Das ist der kreativste Make-up-Artist auf Instagram

Von aufgesprühten Science-Fiction-Augenbrauen bis hin zu Aufklebern im Gesicht: Es gibt nichts, was Juliana Horner nicht ausprobieren würde.

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Apr. 4 2017, 3:20pm

Juliana Horner weiß selbst nicht, warum sie so viele Instagram-Follower hat. Wenn man aber durch ihre Fotos scrollt – mit dem Erdbeer-Augen-Make-up, dem metallfarbenen Nagellack mit Aufklebern –, versteht man schnell, warum ihr Account so eine Social-Media-Sensation wurde. Geboren ist sie in Knoxville, aufgewachsen in Nashville und großgeworden in einem kreativen Haushalt mit sechs Geschwistern und einer Vorliebe für Technologie. Nachdem Horner 2014 ihren Abschluss in Modedesign am New Yorker Pratt Institute gemacht hat, ist sie wieder zurück nach Nashville gezogen.


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Nach eigener Aussage sei New York ein zu schwieriger Ort gewesen, um sich selbst zu finden, und auch einfach zu stressig. Danach hat sie hauptsächlich gemalt und gezeichnet und angefangen, mit Make-up zu experimentieren. Was eigentlich als Hobby begann, hat sich zu einer Leidenschaft entwickelt. Der Erfolg hat ihre Erwartungen bei Weitem übertroffen. Mit einer Ästhetik, die an David Bowies Ziggy-Stardust-Zeit erinnert hat sie mittlerweile über 38.000 Instagram-Follower. Wir wollten mehr über Horner wissen, dessen Erkennungszeichen feuerrote Haare sind, und haben ihr ein paar Fragen gestellt.

Wie bist du zum Make-up gekommen?
Ich habe in der sechsten Klasse Hausarrest bekommen, weil ich mich geschminkt und meine Augenbrauen zu stark gezupft hatte. Die sahen ziemlich schlimm aus. Im Schlafsack in meinem Kleiderschrank hatte ich aber einen geheimen Vorrat an Make-up, so hatte ich immer Zugang dazu. In der Highschool habe ich die Editorials aus der Teen Vogue nachgeahmt, das fand ich unglaublich befriedigend. Da habe ich begriffen, dass ich mich selbst schminken kann und die Leute haben angefangen mich zu fragen: "Hey, wie hast du das gemacht?".

Wer inspiriert dich?
Björk ist wahrscheinlich meine größte Inspiration, die mich schon Jahre lang begleitet. Zu anderen Einflüssen gehören Yayoi Kusama, David Bowie, Grace Jones und Haruki Murakami. Und ich war früher besessen von Audrey Hepburn. Mich beeindrucken Menschen, denen egal ist, wie andere etwas machen.

Wie definierst du Schönheit?
Für mich ist Schönheit ein Wechsel zu dem, was man normalerweise sieht. Sie ist ein Bruch mit der Realität und transportiert uns an einen anderen Ort.

Spielt es eine Rolle für deine Arbeit, dass du in einer kleinen Stadt lebst?
Das gibt mir Raum! Ich bin zu 50 Prozent eine gesellige und zu 50 Prozent keine gesellige Person. Nashville ist ein guter Ort für so jemanden wie mich. Es ist nicht zu klein und nicht zu groß und hier gibt es viele gute Vintage-Läden. Wenn ich alleine bin, lade ich meine Batterien wieder auf und so entstehen dann auch die besseren Kunstwerke.

Inwieweit unterscheiden sich deine Leidenschaft für Kunst von der für Make-up?
Bei der Kunst fängt man bei null an, beim Make-up hast du gewisse Grenzen. Ich finde beides gleichermaßen gut. Als ich damit angefangen habe, Make-up-Fotos zu posten, die eine größere Resonanz gefunden haben als meine Kunst, war ich erst frustriert. Jetzt ist es mir egal. Die Menschen reagieren auf echte Gesichter anders als auf gezeichnete. Sie können sich mehr damit identifizieren. Ich werde immer daran arbeiten, die verschiedenen Richtungen in meiner Kunst zu vereinen: Make-up, Video, Zeichnen, Schneiden, Design und Mode. Das fühlt sich manchmal an, als ob ich mehrere Dinge gleichzeitig in meinen Armen halte und sie mir beim Laufen herunterfallen. Aber wenn dann mal alles passt, dann passt es eben.

Wie kommst du auf einen Make-up-Look?
Mir kommen manchmal spontan Ideen, die ich auch gleich umsetzen muss. Dann gibt es wiederum Ideen, die sich langsam im Laufe einer Woche entwickeln, nachdem ich ein Bild oder eine Blume gesehen habe, nach einer Wanderung oder nach einem Gespräch. Irgendwann kommt die Idee. Manchmal fange ich auch einfach an, in meinem Gesicht rumzukritzeln und es kommt etwas Cooles dabei heraus. Das ist aber das Schwierigste, weil ich danach das Make-up auftragen muss. Wenn ich einen Fehler mache, war's das.

Bedeutet dir deine Social-Media-Präsenz etwas und wie unterscheidet sie sich von deinem Leben?
Ab und zu tue ich so, als ob das alles nicht existiert und manchmal glaube ich das auch. Ob es sich von meinem wahren Leben unterscheidet, kann ich nicht sagen, weil ich kaum beeinflussen kann, wie der Account auf andere wirkt. Ich betrachte das alles als eine Art Garten, den ich pflege. Im wahren Leben habe ich Probleme damit, die drei Pflanzen in meinem Zimmer zu gießen. Ihnen geht es aber gut und sie sind am Leben.

Woran arbeitest du im Moment noch?
Ich bin gerade in der finalen Phase von zwei Musikvideos, die ich einmal für Thelma and the Sleaze und Ruby the Rabbitfoot gedreht habe. Momentan bin ich vom Filmemachen und Schnitt besessen. Ich stoße ständig in neue Gebiete vor. Mein Problem und gleichzeitig auch die Lösung dafür ist, dass ich liebe, was ich tue.

@claropsyche