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alles, was du über william eggleston wissen musst — laut eggleston selbst

Ist er ein fotografisches Genie? Aber natürlich!

von Clementine de Pressigny
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24 März 2017, 10:32am

William Eggleston, Louisiana, 1971-1974, from the series Los Alamos, 1965-1974 © Eggleston Artistic Trust / Courtesy David Zwirner, New York/ London

Aktuell gibt es in der Amsterdamer Foam Gallery eine Ausstellung mit William Egglestons Los Alamos-Arbeiten zu sehen. Die 75 Fotografien entstanden zwischen 1966 und 1974 und nehmen dich auf einen amerikanischen Roadtrip mit — sie sind eine Zeitkapsel voll mit wunderschönen Banalitäten, gesehen durch William Egglestons Linse. Von seiner Heimatstadt Memphis, Tennessee, über das Mississippi Delta, New Mexico und Nevada bis nach Südkalifornien hat er Straßenschilder, Diner-Szenen, Parkplätze und weitläufige Himmelslandschaften festgehalten. Vor seinem demokratischen Blick, wie Eggleston ihn selbst beschrieben hat, ist alles gleich.

Die Fotografielegende - ein Südstaaten-Aristokrat mit einer Vorliebe für Waffen, Frauen, Rauchen und Trinken - ist so oft interviewt worden, wie er das zugelassen hat. Experten und Kritiker haben sich unzählige Stunden mit seinen Werken befasst, um seiner fotografischen Brillanz auf den Grund zu gehen. Für Eggleston selbst allerdings liegt die ganze Bedeutung seiner Arbeit genau in dem, was du darin siehst. Anlässlich seiner aktuellen Ausstellung präsentieren wir an dieser Stelle: Eggleston selbst über Eggleston.

William Eggleston, En Route to New Orleans, 1971-1974, from the series Los Alamos, 1965-1974 © Eggleston Artistic Trust / Courtesy David Zwirner, New York/ London

Er weiß, dass er brillant ist - er hat es schon immer gewusst. Und macht keine Hehl daraus. 

Auf die Frage, ob er ein Genie ist, antwortet er mit den Worten: „Schon, ja."
New York Times Style Magazine, 2016

„Die ersten Kritiken waren sehr feindselig, aber die haben mich nicht gestört — ich hatte diese Attitüde, dass ich recht habe. Die bemitleidenswerten Kritiker verstanden die Arbeiten einfach überhaupt nicht. Das tat mir leid, aber es hat mir nichts ausgemacht."
— Interview Magazine, 2008

„Die einzigen Bilder, die ich mag, sind die, die ich gemacht habe."
New York Times Style Magazine, 2016

William Eggleston, Santa Monica, 1974, from the series Los Alamos, 1965-1974 © Eggleston Artistic Trust / Courtesy David Zwirner, New York/ London

Er mag es überhaupt nicht, seine Arbeiten zu analysieren.

„Ein Bild ist, was es ist. Und ich habe noch nie gemerkt, dass es hilft, über sie zu sprechen oder bestimmte Fragen zu ihnen zu beantworten, geschweige denn freiwillig Informationen preiszugeben. Es würde keinen Sinn ergeben, sie zu erklären. Es schwächt sie sogar. Die Leute wollen immer wissen, wann etwas fotografiert wurde, wo es fotografiert wurde und - Gott weiß warum - warum es fotografiert wurde. Es nimmt extrem lächerliche Züge an. Ernsthaft, sie sind direkt vor dir, was auch immer sie sind."
— the Guardian, 2004

„Michael Benson, Kurator, Candlestar, London: Die Schriftstellerin Donna Tartt meint, ‚einen Funken Gefahr' in ihren stärksten Fotografien zu erkennen. Stimmen sie dem zu?"
Eggleston: „Nein."
— The Independent, 2013

Das geht so weit, dass er seine Fotos selten mit Bildunterschriften versieht. Er gibt nichts preis, was sich nicht durch die Betrachtung erschließt.

„Ich fand nie, dass Titel irgendeine Hilfe sind. Tatsächlich können sie einen in vielerlei Hinsicht ablenken. Wenn das Bild aber genug hergibt, wie sollen sie dann helfen? Das einzige, was sie ergänzen würden, ist Verwirrung."
Leica World, 2002  

William Eggleston, Memphis, 1971-1974, from the series Los Alamos, 1965-1974 © Eggleston Artistic Trust / Courtesy David Zwirner, New York/ London

Und wenn es mit der Fotografie nichts geworden wäre?

„Quantenphysik."
— New York Times Style Magazine, 2016

„Die Menschen, denen ich mich am nächsten fühle, sind wohl Stephen Hawking und mein verstorbener Freund Carl Sagan. Ich bin zum falschen Zeitpunkt auf die Welt gekommen, um Herrn Einstein kennenzulernen. Ich glaube, wir machen das gleiche — so komisch sich das auch anhört. Das Studium, die Bilder, ... am Ende fasst [die Physik], genau wie [die Fotografie], Wahrscheinlichkeiten zusammen. Nicht zu verwechseln mit Möglichkeit oder dem, was akkurat vorausgesehen werden kann. Es ist einfach etwas, das wahrscheinlich passiert."
— W Magazine, 2016

William Eggleston, Memphis, 1971-1974, from the series Los Alamos, 1965-1974 © Eggleston Artistic Trust / Courtesy David Zwirner, New York/ London

Er ist so gut, er könnte sogar blind fotografieren.

„Ich fotografiere jede Sache nur einmal. Wortwörtlich. Niemals zweimal. Dieses Bild ist dann gemacht und das nächste wartet woanders."
— The Guardian, 2004

„Ich mache mir nie im Vorfeld Gedanken. Wenn ich dorthin komme, passiert etwas und im Bruchteil einer Sekunde entsteht das Bild."
— New York Times Style Magazine, 2016

„Ich habe es früher schon gesagt: Ich glaube, ich könnte blind fotografieren, wenn ich müsste ... Ich schaue oft gar nicht durch die Kamera. Das kommt dem Blindsein schon sehr nahe."
Interview Magazine, 2008

„William Eggleston - Los Alamos" läuft vom 17. März bis 7. Juni 2017 in der Foam Gallery, Amsterdam.

Credits


Text: Clementine de Pressigny