von soulfood, carbonara-ohrwürmern und der guten alten ddr-metzgerei

Fritz Kalkbrenner hat mit uns beim Playlist-Potluck-Abend von Sonos über die schönen Dinge im Leben gesprochen: Essen und Musik.

von i-D | Anzeige
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16 Dezember 2016, 9:05am

Wenn Fritz Kalkbrenner nicht auf Tour ist, tauscht der Berliner Produzent das Pult mit dem Herd. Statt auf der Bühne mit Tausenden von Fans und Techhouse-Bässen im Ohr zu stehen, bekocht er seine Freunde, während Soul- und R'n'B-Tracks aus den 70ern aus den Speakern summen. Der Hobbykoch ist zwar kein Foodgrammer, aber dafür ein guter Gastgeber und wirklicher Genießer natürlich auch. Letzte Woche hat er zusammen mit dem Hamburger Koch Fabio Häbel zum Playlist-Potluck-Abend geladen und seinen Freunden einen außergewöhnlichen Abend bereitet. Das Vier-Gänge-Menü wurde von viel Wein, guten Gesprächen und einer Playlist, die verbindet, begleitet. Während wir uns den Bauch mit allerlei Köstlichkeiten vollgeschlagen haben, haben wir Fritz ein paar Fragen gestellt und uns erklären lassen, was „Da Mystery of Chessboxin" von Wu-Tang Clan mit den Chili Cheese Fries von Shake Shack zu tun hat. 

Fritz, bist du ein Foodie?
Dafür koche ich zu gerne [Lacht]. Foodies sind für mich Menschen, die sich bekochen lassen und ihr Essen fotografieren. DJ Karotte ist einer, der geht in Dreisterne-Restaurants, dabei kann er nicht mal eine Pfanne halten.

Das ist bei dir anders?
Ich habe früh damit angefangen. Meine Eltern haben beide gearbeitet, also habe ich zu Hause gekocht.

Welche Musik hörst du beim Kochen?
Gerne Souliges wie von George Jackson. Privat höre ich selten elektronische Musik, es darf dann schon eher unter 115 Beats per Minute sein (House/Techno fangen circa bei 110 BPM an). Im Studio sieht das dann anders aus. Da interessiert mich Musik besonders, wenn ich nicht sofort verstehe, wie sie aufgebaut ist.

Du tauschst das Studio auch ganz gern mit dem Herd. Wo liegen für dich die Gemeinsamkeiten von Komponieren und Kochen?
Die Muße ist wichtig. Bei Musik ist es vor allem der richtige Moment und die Vorbereitung, das sehe ich beim Kochen ähnlich. Wenn man sinnentleert in die Küche steuert, geht das nach hinten los.

Welche Songs kommen dir als erstes in den Kopf, wenn du diese Gerichte hörst?
Pasta Carbonara: Es gab dieses Lied von Spliff aus den 80ern „Carbonara—e una Coca Cola, Carbonara—una Coca Cola" ... das ist ein Neue-Deutsche-Welle-Ohrwurm. Halb Italienisch, halb Deutsch. Auf meinen Teller muss Carbonara nur nicht unbedingt.

Schweinsbraten: Dazu würde was mit Akkordeon aus Süddeutschland passen, eine Marschkapelle? Die damit assoziierte Musik ist nur schlechter als das Gericht selbst. Schweinsbraten finde ich ziemlich geil.

Couscous mit Hummus und Falafel: Da denke ich an nordarabische Langflöten, was so läuft, wenn man sich Kichererbsenbällchen im Imbiss holt. Die finde ich auch ganz gut und man kann sie zu Hause leicht selber machen.

Sushi: J-Pop, der knallbunt explodiert und so anstrengend ist, dass dich die Musik schon nach drei Minuten nervt. Das war eine Erfahrung, die ich in Tokio gemacht habe. Das Sushi war super bis auf das Fischsperma, das serviert wurde. Vorsicht bei Fischsperma!

Barcelona, New York, Pekingdu bist viel auf Tour. In welcher Stadt gibt es das beste Essen?
Von der Bandbreite ist New York schon ziemlich weit vorne. In Barcelona gibt es tolle Neo-Tapas wie bei Tapas 24. Singapur ist auch unter meinen Favoriten: Du kannst für vier Euro Sterne-Essen bekommen. Die Han-Chinesen dort haben tolle Food Courts, Hallen, in denen in jeder Ecke leckeres Essen köchelt.

