sängerin charlotte oc über magische orte und die schattenseiten der musikindustrie

Gegensätze ziehen sich bekanntlich an. So auch die verschiedenen musikalischen Wurzeln der britischen Newcomerin: Soul trifft auf Folk mit spirituellen und elektronischen Nuancen. Wir haben Charlotte OC anlässlich ihres bevorstehenden Album-Releases...

von i-D Staff
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16 März 2017, 8:35am

Die Leidenschaft ist Charlotte OC förmlich anzusehen, als sie freudestrahlend über ihr erstes Album erzählt. Dass die britische Sängerin mit gerade mal 18 Jahren ihren ersten Plattenvertrag bei Columbia Records unterschrieben hat und sich seither der Musik widmet, erklärt diese Euphorie nur allzu gut. Aber mal ehrlich, wer seine Musik selbst mit den Worten intensiv, dramatisch und herzlich beschreibt, scheint genau richtig aufgehoben zu sein. Ihr Wunsch, sich ihrem Publikum zu offenbaren, und dabei so ehrlich wie möglich zu sich selbst und ihren Fans zu sein, macht die junge Britin nicht nur musikalisch interessant, sondern weckt auch unsere Neugierde auf ihr erstes Album „Careless People", das Ende des Monats erscheinen wird. Wir haben die Sängerin zum Interview getroffen, um uns mehr über ihre musikalischen Wurzeln und die rücksichtslosen Menschen in ihrem Leben erzählen zu lassen.

Was war die größte Herausforderung in deiner bisherigen Musikkarriere?
Die Schattenseiten der Musikindustrie zu sehen, als ich noch sehr jung war. Das hat auch die Tonalität meiner Musik inspiriert. Ich bin eines von drei Mädchen — noch dazu die Jüngste — und ich hatte immer das Gefühl, dass ich vor all dem Bösen abgeschottet wurde. Prinzipiell habe ich die Musikindustrie damals als ziemlich komisch und düster empfunden.

Generell ist deine Musik ist sehr kontrastreich und kombiniert Synth-Pop mit Folk-Elementen. Wie sehr wirst du von Gegenteilen angezogen?
Ich bin wohl der Gegensatz in Person. Ich habe so viele verschiedene Wurzeln, was mich wohl auch automatisch dazu gebracht hat, Dinge miteinander zu vermischen. Das scheint in meinen Adern zu fließen [Lacht]. Es wäre doch auch ziemlich langweilig, immer nur die gleichen Dinge von etwas zu haben, oder nicht?

Kannst du uns ein bisschen mehr über deine Wurzeln verraten?
Meine Mama ist halb malawisch / halb indisch und mein Vater irisch mit spanischen Wurzeln. Ich bin mit Leonard Cohen und den Talking Heads groß geworden, aber natürlich auch mit ganz viel Folk und Soul. Meine englische Heimatstadt, Blackburn, ist außerdem voller Mythen. Dort gibt es zum Beispiel ein Haus, in dem ein Geist sein Unwesen treiben soll und auf dem nahegelegenen Hügel sollen die Hexen von Pendle gelebt haben. Wenn du ein Kind bist, gibt es wohl kein besseres Gefühl auf der ganzen Welt als Magie. Und das inspiriert mich auch heute noch.

Dein neues Album Careless People ist eine Mischung aus surreal und real. Was möchtest du mit deiner Musik ausdrücken?
Ich habe zwei Jahre für mein Album gebraucht, weil ich sicher gehen wollte, dass es mich wirklich selbst widerspiegelt. Echt eben, ohne jetzt kitschig klingen zu wollen. Bei einigen früheren Aufnahmen habe ich mich teilweise ein bisschen verloren gefühlt, was mich noch mehr dazu gebracht hat, etwas zu machen, dass sich nach Zuhause anhört. Kein Wunder also, dass die Songs zum größten Teil von meiner Familie handeln.

Hast du ein Beispiel dafür, wer diese Careless People für dich sind?
Die Szene aus Gatsby, aus der ich dieses Zitat genommen habe, beschreibt das ganz gut. Gatsby, der arme Kerl, hat sich doch einfach nur in eine Frau verliebt, die offensichtlich einen anderen Typen hatte. Genau das passiert leider so oft. Heutzutage ist es tatsächlich eine Leistung, zu erkennen, wenn jemand nachlässig mit deinen Gefühlen umgeht. Ich habe das Album Careless People genannt, weil ich realisiert habe, dass manche Leute gut für mich waren und manche eben nicht. Was gut für dich ist, heißt im Umkehrschluss nicht unbedingt, dass es das auch für alle anderen ist.

Du benutzt viele persönliche Geschichten in deinen Liedern. Kannst du den Prozess von einer einfachen Idee bis zum fertigen Lied beschreiben?
Manchmal entspringen Ideen für meine Songs aus einer Unterhaltung und manchmal murmel ich einfach nur unterbewusst etwas vor mich hin, während ich nach einer Melodie suche. Am besten kann ich aber schreiben, wenn ich extrem angepisst bin oder Liebeskummer habe.

Wer sind deine musikalischen Einflüsse?
Gesanglich ist meine Lieblingskünstlerin Aretha Franklin, auch wenn es viele gibt. Textlich Lenard Cohen und vom Klang her Little Dragon — ich wünschte, ich wäre so cool wie sie.

Du hast eine Weile in Berlin gelebt. Hast du eine persönliche Verbindung zu der Stadt?
In Berlin fühle ich mich wirklich sehr zu Hause. Es ist schwer zu erklären warum, ohne wie ein vollkommener Irrer zu klingen, aber wohin ich auch gehe, verbinde ich Dinge mit bestimmten Gefühlen: das kann die Farbe eines Gegenstandes oder auch ein Geräusch sein.

@charlotteocofficial

Am 21. März kannst du dich live von ihrer Musik in der Berghain Kantine überzeugen, bevor ihr Album „Careless People" am 31. März erscheint. Hier geht's zum Event.

Credits


Text: Juule Kay
Foto: Nicole Nodland

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