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diese israelischen modelabels solltest du auf dem radar haben

Tel Aviv kann so viel mehr als Sonnenschein und Sandstrand, darum haben wir vier der angesagtesten Labels aus der israelischen Metropole genauer unter die Lupe genommen und dabei erfahren, was die israelische Modeszene in Wahrheit so einzigartig macht...

von i-D Staff
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29 Mai 2017, 10:15am

Vergiss London, Paris und New York (zumindest für einen kurzen Moment). Es gibt auch andere Modemetropolen fernab des gewohnten Großstadt-Glamours, die es sich lohnt, ein bisschen näher zu beleuchten. Eine davon ist Tel Aviv. Für die meisten ein beliebtes Urlaubsdomizil, für die wenigsten eine Stadt voller aufstrebender Modedesigner. Auch wenn es sie vielleicht nicht wie Sand am Meer gibt, möchten wir dir vier aufstrebende Label-Gründer vorstellen, die mit ihren Designs eine neue Ära in der israelischen Modeszene einläuten. Was die Stadt in Wahrheit so einzigartig hinsichtlich der Modeindustrie macht und welche persönlichen Erfahrung hinter ihren Anfängen stecken, möchten wir dir natürlich keinesfalls vorenthalten und haben die Designer Rede und Antwort stehen lassen. 

Eliran Nargassi

Wie bist du auf die Idee gekommen, dein eigenes Label zu gründen?
Mein Abschlussprojekt im College war eine Art Selbstporträt, das mir die Möglichkeit gegeben hat, meinen eigenen Stil genauer zu erforschen. Es hat sich sehr natürlich angefühlt, für mich selbst zu designen. Nach meinem Abschluss wurde ich dann eingeladen, an einer Ausstellung teilzunehmen, die sich mit der Definition von Ästhetik auseinandergesetzt hat. Auch wenn diese leider kurzfristig abgeblasen wurde, war ich so überzeugt von der Idee und dem Konzept, dass ich eine kleine Capsule Collection designen wollte, um die Reaktionen darauf zu sehen. Ich hatte eine gute Intuition und das Gefühl, dass es zu diesem Zeitpunkt ein Revival in der Menswear gegeben hat.

Was ist das Besondere an der Modeszene in Tel Aviv?
Dass sie im Mittleren Osten ansässig ist und die jüdische Tradition und israelische Herkunft für viele lokale Designer eine große Inspirationsquelle ist. Israel ist ein Meltingpot. Ein Land, das von Immigranten aus aller Welt erschaffen wurde. Jeder hat seine eigenen Traditionen und Sitten mitgebracht. Außerdem ist es für viele Religionen heilig, also sieht man oft Designs, die von der Religion und lokalen Architektur inspiriert wurden. Die Ergebnisse sind sehr originell und folgen keinen globalen Trends.

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Wie würdest du die israelische Mode in drei Worten beschreiben?
Originell, eklektisch und praktisch.

Gibt es etwas, das dir immer noch fehlt?
Was fehlt ist die staatliche Unterstützung. Es gibt kein staatliche Finanzierung für Modedesign. Die meisten der finanziellen Mittel werden für High Tech und medizinische Forschung genutzt. Der Mangel an Fachmännern und -frauen im Bereich der Produktion, die geringe Zahl der Fabriken und die wenigen Nähkurse sind ein weiterer kritischer Punkt, deshalb müssen lokale Designer oft nach Lösungen im Ausland suchen. 

@elirannargassi

Roni Bar

Wie bist du auf die Idee gekommen, dein eigenes Label zu gründen?
Als ich angefangen habe, Kleidung zu designen, hatte ich nicht den Hintergedanken, mein eigenes Label daraus zu machen, wie es bei vielen jungen Designern heutzutage der Fall ist. Es ist und war einfach meine Leidenschaft. Ich war einfach nur von der Idee begeistert, die Möglichkeit zu haben, selbst zu designen und zu machen, wofür ich brenne. 

Was ist das Besondere an der Modeszene in Tel Aviv?
Die Modeindustrie hier ist sehr klein. Wir haben nicht wirklich viele Möglichkeiten wie es Designer in anderen Ländern haben. Wir sind dazu gezwungen, unsere Perspektiven und die Art, wie wir als Designer denken, zu wechseln, um so das Offensichtliche wieder besonders zu machen.