Wenn du so viel unterwegs bist, bleibt dir dann Zeit zum Kochen?
Auf Tour habe ich nicht mal die Zeit, mir etwas Schönes anzusehen. Dann heißt es: Flugzeug—Hotel—Club—Bett—Flugzeug. Ich koche, wenn ich zu Hause in Berlin bin. Das sind, wenn ich Glück habe, auch mal drei Tage am Stück. Ich bin eigentlich nicht mehr unterwegs als zu Hause. Man muss auch nicht jedes Jahr 220 Konzerte geben ...

Mit dem Spielfilm Berlin Calling bist du als Musiker bekannt geworden. Was hast du davor gemacht?
Musik war für mich schon früh ein Hobby. Mit 16, 17 Jahren fand ich es cool und wollte DJ sein, davon leben konnte ich aber nicht. Ich habe Verschiedenes gemacht, auch nicht so schöne Jobs, ich war lange Zeit Fernsehjournalist. Irgendwann ist die Sache mit der Musik größer geworden, es haben sich Möglichkeiten ergeben, dann kam Berlin Calling. Seitdem habe ich keinen TV-Beitrag mehr produziert.

Gibt es ein Lokal, in das du immer wieder gehst, weil dir die Musik gefällt?
Bei mir in der Ecke gibt es einen Burgerjoint, Tante Biggie, und der ist betont HipHop-lastig. HipHop liegt mir immer noch. Da stehe ich auch gerne ein bisschen länger in der Schlange.

Du bist in Ostberlin aufgewachsen. Wie hat sich die Essenskultur in Berlin in den letzten Jahren verändert?
Diese gehypten Läden gab es früher weniger. Viele sind schnell auf den gleichen Trend aufgesprungen. Ein Burgerladen hat nach dem anderen aufgemacht. Aus Foodie-Sicht natürlich eine ganz tolle Entwicklung [Lacht]. 

Vermisst du zwischen den ganzen Burgerläden DDR-Hausmannskost?
Es ist nicht so, dass ich das überhaupt nicht mehr bekomme. Es gibt in Friedrichshain die Metzgerei Domke, die kenne ich, seitdem ich ein Kind war, und da gibt es, was einem Oma so geben würde: Roulade mit Rotkohl—das ist ganz toll.

Was darf beim perfekten Dinner nicht fehlen?
Gutes Essen ist natürlich wichtig, aber ein Begleitwein auch, für mich gerne Weißwein. Da sitze ich quasi an der Quelle, denn in meinem Haus wohnt ein Weinhändler. Und natürlich die richtige Musik. 

Zurück zum Essen: Welche Gerichte kommen dir in den Sinn, wenn du diese Songs hörst:
Facing the Sun", Fritz Kalkbrenner: Das gute alte Dönerdreieck und dazu Ayran, das haben wir damals bei dem Videodreh gegessen.

„Crazy in Love", Beyoncé: Falscher Hase—wenn es darum geht, in was ich mich verlieben könnte. Den hat meine Oma immer gemacht. Hackbraten mit Ei und irgendeinem Geheimnis, dass ich bis heute nicht kenne.

„Du hast", Rammstein: Eindeutig Blutwurst, die hieß nicht umsonst tote Oma. Das gab es bei uns in der Schulspeisung aus dem Metallbottich mit der Kelle auf den Teller. Deshalb mögen so viele Ostkinder auch keine Blutwurst.

„Da Mystery of Chessboxin", Wu-Tang Clan: Chili Cheese Fries in New York bei Shake Shack.

„Cirrus", Bonobo: Fufu, Kochbananen-Eintopf würde passen. In der Nummer von Bonobo wir auch eine Sansula, ein afrikanisches Daumenpiano, gespielt, das man als Glockenspiel im Song hört.

„Aretha", George Jackson: Grits—das ist Maisgrieß mit verschiedenen anderen Zutaten, das Soulfood der Südstaatenküche. Das passt, weil der Track so Southern-Soul-mäßig klingt. Ursprünglich ein Resteessen wie Pizza, ist ganz lecker.

Was schätzen deine Freunde eigentlich mehr an dir, was du in der Küche oder als Producer kannst?
Im sozialen Umfeld sind es sicher die Kochkünste, wenn es um Gästelistenplätze geht, ist es sicher die Musik.

Magst du es, wenn andere Leute Musik für dich aussuchen?
Wenn Musik nicht mein Beruf wäre, vielleicht schon, doch so hat sich da eine gewisse Starrköpfigkeit entwickelt. Man verschließt sich schon, denn man weiß, was man gut findet. Ich bin aber auch ab und an lernbereit.

playlistpotluck.sonos.com

Credits


Text: Natalie Mayroth
Fotos: Jessica Barthel
Präsentiert von Sonos.

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