die fotografien von gordon parks bewegen sich zwischen couture und klassenkampf

Gordon Parks wurde in den 60ern zu einer wichtigen Figur in der Bürgerrechtsbewegung - und in der Modefotografie. Seinem Stil ist er dabei immer treu geblieben.

von Lisa Leinen
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03 August 2016, 10:15am

Im Kampf gegen Rassismus und Ungerechtigkeit hat Gordon Parks sich für die Kamera als Waffe entschieden. Parks wird 1912 in Kansas, im mittleren Westen Amerikas, geboren. Zu einer Zeit, in der Rassentrennung brutalst gelebt und nicht hinterfragt wird. Schon als Kind wird er auf Grund seiner Hautfarbe gedemütigt und ausgeschlossen. Doch der junge Afroamerikaner beschließt, seine Wut in Engagement zu verwandeln und sich einen Namen als Chronist des Kampfes für Gleichberechtigung zu machen. Seine Fotos erzählen von Armut, Ausgrenzung, Unrecht, Frustration, Verzweiflung, aber auch von starker Willenskraft und Hoffnung auf gute Zeiten.  

Bevor Parks sich für knappe 13 Dollar seine erste Kamera in einem Pfandhaus kauft, und sich das Fotografieren selbst beibringt, arbeitet er unter anderem als Barpianist in einem Bordell, als Kellner und als Schaffner. Kurz gesagt: In Berufen, in denen er alltäglicher Demütigung ausgesetzt ist. Und vielleicht ist es genau das, was seinen Blick durch die Kamera so unverklärt gemacht hat und ehrlich geformt hat.

Durch sein Talent, nicht nur die Geschehnisse, sondern auch die gesellschaftlichen Zustände bzw. Missstände in eindringlichen Momentaufnahmen festzuhalten, werden jene auf ihn aufmerksam, die das gleiche Ziel wie er verfolgen: Aufklärung und Gerechtigkeit. Er porträtiert Ikonen und Protagonisten der damaligen Bürgerrechtsbewegung wie Malcolm X, Martin Luther King Jr., Muhammad Ali und Kathleen Cleaver und ist ihnen ganz nah, wenn sie Geschichte schreiben. 

1942 schießt Parks sein wahrscheinlich wichtigstes Foto: Ein schwarz-weiß Porträt der Putzfrau Ella Watson. In ihrer rechten Hand hält sie einen Besen, in der linken einen dreckigen Wischmob—im Hintergrund weht die Flagge der Vereinigten Staaten. Emmas Augen sind müde, leer, traurig. Parks wollte mit dem Foto auf das soziale Unrecht aufmerksam machen. Ella Watson wurde nach Veröffentlichung der Aufnahme gekündigt. 

Jenseits der kritischen Fotoreportagen beginnt er, Modestrecken für die Vogue zu fotografieren. Parks, der Fotograf, der zwischen Reichtum und Armut, zwischen Überschwang und Überlebenskampf arbeitete, und sich dennoch nie untreu wird. Nach einigen Jahren kehrte er der glamourösen Scheinwelt den Rücken und besinnt sich auf seine eigentliche Leidenschaft: das Dokumentieren der Realität. Von 1948 bis 1972 arbeitete er als fester Mitarbeiter bei dem Fotomagazin LIFE, bebildert die Rassendiskriminierung und wird teil der Bewegung. 

„Was ich will. Was ich bin. Was du mich zwingst zu sein, ist das, was du bist. Denn ich bin du. Und ich schaue in einen Spiegel und sehe Armut und Verzweiflung, Aufstand und Freiheit. Schau mich an und beginne zu verstehen, dass mich zu zerstören bedeutet, auch dich selbst zu zerstören."


Das C/O Berlin widmet ihm im September eine Hommage, mit über 150 seiner Werke. Die Ausstellung eröffnet am 9. September und läuft bis zum 4. Dezember. Mehr Infos findest du hier.

Credits


Text: Lisa Leinen
Fotos: Gordon Parks via C/O Berlin

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