Wie würdest du die israelische Mode in drei Worten beschreiben?
Flexibel, realistisch und wohl überlegt. 

Gibt es etwas, das euch immer noch fehlt?
Frieden.

@ronibar

Hannah Studio

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, euer eigenes Label zu gründen?
Als ich Nir zum ersten Mal getroffen habe, wussten wir sofort, dass wir ein eigenes Label gründen wollten. Wir teilen die gleiche Ästhetik und Leidenschaft. Wir wollten eine einzigartige Designsprache kreieren, die eine moderne Interpretation von Weiblichkeit mit Menswear-Elementen kombiniert.

Was ist das Besondere an der Modeszene in Tel Aviv?
Die jungen Designer, die ein einzigartiges Statement setzen, das traditionelles Handwerk mit Innovation und Technologie verbindet. Ich wurde zum Beispiel in eine Familie aus Schneidermeister geboren, die mir die Leidenschaft für das Schneidern mitgegeben hat, diese möchte ich aber mit einem minimalistischen Ansatz und funktionellen Elementen verbinden.

Wie würdet ihr die israelische Mode in drei Worten beschreiben?
Modern, edgy und innovativ.

Gibt es etwas, das euch immer noch fehlt?
Die Modeindustrie in Israel ist sehr klein und im Vergleich zum Ausland noch nicht wirklich erschlossen. Also braucht es viel Anstrengung, um die hohe Qualität zu halten. Trotz dieser Schwierigkeiten sieht man viel Entwicklung hinsichtlich neuer Materialien und Techniken unter jungen Designern in Israel. Also führt der Mangel an Materialien eigentlich zu spannenden Innovationen und zu sehr viel Kreativität.

@hannahstudio

Muslin Brothers

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, euer eigenes Label zu gründen?
Das ist sehr organisch passiert. Nach der Modeschule waren wir uns beide nicht sicher, ob wir in diesem Bereich weiterarbeiten wollten. Als wir dann aber mit modernen Tanzchoreographen zusammengearbeitet haben, haben wir darüber nachgedacht, den Designprozess als Art Improvisation zu sehen. Wir machen keine Sketches, sondern kreieren gleich etwas in 3D und tragen unsere Prototypen, um die Bewegung zu erforschen und die Reaktionen darauf zu beobachten. Wir interessieren uns dafür, Kleidung zu entwerfen, die maskulin mit feminin vermischt und so die Grenzen verschwimmen lässt. 

Was ist das Besondere an der Modeszene in Tel Aviv?
Tel Aviv ist erst 100 Jahre alt und besteht aus einem Mix aus neuen und älteren Immigranten mit mediterraner Einstellung. Also fehlt es in gewisser Weise an Tradition, gleichzeitig gibt es auch keinen Dress Code durch diese vielen verschiedenen Ethnien. Kleidung nimmt einen hohen Stellenwert ein, wenn es darum geht, sich selbst zu definieren. Außerdem lernt man hier die Designer und Produzenten hinter der Kleidung kennen, weil es keine Vermittler dazwischen gibt. 

Wie würdet ihr die israelische Mode in drei Worten beschreiben?
Klares Design, mediterran und nicht-formal.

Gibt es etwas, das euch immer noch fehlt?
Außerhalb Tel Avivs zu arbeiten, hat uns verstehen lassen, wie sehr die Politik der Stadt in unsere Arbeit eingebettet ist. Wir erforschen die Verbindung zwischen dem Kleidungsstück und seiner Umgebung, sowohl emotional als auch geographisch. Es gibt hier so viel zu entdecken, wenn man einfach nur aus dem Studiofenster schaut. In Israel zu leben, heißt aber auch, nicht zu wissen, was morgen passiert. Deswegen gibt es dieses Verlangen im Heute zu entwerfen und sich voll und ganz darauf zu konzentrieren. Es ist zwar schwierig, aber ein wirklich süchtig machender Antrieb. 

@muslinbrothers

Credits


Text: Juule Kay
Foto: Hannah Studio

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