vom schnellen aufstieg der designerin julia männistö

Für das Finale hat es leider nicht gereicht. Aber unter den 23 ausgewählten Bewerbern um den begehrten LVMH-Preis zu sein, ist für Julia Männistö dennoch eine unerwartete Ehre.

von Lisa Leinen
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14 März 2016, 10:35am

Den Husten, der durch den Raum hallt, hat Julia Männistö noch aus Paris mitgebracht. Erkältet und müde, aber voller Stolz ist sie jetzt wieder in Berlin. Hier lebt die finnische Designerin erst seit wenigen Monaten. Warum ausgerechnet Berlin? „Ich brauchte Platz, Platz zum Atmen, Platz zum Leben, Platz zum Denken. Berlin ist toll. Hier macht irgendwie jeder sein Ding und dennoch ist man offen für alles, was die anderen machen." Zuvor hat sie in London studiert und gelebt, aber das wurde ihr zu teuer—und eben zu eng. „In London ist man irgendwann in so einer richtigen Fashion-Blase gefangen, und das konnte ich nicht mehr. Ich wollte mich nicht nur noch mit Mode beschäftigen, ich wollte auch noch leben, mich für andere Dinge begeistern und interessieren."

Julia Männistö gehört zu den 23 jungen Designern, die für den diesjährigen LVMH-Preis nominiert wurden. In Paris hat sie vor einigen Tagen den Juroren, Mitbewerbern und der Presse ihre Kollektion präsentiert. Wie kann man sich das vorstellen, wie ist die Atmosphäre, wenn so viele begabte Talente aufeinandertreffen und—offensichtlich—auch konkurrieren? „Alle waren nervös und dennoch war der ganze Raum aufgeladen mit einer so intensiven Energie, die sich nur schwer beschreiben lässt. Wir waren alle viel zu sehr mit uns selbst beschäftigt, um uns näher mit den anderen Kollektionen zu beschäftigen. Es blieb bei vielen nur beim Smalltalk: ‚Ahh, du New York, ich Berlin, alles Gute, und sowas.'" Ein Highlight während der Zeit in Paris? Das Treffen mit Riccardo Tisci, platzt es aus ihr heraus. Der Designer und Juror sei sehr interessiert an ihren Sachen gewesen, wollte mehr darüber wissen, über ihren Background, ihre Geschichte und die Geschichte ihrer Kollektion. Julia Männistö wurde in Kolumbien geboren, ist in Finnland aufgewachsen, hat in London studiert und lebt jetzt in Berlin. Die verschiedenen Einflüsse aus den verschiedenen Kulturen zeigen sich auch in Männistös Kollektion Boys don't cry. Eishockey-Trickots treffen auf opulentes Layering treffen auf großflächige Prints und kleine Details. Sie mag die Idee des Protektiven, des Voluminösen, des sehr sportlich männlichen Looks. Und zeitgleich interessiere sie sich für die historische Einordung und Geschichte der Mode. Die Silhouette habe sie sich aus einer Zeit abgeschaut, in der man als Mann viel Stoff getragen habe, um seinen Wohlstand nach außen hin zu tragen und zu zeigen. Wie lange sie an der Kollektion gearbeitet hat, kann sie gar nicht genau sagen. Vielmehr ist es ein Prozess, der seit ihrem Abschluss am Central Saint Martins in London im Herbst 2014 stattfindet. 

„Plötzlich ging alles so schnell. Ich habe meinen Abschluss gemacht, dann eine kreative Pause, dann wieder weitergearbeitet, dann habe ich meine Bewerbung für den LVMH Prize eingereicht und knappe zwei Wochen später habe ich schon erfahren, dass ich es ins Finale geschafft habe." Was überwiegt bei der Teilnahme an einem solchen Wettbewerb? Das Ringen um Prestige und Aufmerksamkeit oder der tatsächliche Preis, das Geld, das man in sein Label investieren kann? „Beides! Geld ist wichtig, um ein Label aufrechterhalten zu können, aber auch die Augen der Modebranche aus der ganzen Welt, die sich plötzlich für das interessieren, was du in deinem kleinen Studio angefertigt hast … Das ist unbezahlbar."

Credits


Text: Lisa Leinen
Fotos: Wilkosz & Way
Haare und Make-up: Anne Timper / Ballsaal Agency 
Model: Benjamin Brunken / Viva Models Berlin

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