waren. Ich habe immer so getan, als würde ich es nicht an mich heranlassen und trage auch heute noch Kopfbedeckungen, um die Krankheit zu verstecken. Auch wenn ich sie immer noch nicht vollständig akzeptiert habe, fühle ich mich trotzdem selbstsicherer, darüber zu reden. Ich schließe langsam Frieden mit der Krankheit.

Ich weiß, dass viele Menschen Probleme mit sich selbst haben, aber das Leben ist dazu da, um es zu genießen. Warum sollte dich die Meinung anderer aus der Bahn werfen? Sobald du dich akzeptierst, wirkst du attraktiv auf andere – egal wie du aussiehst."

@reillyfreemn

Drie jongens van achteren gefotografeerd

Renze van Jaarsveld

"Mein Haar ist langsam ausgefallen, als ich 10 war. Es hat ein paar Jahre gedauert, bis ich das akzeptieren konnte. Die ersten zwei waren die schwersten, aber nach einer Weile habe ich es gar nicht mehr wirklich bemerkt. Ich habe sehr viel Unterstützung von meiner Familie und meinen Freunden bekommen: Alle haben gesagt, dass es cool ausschaut – das hat mir echt geholfen! Klar, manchmal habe ich in den Spiegel geschaut und gecheckt, dass ich anders bin. Das hat sich manchmal ziemlich schmerzhaft angefühlt. Wie viele andere Männer mit Alopecia habe ich versucht, meinen kahlen Kopf unter einer Cap zu verstecken. Wenn du 13 bist, hebst du dich mit einer Cap nicht wirklich von der Masse ab. Aber je älter du wirst, desto weniger Lust hast du, jeden Tag eine Kopfbedeckung zu tragen.

Im Winter wird mein Kopf sehr schnell kalt, im Sommer muss ich dagegen aufpassen, keinen Sonnenbrand zu bekommen. Meine Augen sind sehr empfindlich, weil ich keine Wimpern besitze, die sie vor Staub oder Dreck schützen. Einige Leute denken, ich hätte Krebs, was etwas seltsam wird, wenn sie dich plötzlich mitleidig anschauen.

Mich selbst zu akzeptieren, war schwer, aber möglich. Gemeinsam mit meiner Schwester habe ich ein Label, La Fam, und für Fotoshootings suchen wir uns immer Models, die nicht in das Muster gängiger Schönheitsideale fallen. Mich interessieren Leute, die Dinge auf ihre eigene Art und Weise machen. Hab' also keine Angst vor deinen angeblichen Makeln, sondern lache lieber ein bisschen öfter über dich selbst – das hat noch nie geschadet."

@renzuuuu

Twee jongens in een omhelzing

Daan Koens

"Ich habe erst mit der Krankheit leben gelernt, als ich 21 wurde. Bewusst habe ich mich dazu entschieden, keine Caps mehr zu tragen, um meine fehlenden Haare zu verstecken. Darauf hat jeder positiv reagiert, was das Ganze einfacher für mich gemacht hat. Die Probleme, mit denen ich früher zu kämpfen hatte, kamen vor allem durch meine eigenen Ängste – wie zum Beispiel keine Freundin zu finden und meine Unsicherheit nie ablegen zu können. Wenn ich jemandem da draußen einen Rat geben kann, dann keine weinerliche Bitch deswegen zu sein. Warum machst du dir überhaupt so viele Gedanken darüber, was andere über dich denken?"

@daanjkoens

Drie jongens met ogen dicht

Dieser Artikel stammt ursprünglich von unseren Kollegen aus der niederländischen Redaktion.

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