Diese Fotografin erforscht die kulturelle Bedeutung von Haaren

"Für mich als Frau symbolisieren Haare Macht. Es macht Spaß, diese Idee auszureizen."

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Okt. 1 2018, 2:01pm

Als Kind macht man allerlei Dummheiten. Stiehlt ein paar Süßigkeiten im Kiosk um die Ecke oder die leckeren Äpfel des Nachbarn – im Falle von Sabrina Santiago war es die Einwegkamera ihres Vaters, die sie auf Familienurlauben zu ihrem Eigentum erklärte. "Ich habe es geliebt, die Fotos zum Entwickeln zu bringen, sie danach abzuholen und die physische Kopie des Bildes zu betrachten", erzählt die Fotografin weiter. "Es ist schön, dass ich auf dem Screen nicht sehen kann, was genau ich gerade mache. So habe ich mehr Raum für Experimente und Fehler", sagt sie. "Nachdem ich den Film zum Entwickeln gebracht habe, fühle ich mich zwar immer zwischen Angstzuständen und Vorfreude, trotzdem könnte ich ohne dieses Gefühl nicht leben."


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Die 22-jährige NYU-Absolventin ist fasziniert von den alltäglichen Momenten des Lebens und davon, wie Fotografie die echte Welt mit der Fantasie verknüpft. Das beweist sie auch in ihrer neuesten Serie On Hair, das eine einfühlsame Reflexion von Individualität und kultureller Identität in sich vereint. "Für mich waren Haare schon immer auch ein Symbol von Kraft und Einmaligkeit. Ich hoffe, dass meine Bilder diese Schönheit transportieren können."

"Mit meinen Haaren kann ich meine Identität ausdrücken und ein Statement setzen. Für mich als Frau symbolisieren Haare Macht. Es macht Spaß, diese Idee auszureizen." - Elle

In einem Zeitraum von drei Wochen hat Santiago die Straßen von New York City erkundet und eine Fotoserie geschaffen, die nicht nur Haare, sondern auch ihre Träger in den Mittelpunkt rückt. Wir haben uns mit der Fotografin in Brooklyn getroffen, um mehr über ihre Faszination für Frisuren zu erfahren.

"Heute ist es hier, morgen könnte es weg sein. Es wächst. Berühre es nicht, es ist meine Krone." - Christian "Für mich sind meine Haare eine physische Verlängerung meiner Psyche; meine Antennen für das, was ich in die Welt gebe und zurückbekomme. Wenn ich meinen Afro oder meine Braids trage, kommuniziere ich damit, wer ich bin." - Tajah

Zu allererst die Basics: Wie bist du auf die Idee gekommen, Haaren eine eigene Fotoserie zu widmen?
Ich habe schon davor an einer ähnlichen Strecke gearbeitet, für die ich mehr als 40 verschiedene Friseursalons in der Nachbarschaft besucht habe, um mit Menschen über die Verbindung zu ihren Haaren zu sprechen. Jemand meinte mal zu mir, dass er jedes Mal an mich denken muss, wenn er jemanden sieht, der Denim trägt und große Locken hat. Haare haben Wiedererkennungswert. Außerdem war es schon immer ein Thema, das mich beschäftigt hat.

"Ich fühle eine starke Verbindung zu meiner Kindheit, zu den gleichen Locken meines Vaters und den alten Bildern meiner Großmutter, mit ihrem weißen Haar." - Paris

Wie hast du deine Models entdeckt?
Ich habe das komplette Casting und Styling selbst übernommen. Manche habe ich auf der Straße entdeckt, einige über Instagram kontaktiert und andere hatte ich schonmal fotografiert. Camille habe ich zum Beispiel auf der Straße gesehen und bin direkt zu ihr gerannt. Ihr Haar war in einem langen Zopf geflochten, der bis zu ihrem Hintern reichte – ich musste sie einfach anhalten! Ich finde es schön, eine Bandbreite von Menschen zu porträtieren, die eine besondere Verbindung zu ihren Haaren haben. Ihre Zitate verleihen dem Ganzen das gewisse Etwas.

"In meinem Leben habe ich bereits drei lange Zöpfe abgeschnitten und gespendet." - Camille

Welche persönliche Beziehung hast du zum Thema Haare?
Die Dicke meines Haares erinnert mich an meine pakistanische Seite, die Locken dafür eher an meine puerto ricanische. Haare symbolisieren Macht, Identität und Stärke. Sie können ein Merkmal sein, das dich einmalig macht, gleichzeitig beeinflusst es auch die Art, wie Menschen dich wahrnehmen.

"Meine Haare reflektieren meine Identität. Ich denke, dass Frauen of Colour – egal woher sie kommen – ihr Haar als kulturelle Erweiterung ihrer selbst betrachten." – Akua

Warum glaubst du, dass Haare zu so einem relevanten Gesprächsthema geworden sind?
Einer meiner Models hat mir gesagt, dass Haare mit der Kultur verbunden seien. Aber nicht nur damit, sondern auch mit der Religion. Sogar in der Bibel gibt es Passagen, in denen Menschen über ihre Verbindung zum Haar sprechen. Sie sind ein Teil unserer physischen Erscheinung, aber manchmal denken wir, sie seien nicht wichtig weil es sich oberflächlich anfühlt. Egal, ob deine Locken dich an deine Großmutter erinnern oder deine Haarfarbe der deiner Mutter gleicht – Haare sind ein Teil von dem, wer wir sind.

@_sabrinasantiago

"Meine Haare haben viele Phasen in meinem Leben überlebt. Langsam bekomme ich aber graue Haare." - Isabella "Meine Haare sind zu so einem entscheidenen Teil von mir geworden und dafür, wie mich Leute wahrnehmen. Trotzdem mag ich die Tatsache, dass ich sie jederzeit verändern kann, wenn ich mich danach fühle." - Emily
"Ich trage meine Haare nun seit sechs Jahren natürlich, bin aber trotzdem gerade erst dabei, sie in ihrer reinsten, natürlichsten Form lieben zu lernen." - Bria
"Als ich klein war, hat meine Mutter meiner Schwester und mir jeden Abend die Haare gekämmt und geflochten. Dieses Ritual hat eine tiefe Liebe zu mir selbst etabliert und es mir ermöglicht, die Schönheit auch in anderen zu erkennen. Außerdem machte es mich stolz, so viele wunderschöne Kulturen in mir zu tragen." - Dakota
"Durch Meine Haare und meine Körperbehaarung fühle ich mich selbstbewusst und schön." - Jenny

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.