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Mit Patchwork und Plüsch gegen das Erwachsenwerden

Kohei Nishis Designs sind schrill, bunt und verspielt. Auf Patchwork und Plüsch projiziert der Japaner sein kreatives Kopfkino und lässt Coca Cola, Camel & Co. tragbar erscheinen. Wir nehmen dich mit in die bizarre Welt des Modedesign-Studenten.

von Juule Kay; Fotos von Lukas Preisinger
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18 Juli 2016, 10:25am

Kohei Nishis Kollektion too early to be richtet sich an alle Menschen, für die es sich zu früh anfühlt, erwachsen zu werden. Und wer will das schon wirklich, um ganz ehrlich zu sein? Erwachsenwerden ist am Ende des Tages nur anstrengend, deshalb macht es umso mehr Spaß, mit den verspielten Designs des jungen Japaners einfach noch ein bisschen länger den Traum von der ewigen Jugend – ohne Verantwortung und Verpflichtungen – träumen zu können. Dass es Nishi dabei wirklich um die Einstellung geht und nicht um das Alter, hat er auch bei der Präsentation seiner Kollektion bewiesen, bei der er eine ganze Armada bunt durchmischter Altersgruppen in Plüsch und Patchwork auf den Laufsteg geschickt hat.

Inspiriert wurde seine Rebellion gegen das Erwachsenwerden in erster Linie von der Punk-Szene: Zwischen überdimensionalen, pastellfarbenen Plüsch-Teddybären und Patchwork-Kunstwerken aus alten Einkaufszetteln und Stoffresten lässt sich der kindliche Einfluss kaum übersehen. Was auf den ersten Blick jedoch nach einer wahllosen Auswahl an Alltagselementen erscheint, ist im Grunde genommen die perfekte Mischung aus naiv-kindlichen und subversiven Elementen, die sich zu einer ganz speziellen Auffassung vom eigenen Entwicklungsprozess formen. Niemals-alt-werden-wollen umgesetzt in originelle Entwürfe, die jedem Tumblr-Blog Konkurrenz machen könnten.

Erst in der Oberstufe wurde Nishi bewusst, dass er Mode studieren will. Nachdem er den Entschluss gefasst hatte, könnte sich der 24-Jährige mit nichts anderem mehr befassen. "Mich inspirieren Yohji Yamamoto und Comme des Garçons, obwohl meine Designs dann doch anders sind", erklärt der Designer.

Auch wenn der Name der Kollektion too early to be individuellen Interpretationsspielraum lässt, soll es jedem von uns selbst überlassen bleiben, was sich denn eigentlich zu früh im Leben anfühlt. Oft macht es daher mehr Spaß, keine exakten Antworten vorzugeben, sondern Fragen unbeantwortet im Raum stehen zu lassen. Also, Hand aufs Herz: Wollen wir nicht alle mal in diesem Traum aus Plüsch unser inneres Kind wieder aufleben lassen?