Unternimmt die Industrie wirklich genug, um Plus-Size-Models zu integrieren?

Ady Del Valle schreibt von seinen Erfahrungen als mehrgewichtige Person in der Mode. Und wird so zum Vorbild für alle, denen es an Repräsentation mangelt.

von Ady Del Valle
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15 Oktober 2019, 8:16am

Foto: Holly Grace Jamili 

Ady Del Valle ist ein Männer-Model, das sich leidenschaftlich für die Rechte und Sichtbarkeit von Body Positivity- und LGBTQ+-Anliegen einsetzt. Sein Herzensprojekt ist die Inklusion von Menschen jeglicher Körperform, jeden Alters, Genders, ob mit oder ohne Behinderung in der Mode und den Medien. Ady ist einer von vielen Aktivist_innen, Autor_innen und Künstler_innen, die ihren ganz persönlichen Beitrag an der Publikation The Other F Word: A Celebration of The Fat and Fierce kreiert haben. Das Buch ist eine sorgfältig kuratierte Sammlung von Kunst, Poesie und Prosa, die Fat Acceptance zelebriert. Die Herausgeberin Angie Manfredi hat eine diverse Gruppe Kreativer zusammengebracht, die alle fest entschlossen sind, eine Kultur zu verändern, die 'schön' mit 'dünn' gleichsetzt. Mit einem starken Fokus auf Empowerment und Aktivismus hilft uns das Buch, unser Leben mit Selbstbewusstsein und Mut zu bestreiten – egal welche Hosengröße du trägst.

Ein Essay daraus stammt von Ady Del Valle:

Die Gesellschaft hat mehrgewichtige Menschen seit Jahren in eine Box gesteckt. Die Gesellschaft versucht uns vorzuschreiben, wie wir uns kleiden und ausdrücken dürfen. Doch die Wahrheit ist, dass Mode keine Größe hat. Mode diskriminiert nicht und sie sagt dir auch nicht, wie du auszusehen hast. Stil ist, wie du entscheidest, dich der Welt zu zeigen. Ich bin fett und liebe Mode. Das sind wichtige Teile meiner Identität. Für mich ist Mode auch eine Art von Self-Care. Wenn ich Sachen trage, die mir ein gutes Gefühl und Selbstbewusstsein geben, dann hilft es mir, mit erhobenem Haupt durch die Straßen zu laufen. Dann fühle ich mich fabelhaft. Ich kann meinen Vibe und meine Präsenz zum Ausdruck bringen – ganz ohne Worte.

Du solltest dich immer großartig mit dir selbst fühlen, egal ob du dich anstrengst modisch immer vorne mit dabei zu sein oder eben nicht. Mode ist nur ein Accessoire unserer Persönlichkeit. In einer Welt, in der du permanent hörst "NEIN, das kannst du nicht tragen" oder dir dein Traumberuf abgesprochen wird, nur weil du fett bist – dann sind das Momente, in denen du dein eigenes Schicksal bestimmst. In deiner eigenen, selbstgeschaffenen Welt kannst du sagen: "JA, ich kann genau das tragen und sein, wer auch immer ich werden will." Diese Haltung lebe und trainiere ich jeden Tag.

Als fette Menschen werden wir immer mit Hindernissen zu kämpfen haben, die unser Selbstwertgefühl bedrohen. Es ist OK, schlechte Tage zu haben. Doch erlaube den Herausforderungen nicht, dass sie dein Leben übernehmen und dich runterziehen. Versuche, dich selbst wieder aus dem Loch herauszuholen. Umgib dich mit positiven Menschen, die dich so lieben, wie du bist und dir helfen, dich als Person weiterzuentwickeln. Gib dir jeden Tag selbst ein Kompliment. Zieh dieses süße Teil an, wenn du aus dem Haus gehst. Das Teil, in dem du so umwerfend aussiehst und dich auch genauso fühlst.

Es war kein einfacher Weg als Plus-Size-Model die größte Größe zu tragen. Leute haben mir gesagt "Du bist zu fett" oder "Du greifst nach Sternen, die nicht existieren". Sowas redet uns unsere Gesellschaft ein. Uns wurde konstant vermittelt, dass wir es nicht wert sind, in der Mode-Industrie zu existieren oder dass wir bestimmte Träume gar nicht erst verfolgen sollen.

Ich bin nicht nur das dickste Model, das momentan in der Industrie aktiv ist, ich bin auch schwul und Latino. Ich repräsentiere eine riesige Gruppe, die überall in der Gesellschaft zu kämpfen hat. Deswegen habe ich nicht aufgegeben und werde es auch niemals tun. Ich möchte sein, was ich selbst nicht hatte: Diese Person, die du siehst und dich direkt mit ihr verbunden fühlst, wenn du durch die Seiten eines Magazins blätterst oder durch die Fernsehkanäle zappst.

Ich möchte, dass du dich selbst in mir siehst und sagst: "SO möchte ich auch sein, DAS will ich auch machen!" Denn du kannst es. Genau das. Ich habe das Modeln als Plattform gewählt, um der Welt zu zeigen, dass wir fetten Menschen wertvoll und kompetent sind, so wie wir sind. Ich habe versucht, den Weg zu ebnen für die Leute, die in meine Fußstapfen treten wollen.

Vergiss nie: Du kannst fett sein UND wunderschön, wertvoll, begehrenswert. Fett ist kein böses Wort. Fett zu sein, ist ein Teil unserer Identität – limitiert uns aber nicht darin zu werden, wer wir sein wollen."

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei unseren Kolleg_innen aus der i-D UK Redaktion.

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