im gespräch mit ólafur arnalds

Ólafur Arnalds zeigt uns mit „The Chopin Project“ wieder einmal, dass klassische Musik sexy ist.

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13 Juli 2015, 2:25pm

Olafur Arnalds ist der 28-jährige BAFTA-Award-Gewinner, der neben Nils Frahm klassische Musik jung und auch ein bisschen sexy macht. In Interviews ist er witzig und gleichzeitig zurückhaltend, auf der Bühne wirkt er so, als würde er sich ganz und gar in der Musik verlieren und diverse YouTube-Videos zeigen, dass er auch für Scherze zu haben ist. Seine Musik ist vielleicht manchmal etwas dramatisch, hat jedoch unglaublich viel Tiefgang und lässt einen träumen. Klassische Musik, die nicht im üblichen Sinn perfekt ist, wenn man zum Beispiel die Hin­ter­grund­ge­räusche hört, die bei den Aufnahmen entstehen. 

Für seine neues Projekt „The Chopin Project" hat sich Arnalds mit Alice Sara Ott zusammengetan, um die alten, etwas verstaubten Werke von Chopin auf eine neue Art zu interpretieren und sie so ins 21. Jahrhundert zu befördern. Wir könnten uns schon von der Live-Qualität dieser Stücke überzeugen und waren so begeistert, dass wir es uns nicht nehmen ließen, dem jungen Isländer ein paar Fragen zustellen.

Was war die Hauptidee hinter „The Chopin Project"?
Ich wollte Chopins Musik auf eine andere Weise wie die übliche hören. Ich war gelangweilt vom immer gleichen Klassik-Sound und den üblichen Best-of-Compilations. Die Idee ist letztlich so: Was wäre, wenn Chopin noch leben würde und Musik in einem Albumformat hätte machen müssen?

Hast du eine persönliche Bindung zu Chopins Musik?
Meine Großeltern haben mich als Kind an Chopins Musik herangeführt. Die Musik weckt immer Erinnerungen an ihr Haus und sogar an den Geruch.

Wie lange hat es gedauert, das Album von Anfang bis Ende zu produzieren?
Songwriting, Aufnahmen und das Produzieren haben vielleicht zwei Monate oder so zusammen gedauert. Die meiste Zeit und Anstrengung aber flossen in den Denkprozess, als in die eigentliche Umsetzung. Es ist eine filigrane Idee und ich wollte es richtig machen.

Was war dein bester Live-Moment?
Es gibt so viele tolle Momente. Die letzte Zugabe ist immer etwas Besonderes, weil meine Band backstage spielt und die Musik langsam ausblendet. Es hat etwas Wundervolles, wenn man in einer Konzerthalle mit 1000 bis 2000 Leuten sitzt und jeder verharrt in kompletter Stille. Keiner bewegt sich, nicht mal ich.

Wolltest du jemals der Musik den Rücken kehren und etwas ganz Neues anfangen? 
Ja, manchmal, wenn ich von der Musikindustrie die Nase voll habe.

Was war die beste Kooperation, an der du jemals gearbeitet hast?
Ich mag es immer, mit meinem Freund Nils Frahm zusammenzuarbeiten. Es ist jedes Mal wieder eine inspirierende Zeit.

Wie hat sich deine Musik bzw. der Entstehungsprozess deiner Musik in den letzten Jahren verändert?
Ich denke, sie ist erwachsener geworden. Wie ich. Es ist jetzt subtiler. Ich brauche nicht mehr so viel Drama.

Hat sich durch das Scoring die Arbeit an deinen persönlichen Projekten geändert?
Ich habe von jedem Scoring-Projekt durch die Zusammenarbeit mit verschiedenen Kreativen viel gelernt. Außerdem habe ich gelernt, wie wichtig es ist, sich auch mal zurückzuhalten und die Dinge nicht überzudramatisieren.

Wird klassische Musik durch solche Projekte einem jüngeren Publikum zugänglicher? Wird sie dadurch sexy?
Das hoffe ich! Ich denke, dass das Problem von klassischer Musik, und warum sie nicht so viel jüngere Zielgruppen erreicht, liegt an der Art und Weise, wie sie verpackt wird. Die Leute wollen heutzutage Alben und Singles mit Musikvideos sehen. Sie wollen auf Konzerte mit Lichtern und visuellen Elementen gehen.

Sie wollen eine persönliche Verbindung mit der Musik fühlen, sie wollen sich mit ihr identifizieren können. Und das ist ein bisschen schwierig, wenn irgendein alter Dirigent auf dem Cover mit dem falschesten Lächeln aller Zeiten ist. Und dieser Dirigent dirigiert Musik einer gesichtslosen Person, die vor hunderten Jahren gelebt hat.

Was ist das Beste am Musik machen?
Dasselbe wie beim Musik hören … Den Effekt, den es auf einen hat, wenn man sie wieder hört.

@OlafurArnalds

Live kannst du dir dieses wunderbare Projekt am 07.09. in Hamburg und am 10.09 in Frankfurt anhören. Wir verlosen jeweils 2 Tickets. Schreibe uns einfach eine Mail an deeditorial@i-d.co und sage uns, zu welchem Konzert du gehen willst. Mehr zum Gewinnspiel findest du hier

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Credits


Text und Interview: Alexandra Bondi de Antoni 
Bild: Hedinn Eiriksson via Mercury Classics